Lebensdaten
unbekannt
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118830570 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seckendorff, Grafen von (seit 1810 bzw. 1816)

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Zitierweise

Seckendorff, Freiherren von, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118830570.html [24.08.2016].

CC0

Seckendorff

von, Freiherren und (seit 1810 beziehungsweise 1816) Grafen, fränkische Adelsfamilie. (evangelisch und katholisch)

  • Leben

    Die erstmals 1254 mit Henricus de Sekendorf genannte Dienstmannenfamilie der Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause Zollern stieg in deren Gefolge zur verzweigtesten und besitzstärksten Ritteradelsfamilie Frankens auf. Neben der „Stammfamilie“, von der alle anderen Zweige abgehen, sind 13 Linien nachweisbar, von denen Aberdar, Gutend und Rinhofen [III] noch heute blühen. Egersdorf und Hörauf erloschen (im Mannesstamm) bereits im 15. Jh., Abenberg, Hoheneck, Obersteinbach und Rinhofen [II] im 16. Jh., Nold, Pfaff und Rinhofen [I] im 17. Jh. Ausgehend vom Stammort Seckendorf bei Cadolzburg, für den ein Adelssitz bislang nicht sicher nachgewiesen werden konnte, erwarb die Familie im Gefolge der burggräflichen bzw. markgräflichen Expansion Güter, Gerichts- und Zehnt- sowie Gültrechte in mehr als 1000 Orten Frankens. Ihr Besitz erstreckte sich von Bayreuth über das Mainviereck bis an die Donau sowie von der Jagst bis in das kurpfälz. Gebiet um Altdorf. Mit Burkard v. S.-Jochsberg (erw. 1330, 1365, s. 1), Stadtherr und Spitalstifter zu Gunzenhausen, stand die Familie an der Schwelle zur eigenen Territorialherrschaft, doch bereits seine Söhne konnten diese Position nicht behaupten. Zum kontinuierlichen Besitz der S. zählt wohl bereits seit dem ersten Drittel des 13. Jh. die spätere Ganerbenburg in Obernzenn. Diese wird zum Stammsitz der Linie Gutend wie das benachbarte Unternzenn mit dem jüngeren Sitz zu dem der Linie Aberdar. Beide wurden zu Rittergütern geformt und sind noch heute im Eigentum der Familie. Seit 1593 ist die Linie Aberdar auch in Obernzenn vertreten (Gottfried v. S.Aberdar, 1573–1604). 1745/46 errichtete der kurbayer. Generalfeldmarschall Johann Wilhelm Gottfried v. S.-Gutend (1698–1747) das Rote Schloß, Christoph Ludwig v. S.-Aberdar (1709–81) vollendete 1757 das Blaue Schloß (Restaurierung 2007 abgeschlossen).

    Im 15. und 16. Jh. traten die S. vorwiegend in den markgräflichen Verwaltungsdienst ein, wobei Hans v. S.-Aberdar (erw. 1473, 1535) bis zum Statthalter der fränk. Markgraftümer aufstieg. Mit Ott v. S.-Obersteinbach (erw. 1463, 1505) griff die Familie ins Württembergische (Vaihingen) und dann ins Badische (Eschelbronn) aus. Diese Linie erlosch mit dem 1574 verstorbenen Christoph. Die Linie Gutend konnte mit dem Erwerb von Meuselwitz und Schnauderhainichen dauerhaft (bis 1945) in Thüringen Fuß fassen. Veit Ludwig (1626–92, s. 2) war nicht nur ein gelehrter Verwaltungsfachmann, Staatsrechtler und religiöser Denker, sondern auch ein erfolgreicher Gutsverwalter. Er beförderte die Karriere seiner Neffen Friedrich Heinrich (1673–1763, Reichsgf. 1719, s. 3) und Ernst Ludwig (1672–1741). Friedrich Heinrich wiederum protegierte als erfolgreicher Feldherr und Diplomat seinen Neffen Christoph Ludwig v. S.Aberdar (1709–81, s. 5). Während Ernst Ludwig zum preuß. Minister plenipotentaire in Franken aufstieg und auch als Siedlungsunternehmer für die preuß. Provinzen wie für Rußland tätig war, avancierte Christoph Ludwig nach seiner Rückkehr aus Berlin 1737 teils in Einklang, dann auch im Gegensatz zu seinem Onkel Christoph Friedrich v. S.-Aberdar (1679–1759, s. 4) zum leitenden brandenburg-ansbach. Minister.

    Der gut ausgebildete Christoph Friedrich dokumentiert die Reputation und das Vermögen der in Franken verbliebenen S. Die Domherrenpfründen, über die Kaspar v. S.-Rinhofen[-II] (1542–95, s. Gatz III) zum Fürstbischof von Eichstätt aufgestiegen war, gingen dem überwiegend luth. gewordenen Geschlecht verloren. Für den Deutschen Orden blieb über die Ballei Sachsen, die Evangelische aufnahm, der Zugang bis zum Ende des Alten Reiches offen (z. B. Alexander Friedrich Wilhelm v. S.-Aberdar, 1743–1814). Seit dem ausgehenden 17. Jh. trat neben dem landesherrlichen Verwaltungsdienst der fürstliche und kaiserliche Militärdienst, der auch den weniger begüterten Familienzweigen Karrieren ermöglichte: Der k. k. Offizier Christoph Ernst v. S.-Gutend ( 1665) begründete eine ungar. Linie, die nach der Rückeroberung Ungarns von den Türken Besitz in und um Eperies und Temesvar erwarb. Mit Egon Moritz Anton Maria Romanus v. S.-Gutend (1856–1924) ließ sich der ungar. Familienzweig 1906 wieder in Franken nieder.

    Die Linie Aberdar beendete im 19. Jh. ihr Engagement in württ. (Christoph Johann Karl,|1747–1814, württ. Gf. 1810) und bad. Diensten und zog sich nach Obernzenn, Unternzenn und Sugenheim zurück. Der Erwerb von Besitz in Zürich durch Albrecht Christoph (1748–1836) blieb Episode. Die Linie Aberdar war zudem begütert in Erkenbrechtshausen (1661), Ebneth und Weingartsgreuth (1733), Wonfurt (1764/69), Trautskirchen (1828), Kleinziegenfeld (1858) und Strössendorf (1861). Als Literaten und Musiker aus der Linie Aberdar traten Leopold Franz Karl (1775–1809, s. ADB 33), Theresius Joseph Karl Franz Sigmund (1758–1825) und Sigmund Karl (1744–85, s. ADB 33) hervor, der u. a. Goethe-Balladen vertonte.

    Die Linie Gutend hatte sich unter Veit Ludwig fest in Meuselwitz (1676) etabliert, ohne daß die fränk. Güter (1770 auch Unterdeufstetten) an Bedeutung verloren. Dagegen konnten andere Erwerbungen in den sächs. Landen (Sachsgrün 1591, Tegwitz und Burkersdorf 1791, Zingst 1794, Weischlitz 1804) ebenso wenig behauptet werden wie Güter im Mecklenburgischen. Der Merseburger Stiftsdirektor Adolph Franz Karl (1742–1818, preuß. Gf. 1814) erhielt den preuß. Grafentitel. Die S.-Gutend rückten in höhere Verwaltungs-, Justiz- und Militärposten ein, so Götz Burkhard Gf. (1842–1910) als Kammerherr und Oberhofmeister der Kaiserinwitwe Friedrich oder Rudolf (1844–1932, s. 6) als Präsident des Reichsgerichts in Leipzig. Albert Evan Edwin Heinhold (1849–1921) fungierte als Vizeadmiral à la suite der Marine und Hofmarschall des Prinzen Heinrich von Preußen. Im 20. Jh. ist der Generalmajor Erich Erwin August Veit (1897–1944 ⚔) aus dem Obernzenner Zweig zu nennen. Der Universitätslehrer Dr. Arthur (1845–86, s. 7) erlangte für die österr. Forstwirtschaft große Bedeutung. 1866 wurde der noch heute bestehende „Geschlechtsverband der Grafen und Freiherrn von S.“, mit Verbandsarchiv in Meuselwitz gegründet.

  • Literatur

    Zs.: Der Lindenzweig, seit 1921; G. Rechter, Die S., Quellen u. Stud. z. Geneal. u. Besitzgesch., 4 Bde., 1987–2008; ders., Die Archive d. Grafen u. Freiherren v. S., Die Urkk.bestände d. Schloßarchive Obernzenn, Sugenheim, Trautskirchen u. Unternzenn, 3 Bde., 2003; ders., Schein u. Sein niederadliger Herrschaftsansprüche in Franken, Das Beispiel S., in: Herrschaft, Machtentfaltung über adligen u. fürstl. Grundbes. in d. Frühen Neuzeit, hg. v. H. Kaak, 2003, S. 103–19; GHdA 128, Adelslex. 13, 2002.

  • Autor

    Gerhard Rechter
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Rechter, Gerhard, "Seckendorff, Freiherren von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 115-116 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118830570.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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