Lebensdaten
1901 bis 2002
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Osnabrück
Beruf/Funktion
Sozialpädagogin
Konfession
-
Normdaten
GND: 118614002 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siegel, Elisabeth Adelheid Margarete
  • Siegel, Elisabeth
  • Siegel, Elisabeth Adelheid Margarete

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Zitierweise

Siegel, Elisabeth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118614002.html [22.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1863–1949), aus Düsseldorf, Oberstudienrat in K.;
    M Helene Leendertz (1878–1974), aus mennonit. Elternhaus in Ostfriesland;
    B (Michael) Harro (1900–85, ⚭ Adelheid Hellwig, Puppenspielerin), Puppenspieler, Prof. f. Kunsterziehung in Braunschweig, gründete 1957 d. „Woche europ. Puppenspiels“ (jetzt: „Woche d. Internat. Figurentheaters“) ebd., 1964–72 Leiter d. Künstlerstiftung Villa Romana in Florenz (s. L), Hans Wilhelm (s. 2), Rolf (1910–44 ⚔); – ledig.

  • Leben

    S. wuchs in Kassel auf. Eine prägende Erfahrung für ihre spätere politische Haltung wurde 1918 ihre Verpflichtung zur Herstellung von Maschinengewehrmunition in einer nahegelegenen Fabrik. Nach dem Abitur 1920 absolvierte sie bis 1923 ein Praktikum im Kinderheim Meura und wechselte dann nach Hamburg zum Studium am Sozialpädagogischen Institut, wo sie 1925 ihr Examen als Jugendwohlfahrtspflegerin ablegte. Seit 1926 studierte S. Pädagogik, Psychologie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Göttingen und wurde 1930 bei Herman Nohl (1879–1960) mit einer Arbeit über „Das Wesen der Revolutionspädagogik, Eine historisch-systematische Untersuchung an der Franz. Revolution“ (gedr. 1930) zum Dr. phil. promoviert; ein Gastsemester verbrachte sie 1927 in Heidelberg. Seit 1930 arbeitete sie als Dozentin für Pädagogik an der Sozialpädagogischen Frauenschule in Breslau, 1931/32 an der Pädagogischen Akademie Stettin. Von dort wechselte sie an die Pädagogische Akademie Elbing und wurde 1933 aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ entlassen. Über den freiwilligen Arbeitsdienst Ostpommern war S. anschließend an verschiedenen Orten in der Siedlungshilfe tätig. Von 1934 bis zu ihrer (wohl politisch motivierten) Entlassung 1938 unterrichtete sie an den Staatlichen Fachschulen für Frauenberufe in Bremen und baute als neuen Zweig die Fachschule für Volkspflegerinnen auf. Im selben Jahr erhielt S. eine Anstellung als Oberin an der Viktoria-Schule in Magdeburg, einer höheren Mädchenschule mit angegliedertem Kindergärtnerinnen-Seminar, und arbeitete dort bis zum Winter 1945.

    Nach dem Krieg berief sie der niedersächs. Kultusminister Adolf Grimme 1945 als Hilfsreferentin in der Abteilung Lehrerbildung an sein Ministerium in Hannover. Seit 1946 war sie Dozentin, seit 1947 Professorin für Pädagogik an der neu gegründeten Pädagogischen Hochschule in Lüneburg, wo sie 1951 vor dem Hintergrund interner Unstimmigkeiten entlassen wurde. Im selben Jahr erhielt sie einen Lehrstuhl an der Pädagogischen Adolf-Reichwein-Hochschule in Celle, die 1953 nach Osnabrück verlegt wurde. Nach ihrer Emeritierung 1969 engagierte sie sich als Mitglied der SPD (seit 1969), war in der Friedensbewegung aktiv und veröffentlichte ihre Autobiographie (Dafür u. dagegen, Ein Leben f. d. Soz.päd., 1981).

    S. zählte als Professorin zu den Pionierinnen der Sozialpädagogik im Hochschulbereich. Sie hatte wesentlichen Einfluß auf die Ausrichtung und Gewichtung der modernen Sozialpädagogik und trat in ihrer Lehre v. a. für die Bedeutung der Praxisnähe pädagogischer Ausbildung ein. Neben einer politischen Sensibilisierung durch eigene Erfahrungen waren ihr die Einbeziehung der Hintergründe kindlicher Existenz, des sozialen und kulturellen Umfelds in eine kindgerechte Erziehung immer wichtiger als die reine Fachbezogenheit. Mit dem „sozialpädagogischen Praktikum“ realisierte sie folgerichtig ein Modell, das Schul- und Sozialpädagogik sinnvoll miteinander verband. – Seit 2001 verleiht die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Osnabrück alle zwei Jahre den E.-S.-Preis an engagierte Streiterinnen für demokratische Grundrechte und die Rechte von Frauen.

  • Auszeichnungen

    Gründungsmitgl. b. Neugründung d. Pestalozzi-Fröbel-Verbandes (1948); Ehrenmitgl. d. Dt. Ges. f. Erziehungswiss.; Niedersächs. Verdienstorden (1981); Justus-Möser-Medaille d. Stadt Osnabrück (1984).W Die geistigen u. seel. Voraussetzungen d. Arb. d. Sozialtätigen; Autobiogr., in: L. Pongratz (Hg.), Päd. in Selbstdarst., Bd. 4, 1982, S. 240–86; Bericht, in: S. Hering u. E. Kramer (Hg.), Aus d. Pionierzeit d. Soz.arb., Elf Frauen berichten, 1984, S. 22–40; E. S. im Gespräch mit Anne Frommann, in: A. Kaiser u. M. Oubaid (Hg.), Dt. Pädagoginnen d. Gegenwart, 1986, S. 83–94; Erfahrung als Entwurf, Erlebte Gesch. d. Soz.päd. u. d. „Gilde Soz. Arb.“, 1988; – zu Harro: Herstellung e. Marionettenpuppe, 1936; Technik d. Marionettenspiels, 1937; Carl Heinrich Becker, 1946; Vom Puppenspiel in Dtld. 1933 bis 1945 (Erinnerungen an d. N.S.-Zeit), 1981, Nachdr. 2008; H. S.s Marionetten, 1982 (P).

  • Literatur

    L M. Freitag, „Stell dich nicht so an!“, Versuch e. Lebens-Porträts d. Prof. E. S., in: Neue Osnabrücker Ztg. v. 24. 12. 1982;
    T. Sander (Hg.), Auf d. Wege z. dt. Bildungseinheit? Frau Prof. em. Dr. E. S. z. 90. Geb. gewidmet, 1991;
    M. Bourmer, „Meine Lebensgesch. verlief parallel z. diesem Jh., E. S., Ein Leben f. d. Soz.päd., 2000 (P);
    E. Hattebier, Lehren f. d. Leben, E. S., Biogr., 2001 (P);
    Erziehungswiss. 13, 2002, H. 25, S. 67–69;
    Hesse, Preuß. Päd.;
    zu Harro:
    A. Reichwein, H. S., 1940;
    G. Bohlmeier, Puppenspiel 1933–1945 in Dtld., 1985;
    ders., Das Reichsinst. f. Puppenspiel, Ein Btr. z. Gesch. d. Figurentheaters, 1993;
    Braunschweiger Stadtlex.;
    Braunschweiger Biogr. Lex.

  • Autor/in

    Edda Hattebier
  • Empfohlene Zitierweise

    Hattebier, Edda, "Siegel, Elisabeth" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 336-337 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118614002.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA