Lebensdaten
1903 bis 1997
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Ronco (supra Ascona) (Kanton Tessin)
Beruf/Funktion
Kaufmann ; Sammler ostasiatischer Kunst ; Stifter
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 123353947 | OGND | VIAF: 64912572
Namensvarianten
  • Siegel, Hans Wilhelm
  • Siegel, H. W.

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Zitierweise

Siegel, Hans Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123353947.html [28.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    Schw Elisabeth (s. 1); ledig; 1 Adoptiv-S.

  • Leben

    Bereits in seinem Elternhaus kam S. mit der chin. Kultur in Berührung, denn sein Onkel Hermann Börner war im Handel mit China tätig. Neben seiner kaufmännischen Ausbildung in Hamburg studierte S. engl. Literatur, Philosophie und Sinologie. Nach abgeschlossener Lehre trat er als Kaufmann in die Firma Hugo Stinnes mit Handelsniederlassungen in Shanghai und Qingdao ein. Im Jan. 1923 trat er seine erste Reise nach Ostasien an. 1926 kehrte er nach Deutschland zurück und studierte in Berlin Sinologie und chin. Geschichte bei Otto Franke (1863–1946). Noch im selben Jahr kehrte er im Auftrag der Handelsgesellschaft B. Meyer nach Shanghai zurück, 1931 wechselte er zu der renommierten Hamburger Import-Export Firma Kunst & Albers, die er in Nanjing, Hankou und später in Chongqing vertrat. Schließlich kehrte er nach Shanghai zurück, wo er bis zum Ende des Krieges blieb. Nach der dt. Kapitulation im April 1945 galten die Deutschen in China als staatenlos. Im Zuge der japan. Kapitulation im Aug. 1945 wurden zahlreiche Deutsche inhaftiert, ihre Immobilien und Konten beschlagnahmt. S., der sich nie für die Nationalsozialisten bzw. die japan. Besatzer stark gemacht hatte, blieb in Freiheit. Zusammen mit einigen Kaufleuten gründete er die neue dt. Gemeinde („German Residents' Association“), der er 1952–55 vorstand. Nach dem Einmarsch der Roten Armee vertrat S. die Interessen seiner Landsleute gegenüber der „German Affairs Commission“ des chin. Außenministeriums und half bei der Repatriierung der mittellosen Deutschen aus ganz China, deren Geschäfte und Konten liquidiert worden waren. Er nahm in einer Art „Geschäftsführung ohne Auftrag“ die Aufgaben eines Konsuls wahr, da die Bundesrepublik noch keine amtlichen Beziehungen zu Peking unterhielt. Sein diplomatisches Geschick brachte ihm den Spitznamen des „dt. Untergrundkonsuls“ ein. 1955 übersiedelte S. nach Hongkong, wo er für die Bayer AG das Ost- und Südostasien Ressort übernahm. 1975 kehrte er nach Europa zurück und lebte bis zu seinem Tod in Ronco bei Ascona.

    Seit Beginn der 1930er Jahre trug S. eine herausragende Sammlung chin. Frühkeramik (ca. 3500 v. Chr. – 1400 n. Chr.) und Sakralbronzen zusammen, die er 1945 im Diplomatengepäck skandinav. Freunde nach Europa verschiffte. 1972 wurde seine Sammlung im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln katalogisiert und erstmalig ausgestellt, danach auch in Frankfurt/M., Berlin und Zürich. Seit seinem ersten Besuch in Angkor 1936 begann S. außerdem, eine Sammlung von Thai- und Khmer-Kunst zusammenzutragen, die 1977 erstmalig in Frankfurt/M., Tübingen und Cambridge ausgestellt und publiziert wurde, 1984 auch im Rautenstrauch-Joest Museum in Köln. 1974 erwarb die Stadt Köln S.s China-Sammlung für das Museum für Ostasiatische Kunst, und S. brachte einen Großteil des Erlöses aus dem Verkauf in die von ihm 1973 gegründete Orientstiftung zur Förderung der Ostasiatischen Kunst ein, die fortan zahlreiche Ankäufe, Publikationen und Forschungsprojekte unterstützte. Durch die Veräußerung der Thai- und Khmer-Sammlung an die Stadt Köln erfuhr die Orientstiftung Mitte der 1980er Jahre eine Erweiterung zugunsten des Rautenstrauch-Joest Museums.

  • Auszeichnungen

    nordrhein-westfäl. Prof. (1993).

  • Literatur

    A. Schlombs, Portraits of Three Collectors, Hans Jürgen v. Lochow, H. W. S. and Peter Ludwig, in: Orientations 28, H. 1, 1997, S. 62–65;
    A. Rossmann, in: FAZ v. 12. 3. 1998;
    R. Goepper, H. W. S. u. d. v. ihm gegr. Orientstiftung z. Förderung d. Ostasiat. Kunst, in: Kunst zu fördern, hg. v. d. Orientstiftung, 2000, S. 10–12;
    A. Freyeisen, Shanghai u. d. Politik d. Dritten Reiches, 2000, bes. S. 122–27;
    zur chin. Slg.: R. Goepper (Hg.), Form u. Farbe, Chin. Bronzen u. Frühkeramik, Slg. H. W. S., Ausst.kat. Mus. f. Ostasiat. Kunst in Köln 1972;
    M. Tregear, Song Ceramics, 1982;
    W. Watson, Liao Ceramics, 1984;
    J. Huo, Feuer u. Erde, Chin. Frühkeramik im Mus. f. Ostasiat. Kunst Köln/Fire and Earth, Early Chinese Ceramics in the Mus. of East Asian Art, Cologne, Ausst.kat. 2008;
    zur Thai- u. Khmer-Slg.:
    Legende u. Wirklichkeit, Frühe Keramiken aus Südostasien/Legend and Reality, Early Ceramics of Southeast Asia, Ausst.kat. 1977;
    Das zeitlose Bildnis, Plast. Kunst der Thai u. Khmer, Ausst.kat. Rautenstrauch-Joest Mus. 1984.

  • Portraits

    Photo, 1972 (Mus. f. Ostasiat. Kunst, Köln).

  • Autor/in

    Adele Schlombs
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlombs, Adele, "Siegel, Hans Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 337-338 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123353947.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA