Lebensdaten
1909 bis 1989
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Groß-Umstadt
Beruf/Funktion
katholischer Moraltheologe ; Kirchenhistoriker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11861035X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scholz, Franz Josef
  • Scholz, Franz
  • Scholz, Franz Josef
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Zitierweise

Scholz, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861035X.html [06.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1877–1968), kaufm. Dir. in B.;
    M Helene Bumbke (1881–1965);
    10 Geschw u. a. Josef (1913–71), Doz. an d. Bergbauak. Bochum.

  • Leben

    Aus der religiösen Prägung seines Elternhauses erwuchs S.s geistliche Berufung. Auf die Schulzeit am kath. St. Matthias-Gymnasium in Breslau folgte 1929-33 das Studium der|kath. Theologie und Caritaswissenschaft in Breslau und Freiburg (Br.), ergänzt durch Polnischkurse in Krakau und Lublin. Nach der Priesterweihe durch Adolf Kard. Bertram 1934 setzte S. seine Studien fort und schloß sie mit der Promotion zum Dr. theol. bei Bernhard Poschmann (1878–1955) ab (Die Lehre v. d. Einsetzung d. Sakramente nach Alexander v. Hales, 1940). Gleichzeitig wirkte er als Kaplan an der Breslauer Kreuzkirche, in Oberglogau und in der Gehörlosenseelsorge sowie als Betreuer der polnischsprachigen Gemeinde in Breslau. 1940 übernahm er die Gemeinde St. Bonifatius in Görlitz als Kurat. Außerdem betreute er franz., belg. und poln. Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiter, wobei er Konflikte mit den NS-Behörden nicht scheute. Obwohl seine Pfarrstelle östlich der Neiße lag, von wo die dt. Bevölkerung seit Frühjahr 1945 vertrieben wurde, erhielt S. von der poln. Administration das Angebot zum Bleiben bei Annahme der poln. Staatsangehörigkeit. Dies schlug er aus, wechselte 1946 zunächst in die sowjet. Besatzungszone als Flüchtlingsseelsorger und ging 1949 als Dozent für Moraltheologie an die Phil.-Theol. Hochschule in Königstein. 1955 habilitierte er sich bei Theodor Müncker (1887–1960) in Freiburg (Benedikt Stattler u. d. Grundzüge seiner Sittlichkeitslehre unter bes. Berücks. d. Doktrin v. d. phil. Sünde, 1957). 1956-71 wirkte S. als Professor für Moraltheologie an der Phil.-Theol. Hochschule in Fulda und als Lehrbeauftragter an den Universitäten Marburg und Frankfurt/M.; 1972-76 lehrte er an der Univ. Augsburg, wobei er sich schwerpunktmäßig mit dem Verhältnis zwischen Glaubens- und Liebesgebot und den daraus folgenden Konsequenzen für ein christliches Leben beschäftigte. Nach seiner Emeritierung war S. bis 1985 Pfarrverwalter in Klein Zimmern bei Darmstadt und lebte anschließend in Dieburg.

    In jenen Jahren beschäftigte sich S. v. a. mit den Beziehungen zwischen Deutschen und Polen und veröffentlichte mehrere autobiographisch geprägte Schriften, in denen er auch das Problem der Vertreibung reflektierte. Sein Engagement galt der Aussöhnung von Deutschen und Polen auf der Basis beiderseitiger Anerkennung der historischen Fakten. Publizität erlangte S. durch seinen Widerspruch gegen das in Polen eröffnete Verfahren zur Seligsprechung von Augustyn Kard. Hlond (1881–1948).

  • Auszeichnungen

    Ehrendomherr d. Diözese Fulda (1951); päpstl. Hauskaplan (Msgr. 1966); päpstl. Ehrenprälat (1995); Ehrenbürger d. Stadt Görlitz (1991).

  • Werke

    Zur Begründung e. Rechtes auf Heimat, in: Theol. u. Glaube 49, 1959, S. 45-48, auch in: Schles. Priesterjb. 1, 1960, S. 66-74;
    Das rel. Gewissen u. sein Recht, in: Denkender Glaube, hg. v. J. Hirschberger u. J. G. Deininger, 1966, S. 228-69;
    Schuld, Sünde, Fehlhaltung, 1971, 21973;
    Das Schulderlebnis u. d. Schuldgefühle, in: Beichte in d. Krise, hg. v. W. Reifenberg, 1972, S. 19-27;
    „Niemals … oder doch aus wichtigen Gründen?“ Erwägungen z. Unbedingtheit u. Kontingenz ethischer Verhaltensnormen, in: Theol. Jb. 17, 1974, S. 373-402;
    „Wächter, wie tief ist d. Nacht?“, Görlitzer Tageb. 1945/46, 1975, 21986, u. d. T. „Görlitzer Tageb.“, 1990, überarb. u. erw. Neuausg. 1993, 22005;
    Wege, Umwege u. Auswege d. Moraltheol., Ein Plädoyer f. begr. Ausnahmen, 1976;
    Der Pilgerweg e. ringenden u. kämpfenden Gläubigen, in: Joseph Wittig, Hist., Theol., Dichter, hg. v. J. Köhler, 1980, S. 73-87;
    Um d. Verbindlichkeit d. Dekalogs, Prinzipien oder Faustregeln? Bernhard Häring z. 70. Geb.tag, in: Theol. d. Gegenwart 25, 1982, S. 316-25;
    Zw. Staatsräson u. Evangelium, Kard. Hlond u. d. Tragödie d. ostdt. Diözesen, 1988, 31989;
    Kollektivschuld u. Vertreibung, Krit. Bemerkungen e. Zeitzeugen, 1995;
    Das Hlondheft, Empfiehlt sich Kard. Augustyn Hlond, Primas v. Polen ( 2.10.1948) als Kandidat e. Seligsprechung?, 1996, 21997;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Apostol. Visitatur Breslau, Münster; Privatbes.

  • Literatur

    Moraltheol. im Dienst d. Seelsorge, Zum 65. Geb.tag v. Univ.-Prof. Dr. F. S., o. J. (1974) (W. L);
    Moraltheol. im Dienst d. Seelsorge, Zum 70. Geb.tag v. Univ.-Prof. Dr. F. S., hg. v. F. Rauh u. J. Piegsa, 1979;
    J. Köhler, Leidenschaft f. Gott u. Welt u. f. d. Menschen, Zugänge zu d. Theol. v. Prof. Dr. F. S., Aus Anlaß seines 50j. Priesterjub. am 28. Jan. 1984, in: Archiv f. schles. KGesch. 42, 1984, S. 253-65;
    Ringen um d. versöhnende Wahrheit, Ein Mahner d. dt.-poln. Verständigung, In Memoriam F. S., hg. v. Ch. Dahm u. a., 1999, 22O00 (P);
    BBKL 20 (W, L).

  • Autor/in

    Christof Dahm
  • Empfohlene Zitierweise

    Dahm, Christof, "Scholz, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 456-457 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11861035X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA