Lebensdaten
1906 bis 1963
Geburtsort
Hannover
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Astronom
Konfession
-
Normdaten
GND: 123668174 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siedentopf, Heinrich
  • Siedentopf, H.

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Zitierweise

Siedentopf, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123668174.html [19.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich, Oberpostinsp. in H.;
    M Auguste Bitterberg;
    Schweinfurt Ingrid (1907–99), T d. Henricus Lüppo-Cramer (1871–1943), Photochemiker (s. NDB 15), u. d. Käthe Schröder (1879–1954);
    2 S Heinrich B. (* 1935), Dr. phil., Archäol., 1966–99 Mitarb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. am Corpus Vasorum Antiquorum (CVA), Schriftst., Henning E. (* 1937), Dr. phil., Musikwiss., Komp.

  • Leben

    S. legte 1924 am Realgymnasium in Hannover die Reifeprüfung ab. Nach einer Tätigkeit als Praktikant in der Lehrwerkstatt der Hanomag-Werke studierte er Mathematik und Physik zunächst an der TH Hannover und seit 1925 an der Univ. Göttingen. Dort wurde er 1929 als Schüler von Hans Kienle (1895–1975) und Otto Heckmann (1901–83) mit einer Arbeit über „Grundlagen der Kosmogonie“ promoviert, in der er erste Ansätze für das Verständnis der Sternentwicklung formulierte. Danach Assistent an der Göttinger Sternwarte, wechselte S. 1930 an die Universitätssternwarte Jena. 1932 habilitierte sich S. mit Untersuchungen zur Theorie der periodisch veränderlichen Sterne. Seine durch Heinrich Vogt (1890–1968) angeregten Arbeiten zur Sternentwicklung und zur Konvektion in Sternatmosphären trugen wesentlich zum Verständnis der Sonnengranulation bei.

    Nach seiner Berufung zum ao. Professor und Direktor der Universitätssternwarte Jena im Dez. 1933 (es besteht kein Zusammenhang mit der NS-Machtübernahme im selben Jahr) untersuchte S. neben theoretischen Fragen auch beobachtungstechnische Probleme der photographischen und lichtelektrischen Photometrie der Sterne. Dabei verband er beste Beobachtungskunst mit treffsicherer theoretischer Deutung. Unter S.s Leitung entwickelte sich die Jenaer Sternwarte zu einer Keimzelle der astrophysikalischen Forschung in Deutschland. Im Juni 1945 wurde S. auf Anordnung der amerik. Militärregierung zusammen mit fast 300 anderen Wissenschaftlern der Univ. Jena in die US-Besatzungszone umgesiedelt und gelangte nach Heidenheim/Brenz. Es folgten Jahre der beruflichen Ungewißheit, in denen u. a. das Lehrbuch „Grundriß der Astrophysik“ (1950) entstand. Im Juni 1949 wurde S. als ao. Professor an die Univ. Tübingen berufen und zudem stellvertretender Direktor des Fraunhofer-Instituts für Sonnenforschung in Freiburg|(Br.). Er baute den seit zwei Jahrzehnten vakanten astronomischen Lehrstuhl neu auf und erreichte nach langen Verhandlungen den Bau eines neuen astronomischen Instituts auf der Waldhäuser Höhe in Tübingen, das 1960 fertiggestellt wurde ( 1956 persönl. Ordinarius, 1960 o. Prof.). In Tübingen setzte S. in Jena begonnene Forschungsvorhaben zur Optik der Erdatmosphäre (Szintillation, Zodiakallicht, Nachthimmelleuchten), zur interstellaren Materie und zu elektronischen Meßmethoden fort, wandte sich aber auch der Radioastronomie zu. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich Problemen der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit und besonders aktiv dem Projekt der europ. Südsternwarte (heute European Southern Observatory).

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Internat. Astronomical Union, d. Astronom. Ges. (1928, Vorstandsmitgl. 1939–45), d. Wiss. Beirats d. Dt. Wetterdienstes (1953), d. European Space Research Organization (1962) u. d. Dt. Komm. f. Weltraumforsch. (1963); Vors. d. Arbeitsgemeinschaft Ionosphäre d. Dt. Geophysikal. Institute (1955), d. Site-Testing Commission of the European Southern Observatory (1962) u. d. Komm. f. Radioastronomie d. Union Radio Scientifique Internationale; korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss., Heidelberg (1955); – Mondkrater S. (1970); Planetoid S. (1993).

  • Werke

    Sternspektren, in: G. Joos (Hg.), Hdwb. d. Naturwiss. IX, 21933, S. 572–79;
    Bau u. Bewegung d. Universums, Sternaufbau u. Sternentwicklung, in: S. Newcomb u. R. Engelmann (Hg.), Populäre Astronomie, 81948, S. 823–933;
    Grundriß d. Astrophysik, 1950;
    Astrophysikal. Instrumente, Physik d. Einzelsterns, Sonnenphysik, Interstellare Materie, alle in: H. Westphal (Hg.), Physikal. Wb., 1952;
    Leistung d. Fernrohre, Einfluß d. Erdatmosphäre, in: Landolt-Börnstein (Hg.), Zahlenwerte u. Funktionen, Bd. 3, Astronomie u. Geophysik, 61952, S. 22–34;
    On Astronomical Observing Conditions in South Africa and Chile, Comparison between South Africa and Chile, in: Report to the ESO Council from the ESO Commisssion for Site-Testing, 1963;
    – Mensch u. Weltall, Btrr., hg. v. H. Elsässer, 1966 (W-Verz.);
    Mithg.:
    Probleme d. kosm. Physik, seit 1949.

  • Literatur

    | H. Elsässer, in: Mitt. d. Astronom. Ges. 17, 1963, S. 33–37 (P);
    H. Vogt, in: Die Sterne 40, 1964, S. 169–71;
    Pogg. VI, VII a.

  • Autor/in

    Reinhard E. Schielicke
  • Empfohlene Zitierweise

    Schielicke, Reinhard E., "Siedentopf, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 333-334 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123668174.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA