Lebensdaten
1863 bis 1931
Geburtsort
Fronhausen/Lahn
Sterbeort
Marburg/Lahn
Beruf/Funktion
Bakteriologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 1019419504 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siebert, Georg Friedrich Carl
  • Siebert, Carl
  • Siebert, Georg Friedrich Carl

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Zitierweise

Siebert, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1019419504.html [23.05.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Hermann Friedrich (1831–1918), Apotheker, seit 1870 Univ.apotheker in M., Vizebgm. u. Ehrenbürger v. M., S d. Georg Wilhelm (1793–1868), Präceptor in Treysa (heute Schwalmstadt, Hessen), u. d. Karoline Wilhelmine Henriette Kulenkamp (1806–64);
    M Luise Rohde (1835–1910);
    Kassel 1891 Johanna Wilhelmine (1869–1940), T d. K. G. André, Fabr., Großhändler;
    3 S (1 früh †) Hans Adolf (* 1899, ⚭ Elisabeth Funk), Reinhard Hans Walter (* 1905, ⚭ Antonie Slotta, 1913–95), 3 T Ottilie Elisabeth Louise (1892–1980, ⚭ Paul Erich Lührs, 1887–1967, Tiermed., Leiter d. Bakteriolog. Inst. d. Landwirtschaftskammer Oldenburg), Else (1894–1973, ⚭ Ernst Johannes Alexander Beckmann, 1893–1957, Oberpräs. in Kassel), Johanna (* 1896).

  • Leben

    S. besuchte bis zur Obersekunda das Gymnasium in Marburg, wo die Familie seit 1869 lebte, und begann 1879 eine Apothekerlehre in der väterlichen Schwan-Apotheke. Im Anschluß an die Gehilfenprüfung konditionierte er in Magdeburg und Stuttgart und beschäftigte sich im Pharmazeutisch-chemischen Institut in Marburg bei Ernst Schmidt (1845–1921) mit analytischen Arbeiten. Danach war er als Apothekergehilfe in Freiburg (Br.) und schließlich in GroßMoyeuvre bei Metz tätig. 1886 immatrikulierte er sich an der Univ. Marburg und legte im Wintersemester 1887/88 die Pharmazeutische Staatsprüfung ab. Anschließend studierte S. noch vier Semester Naturwissenschaften und führte unter Leitung von Schmidt chemische Untersuchungen von Solanaceenalkaloiden durch. Mit einer darüber angefertigten Dissertation „Über die Bestandtheile von Scopolia atropoides, Anisodus luridus, Solanum nigrum, Lycium barbarum und Atropa belladonna“ wurde er 1889 an der Univ. Erlangen promoviert, da dies in Marburg ohne Abitur nicht möglich war. 1891 übernahm S. die väterliche Apotheke, die er bis 1902 leitete.

    1902 errichtete S. gemeinsam mit dem Apotheker Hans Ziegenbein (1867–1920) in Marburg eine offene Handelsgesellschaft zur Fabrikation und zum Verkauf pharmazeutischer und chemischer Produkte, insbes. standardisierter Digitalis- und Strophanthinpräparate. 1904 gründete Emil v. Behring (1854–1917) mit S. und Ziegenbein das „Behringwerk Marburg (Lahn)“. Behring hatte beiden bereits 1903 den Alleinvertrieb des Tetanusheilserums sowie seines Tuberkulose-Impfstoffes übertragen und verpflichtete sich, seine diesbezüglichen wissenschaftlichen Ergebnisse ausschließlich der Firma zur geschäftlichen Verwertung zur Verfügung zu stellen. Als Geschäftseinlage brachte er u. a. das am Schloßberg in Marburg gelegene Privatlaboratorium ein. S., der von Anfang an die Leitung des Betriebes, in dem zunächst zehn bis zwölf Personen tätig waren, übernommen hatte, war nach Ausscheiden von Ziegenbein 1909 alleiniger Inhaber der Firma „Behring-Werk Dr. Carl Siebert“, während Behring als stiller Teilhaber beteiligt blieb. Die 1914 erfolgte Gründung der „Behring-Werke GmbH“ in Bremen und Marburg mit einem Stammkapital von 675 000 Mark ermöglichte größere Investitionen, so daß die fabrikmäßige Herstellung von Diphtherieund Tetanusserum möglich wurde. Nach Behrings Tod übernahm S. auch die wissenschaftliche Leitung; 1920 wurden die Behring-Werke in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. S. blieb zunächst wissenschaftlicher Leiter, trat 1921 von der Geschäftsführung zurück, gehörte 1922–29 aber noch dem Aufsichtsrat an.

    S. beschäftigte sich auch mit wissenschaftlichen Fragen, so 1905 gemeinsam mit Wilhelm Biltz (1877–1943) und Hans Much (1880–1932) mit der Entgiftung toxischer Lösungen. In den folgenden Jahren entstanden ultramikroskopische Untersuchungen von Tuberkel-, Diphtherie- und Colibakterien und Tetanussporen sowie zur durch Tuberkelbazillen erzeugten Immunität bzw. zum Tuberkulinpräparat Tubolytin. Daneben beschäftigte S. sich auch mit Krebs- und Syphilis-Forschungen sowie mit Versuchen zur|physiologischen Standardisierung von Digitalispulvern und wässrigen Digitalisauszügen.

  • Werke

    Experimentelle Btrr. zu e. Adsorptionstheorie d. Toxinneutralisierung u. verwandter Vorgänge, in: E. v. Behring (Hg.), Btrr. z. experimentellen Therapie, Bd. 10, 1905, S. 30–54 (mit W. Biltz u. H. Much);
    Ultramikroskop. Bakterien-Photogramme, ebd., S. 55–58;
    Über Erfahrungen b. d. Züchtung v. Tuberkelbazillen, in: SB d. Ges. z. Beförderung d. gesamten Naturwiss. zu Marburg, 1908, S. 179–85;
    Ultramikroskop. Untersuchungen, in: Zs. f. Diätetik u. Physikal. Therapie 8, 1905, S. 19–27 u. 94–96 (mit H. Much u. P. H. Römer);
    Über Tubolytin, in: Tuberculosis 12, 1913, S. 499–508;
    Ein reines Tuberkulinpräparat (Tubolytin), in: Btrr. z. Klinik d. Tuberkulose u. spezifischen Tuberkulose-Forschung 26, 1913, S. 193–204 (mit P. H. Römer);
    Durch Tuberkelbazillen erzeugte Immunität gegen Tuberkulose, in: Dt. Med. Wschr. 40, 1914, S. 535–38.

  • Literatur

    Pharmazeut. Ztg. 76, 1931, S. 876;
    C. Friedrich, in: C. F. S., Apotheker, Bakteriol. u. Mitarb. Emil v. Behrings, in: K. Grundmann u. I. Sahmland (Hg.), Concertino, Ensemble aus Kultur- u. Med.gesch., 2008, S. 162–76;
    Dt. Apotheker-Biogr. (falscher Diss.titel); – Qu:
    wiss. Briefwechsel u. Tagebuch 1911–22 (Emil-v.-Behring-Bibl., Marburg).

  • Autor/in

    Christoph Friedrich
  • Empfohlene Zitierweise

    Friedrich, Christoph, "Siebert, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 323-324 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1019419504.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA