Lebensdaten
1893 bis 1964
Geburtsort
Altena (Sauerland)
Sterbeort
Gut Schwalbenhof bei Gärtringen bei Böblingen (Württemberg)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Literaturkritiker ; Journalist
Konfession
-
Normdaten
GND: 118765191 | OGND | VIAF: 24616775
Namensvarianten
  • Sieburg, Friedrich Karl Maria
  • Sieburg, Friedrich
  • Sieburg, Friedrich Karl Maria
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Zitierweise

Sieburg, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765191.html [04.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1848–1930), Leiter d. Gütertransports b. Dt. Stahlwerkerverband;
    M Clara Slop van Cadenberg (1857–1932);
    2 Halb-B Erich (1878–1947), Dr. phil., Studienrat am Gymn. u. am Lyzeum d. Stadt Herne, Theater- u. Lit.kritiker, Schriftst. (s. Westfäl. Autorenlex. III), Ernst (1885–1937), Dr. med., Prof. f. Med. in Hamburg (s. Pogg. VI), 2 Halb-Schw (früh †), 1 B Franz (1889-um 1960), Zahnarzt in Düsseldorf, 1 Schw Maria (Mirjam) (1891–1968), Gewerbeschullehrerin in Düsseldorf;
    1) Berlin 1921 1922 Beate Finkh, Schausp., 2) Kopenhagen 1926 1941 Ellinor Kielgast-Wissing (1887–1959), dän. Journ., Kinderbuchautorin, 3) Paris 1942 1944 Dorothee (1911–75, 1] Carl Erdmann Gf. v. Pückler, 1906–41 ⚔, Mitarb. d. Ausw. Amtes, preuß. Referendar, 3] Hasso v. Etzdorf, 1989, Dr. iur., Min.dir., Botschafter), aus Stuttgart, T d. Bernhard Friedrich v. Bülow u. d. Adriane Gans Edle zu Putlitz, 4) Gärtringen 1963 Alwine (Winnie) Kiefer, geb. Stephan (1907–93); 1 außerehel. S Johannes Georg Bengsch (1922–2001);
    N Heinz Otto (1917–2003), Dr. phil., Prof. f. Gesch. an d. Univ. d. Saarlandes, Saarbrücken, Vf. v. Werken z. dt.-franz. Historiographiegesch., 1981 Mitgl. d. Komm. f. saarländ. Landesgesch. u. Volksforsch., Offz. d. Palmes académiques par la France (s. L).

  • Leben

    S.s Familie zog 1904 von Altena nach Düsseldorf, wo S. am humanistischen Gymnasium 1912 sein Abitur ablegte. Danach studierte er Philosophie, Germanistik und Geschichte in Heidelberg und München, u. a. bei Friedrich Gundolf. In Heidelberg führte ihn Norbert v. Hellingrath in den George-Kreis ein. Seit 1914 nahm S. am 1. Weltkrieg teil, dessen Ende er im Rang eines Leutnants der Reserve als Verwundeter in Münster erlebte. Dort schloß er 1919 sein Studium mit der von Julius Schwering betreuten Dissertation „Die Grade der lyrischen Formung, Beiträge zu einer Ästhetik des lyrischen Stils“ ab. Anschließend lebte er als freier Schriftsteller in Berlin, wo er mit Walter Hasenclever und Kurt Tucholsky in Verbindung stand. 1921–25 entstanden theater- und filmkritische Beiträge u. a. für „Die Weltbühne“. Ende 1923 zog S. nach Kopenhagen und begann, zunächst in loser Form, für die „Frankfurter Zeitung“ zu arbeiten. Für sie ging er 1926 nach Paris und avancierte dort rasch zu einem der meistbeachteten Auslandskorrespondenten Deutschlands. 1930 wechselte er nach London, 1932 kehrte er nach Paris zurück.

    Internationale Bekanntheit erlangte S. 1929 durch sein vielfach nachgedrucktes und in acht Sprachen übersetztes Buch „Gott in Frankreich?“, in dem er der franz. Politik, Wirtschaft und Kultur anachronistische Züge attestierte, zugleich aber auch seiner großen Faszination von diesem Land Ausdruck gab. Zu Beginn der Weltwirtschaftskrise orientierte sich S. politisch im Umfeld des konservativ-revolutionären „Tat-Kreises“ um Hans Zehrer. Hitlers „Machtergreifung“ empfand er bei aller „Freude über die starke Welle des nationalen Selbstbewußtseins“ als „eine furchtbare politische und geistige Enttäuschung“. In seiner Biographie „Robespierre“ (1935, zahlr. Nachdrr.) geißelte S. eine Politik, die „eine Republik in kurzer Zeit in einen lichtlosen Kerker“ verwandelt habe, „der von den Seufzern der guten Bürger und dem Hohnlachen der Halunken erfüllt war“. Die Zensur störte sich nicht an diesem Buch über die „Schreckensherrschaft“ in Frankreich, sie verbot jedoch den Großessay „Es werde Deutschland“ (1932) wegen einer Passage mit einer unmißverständlichen Kritik am Antisemitismus. 1937–39 unternahm S. für die „Frankfurter Zeitung“ Reisen nach Afrika, Portugal und Japan, über die er ausführliche Reportagen veröffentlichte, die auch als Buch erschienen. 1939 wurde er als Gesandtschaftsrat der dt. Botschaft nach Brüssel berufen, 1940 als Botschaftsrat nach Paris. Er habe sich, erklärte S. nach dem 2. Weltkrieg, dieser Dienstverpflichtung nicht entzogen, weil er seine Feder sonst in den Dienst der Kriegsführung hätte stellen müssen. Über S.s Arbeit im besetzten Frankreich ist wenig bekannt. In seiner Rede „France d'hier et de demain“ vor der „Groupe Collaboration“ im März 1941 bekannte er, durch das Leben in Frankreich „zum Kämpfer und zum Nationalsozialisten“ erzogen worden zu sein. Ob sein Aufnahmegesuch in die NSDAP zu Beginn der 1940er Jahre angenommen wurde, ist ungeklärt. Ebenfalls unklar ist, warum S. Ende 1942 seinen Dienst quittierte, wieder für die „Frankfurter Zeitung“, nach deren Verbot im März 1943 für die „Börsenzeitung“ arbeitete und sich 1944 erst nach Rübgarten, dann nach Tübingen und schließlich nach Bebenhausen zurückzog.

    Nach Kriegsende erteilte die franz. Militärregierung S. Schreibverbot, und er mußte sich im Nov. 1945 nach Birkenfeld/Nahe begeben. Im Juli 1946 durfte er nach Bebenhausen zurückkehren. Im Mai 1947 zog er nach Tübingen und wurde – 1948 im Entnazifizierungsverfahren als „unbelastet“ eingestuft – Literaturkritiker der Halbmonatsschrift „Die Gegenwart“, die er von Juli 1949 an auch mit herausgab. Daneben schrieb er gelegentlich für die Wochenzeitung „Die Zeit“. Weil er die Literatur der Moderne weitgehend mit Mißachtung strafte, wurde er von der „Gruppe 47“ angefeindet.

    1952 übersiedelte S. nach Stuttgart, 1957 nach Gärtringen. Von dort aus leitete er bis 1964 das Literaturblatt der FAZ, das er 1956 übernommen hatte. Sein größter Bucherfolg in der Nachkriegszeit war seine Biographie „Napoleon“ (1956, zahlr. Nachdrr. u. Überss.), in der er einer Dämonisierung des franz. Kaisers widersprach. „Chateaubriand“ (1959, zahlr. Nachdrr.) ist mehr als die Biographie eines romantischen Schriftstellers, denn die Darstellung geht beständig in ein Selbstporträt S.s über. So lernt man in diesem Buch einen Charakter kennen, für den Opportunismus keinen Mangel darstellt, „sondern ein politisches Mittel, ohne das es überhaupt nicht möglich ist, Politik zu machen“. Den „Konflikt zwischen Kunst und Aktion“ habe Chateaubriand, schreibt S. in seinem Nachwort, „nicht gelöst, aber voll|durchlebt“. Das gilt ohne Abstriche auch für S. selbst.

    Als Frankreichkenner, Literaturkritiker und Kommentator dt. Befindlichkeiten (Die Lust am Untergang, Selbstgespräche auf Bundesebene, 1954) war S. einer der einflußreichsten Publizisten der frühen Bundesrepublik.

  • Auszeichnungen

    Prof.titel d. Landes Baden-Württ. (1953);
    Mitgl. d. Ak. d. Künste Berlin (1956);
    Lit.preis d. Bundesverbands d. Dt. Industrie (1957), Gr. BVK (1959);
    Annette-v.-Droste-Hülshoff-Preis u. Westfäl. Lit.preis (1963).

  • Werke

    Weitere W Die Erlösung d. Straße, 1920;
    Okt.legende, 1922;
    Vendée, 1931;
    Die rote Arktis, 1932;
    Polen, Legende u. Wirklichkeit, 1934;
    Portugal, Bildnis e. alten Landes, 1937;
    Afrikan. Frühling, 1938;
    Blick durchs Fenster, 1939;
    Die stählerne Blume, 1939;
    Schwarzweiße Magie, Über d. Freiheit d. Presse, 1949;
    Unsere schönsten J., 1950;
    Was nie verstummt, 1951;
    Geliebte Ferne, 1952;
    Hundertmal Gabriele, 1953;
    Kl. Gesch. Frankreichs, 1953;
    Nur f. Leser, 1955;
    Paris, Anblick u. Rückblick, 1959;
    Helden u. Opfer, 1960;
    Das Geld d. Königs, Eine Stud. über Colbert, 1960;
    Lauter letzte Tage, 1961;
    Eine Maiwoche in Paris, 1961;
    Im Licht u. Schatten d. Freiheit, Frankr. 1789–1848, 1961;
    Christian Dietrich Grabbe, Napoleon oder d. hundert Tage, 1963;
    Gemischte Gefühle, Notizen z. Lauf d. Zeit, 1964;
    Verloren ist kein Wort, Disputationen mit fortgeschrittenen Lesern, 1966;
    Nicht ohne Liebe, Profile d. Weltlit., 1967;
    Franz. Medaillons, 1967;
    Zur Lit., hg. v. F. J. Raddatz, 2 Bde., 1981;
    Abmarsch in d. Barbarei, Gedanken über Dtld., hg. v. K. Harpprecht, 1983;
    – Werkausg., 7 Bde., 1981–93 (unvollst.);
    – Nachlaß: DLA Marbach.

  • Literatur

    M. Miehlnickel, Feuilletonist. Sprache u. Haltung b. F. S. u. Sigismund v. Radecki, Diss. Berlin 1962;
    F. Schonauer, in: H.-W. Richter (Hg.), Bestandsaufnahme, 1962, S. 477–93;
    ders. in: Lit.magazin 7, 1977, S. 237–51;
    ders., in: K. Corino (Hg.), Intellektuelle im Banne d. Nationalsozialismus, 1980, S. 107–19;
    ders., in: Neue Dt. Hh. 172, 1981, S. 794–800;
    H. Bienek, Werkstattgespräche mit Schriftst., 1965, S. 219–35;
    H. Daiber, Vor Dtld. wird gewarnt, Siebzehn exemplar. Ll., 1967, S. 78–82 u. 149–55;
    M. Flügge, in: Vermittler, Dt.-franz. Jb. 1, 1981, S. 197–218;
    M. Taureck, F. S. in Frankr., 1987;
    dies., Feuchtwanger versus S., Zwei Starautoren d. Weimarer Rep. im Frankr. d. 30er J., in: Jb. f. Internat. Germanistik, R. A, Bd. 76, 2006, S. 127–39;
    T. Krause, Mit Frankr. gegen d. dt. Sonderbewußtsein, 1993 (P);
    J. Kersten, in: A. Ebbinghaus u. K. H. Roth (Hg.), Grenzgänge, 1999, S. 51–93;
    C. v. Buddenbrock, F. S. 1893–1964, Un journaliste allemand à lépreuve du siècle, 1999, dt. 2007;
    C. Zuckmayer, Geheimreport, 2002, bes. S. 82–86 u. 156;
    G. Nickel, in: Zuckmayer-Jb. 5, 2002, S. 247–95;
    ders., in: FAZ v. 21. 1. 2004;
    BBKL X (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Killy;
    Munzinger;
    Baden-Württ. Biogrr. III;
    Westfäl. Autorenlex. III (Qu, W, L, P);
    zu Heinz Otto:
    A. H. V. Kraus, in: Saarpfalz, Bll. f. Gesch. u. Volkskde., 1998, H. 3, S. 43–52;
    W. Müller, ebd. 2005, H. 3, S. 31–35 (P);
    A. Wahl, in: Francia 31, H. 3, 2004, S. 207 f.P Zeichnung v. R. Sprick, 1962 (Münster, Westfäl. Landesmus. f. Kunst u. Kulturgesch.).

  • Autor/in

    Gunther Nickel
  • Empfohlene Zitierweise

    Nickel, Gunther, "Sieburg, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 331-333 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765191.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA