Lebensdaten
1884 – 1955
Geburtsort
Chemnitz
Sterbeort
Orselina (Kanton Tessin)
Beruf/Funktion
Religionswissenschaftler ; Religionssoziologe
Konfession
mehrkonfessionell
Normdaten
GND: 118628054 | OGND | VIAF: 61615559
Namensvarianten
  • Wach, Ernst Adolf Felix Joachim
  • Wach, Joachim
  • Wach, Ernst Adolf Felix Joachim
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Wach, Joachim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118628054.html [22.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Felix (1871–1943), Dr. iur., sächs. Amtshptm. in Ch. u. Radebeul, GHR, S d. Adolf (s. 1);
    M Katharine (Käthe) (1876–1956), T d. Ernst v. Mendelssohn-Bartholdy (1846–1909, preuß. Adel 1896), Bankier, Teilh. d. Bankhauses Mendelssohn & Co. in Berlin, lebenslängl. Mitgl. d. preuß. Herrenhauses, dän. Gen.konsul, GKR, WGR (s. NDB 17, Fam.art.; NDB 23*), u. d. Marie Alexandrine Warschauer (1855–1906);
    Vorfahre Moses Mendelssohn (1729–86), Philos. (s. NDB 17);
    1 B Hugo (1899–1970, Helene Elisabeth Thomaschke, 1899–1982), ev. Pfarrer, zuletzt an d. Frauenkirche in Dresden, 1 Schw Susanne (Susi) Heigl-Wach (1902–98, 1930–37 Heinz Heigl, 1901–87, Oberst, Sportler, Trainer, Ausbilder an d. Heeressportschule in Wünsdorf b. Berlin, Mil.berater in Syrien, Gründer e. Zentrums f. Bewegungstraining, 2] 1955 Irmhild Scharnhorst, 1914–2012, für beide BVK 1987);
    – ledig.

  • Biographie

    W. wuchs in Chemnitz und Radebeul in kultivierten großbürgerlichen Verhältnissen auf, in denen seine vielseitigen geistigen wie künstlerischen Neigungen gefördert wurden. Nach Notabitur in Dresden 1916 und Kriegsdienst als Leutnant an der Ostfront 1916–18 studierte er Ev. Theologie, Philosophie und Oriental. Sprachen in Leipzig. Neben dem regulären Studium und zahlreichen Auslandsreisen hörte W. auch bei namhaften Vertre-|tern ihres Fachs an anderen Universitäten: 1919 in München Friedrich Heiler, 1920 in Berlin Ernst Troeltsch und Adolf v. Harnack, sowie im selben Jahr in Freiburg (Br.) Edmund Husserl und in Heidelberg Friedrich Gundolf, Heinrich Rickert und Alfred Weber. 1922 mit der Arbeit „Der Erlösungsgedanke und seine Deutung“ (gedr. 1922) in Leipzig zum Dr. phil. promoviert, setzte er seine Studien in Heidelberg fort. Dort kam er über Gundolf in Kontakt mit dem George-Kreis. 1924 habilitierte sich W. mit der Abhandlung „Religionswissenschaft, Prolegomena zu ihrer wissenschaftstheoretischen Grundlegung“ (1924, japan. 1970, engl. 1988; neu hg. u. eingel. v. Ch.-H. Grundmann, 2001, türk. 2004) in Leipzig für Religionswissenschaft und nicht – wie von ihm gewünscht – auch noch in Philosophie. Anschließend war er Privatdozent am dortigen Institut für Kultur- und Universalgeschichte.

    1927 erhielt W. in Leipzig den ersten an einer dt. Universität vergebenen Lehrauftrag für Religionssoziologie, 1929 wurde er hier ao. Professor für Religionswissenschaft. 1930 erlangte er in Heidelberg mit der Arbeit „Die theologische Hermeneutik von Schleiermacher bis Hofmann“ (1929) den Titel eines Dr. theol. Die Studie bildet den zweiten Band seines für die Erforschung der Geschichte der Hermeneutik bis heute wegweisenden, in der Tradition Wilhelm Diltheys stehenden Werks „Das Verstehen“, dessen erster Band „Die großen Systeme“ (1926) analysiert hatte und dessen dritter Band dem historischen Verstehen gewidmet war (Das Verstehen in d. Historik v. Ranke bis zum Positivismus, 1933).

    Nationalsozialistische Rassenpolitik führte 1935 zum Entzug der venia legendi und, einer Einladung an die Brown University in Providence, Rhode Island, folgend, im selben Jahr zur Emigration des als Professor geschätzten W. in die USA. Hier hielt er religionswissenschaftliche Lehrveranstaltungen ab und schloß sich der Episcopal Church an. Als ihm 1943 außer dem Doktortitel auch die dt. Staatsbürgerschaft aberkannt wurde, ersuchte er um die US-amerik., die er 1946 erhielt. Von 1945 bis zu seinem Tod durch Herzinfarkt bei einem Familienbesuch im Tessin wirkte er an der Divinity School der Univ. of Chicago, an der er sein Fach etablierte und die „Chicago School“ als Zentrum religionswissenschaftlicher Forschungen begründete.

    Sein geisteswissenschaftlich geprägtes Verständnis von Religionssoziologie und -wissenschaft legte er in dieser Zeit in den Bänden „Sociology of Religion“ (1944, ⁹1962, dt. 1951, japan. 1960, poln. 1961, portug. 1990, rumän. 1997) und „Types of Religious Experience, Christian and Non-Christian“ (1951) sowie in Aufsätzen dar, die Joseph M. Kitagawa (1915–92) postum veröffentlichte. Einen 1955 ergangenen, auch als Wiedergutmachung verstandenen Ruf auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie in Marburg, den der von ihm geschätzte Rudolf Otto (1869–1937) bis zu seiner Emeritierung 1929 innehatte, lehnte er ab, weil er seine „Berufung darin sehe, das weiter zu entwickeln, was er in Chicago begonnen habe“.

    W. gilt als führender Vertreter der „Verstehenden Religionswissenschaft“, für deren disziplinäre Selbständigkeit gegenüber Theologie und Philosophie seine Habilitationsschrift die wissenschaftstheoretische Grundlage schuf, indem sie eine in Religionsgeschichte und Religionssystematik gegliederte Religionswissenschaft als eigenständige Geisteswissenschaft profilierte. Auch in den USA faszinierte der hochgebildete W., der das akademische Lehramt analog einem Meister-Jünger-Verhältnis als umfassenden Bildungsauftrag verstand, Studenten wie Kollegen. Zu seinen Schülern zählen neben Kitagawa Gregory Alles, Eric J. Ziolkowski und Clyde Curry Smith. Sein Nachfolger in Chicago wurde 1957 Mircea Eliade (1907–86).

  • Auszeichnungen

    |Preis d. Klopstock Stiftung Hamburg z. Förderung d. Geistes- u. Rel.wiss. (postum 1956);
    J.-W.-Vorlesungen d. Theol. Fak. d. Univ. Marburg (seit 1958).

  • Werke

    Weitere W Meister u. Jünger, Zwei rel.soziol. Betrachtungen, 1925;
    Die Typenlehre Trendelenburgs u. ihr Einfluß auf Dilthey, 1926;
    Einf. in d. Rel.soziol., 1931;
    The Comparative Study of Religions, hg. u. eingel. v. J. M. Kitagawa, 1958, dt. 1962, niederl. 1965, span. 1967, chin. 1980, korean. 1988, japan. 1999;
    Understanding and Believing, Essays, hg. u. eingel. v. J. M. Kitagawa, 1968;
    Introduction to the Hist. of Religions, hg. v. J. M. Kitagawa u. G. D. Alles, 1988 (enthält d. amerik. Übers. d „Rel. wiss.“);
    Essays in the Hist. of Religions, hg. v. J. M. Kitagawa u. G. D. Alles, 1988 (P);
    Bibliogr.: J. M. Kitagawa, Gibt es e. Verstehen fremder Religionen?, 1963 (s. L), S. 32–36;
    Understanding and Believing, 1968 (s. W), S. 188–96;
    Nachlaß: Univ. of Chicago Library;
    Univ.archiv Leipzig;
    Brown Univ. Archives, Providence (Rhode Island);
    Archiv d. Univ. Marburg im Hess. StA Marburg.

  • Literatur

    |H.-J. Schoeps, J. W.s wiss. Bedeutung, in: Zs. f. Rel.- u. Geistesgesch. 9, 1957, S. 368–71;
    J. M. Kitagawa, Gibt es e. Verstehen fremder Religionen?, 1963, bes. S. 1–31;
    ders., in: Understanding and Believing, 1968 (s. W), S. 197–201;
    ders., Verstehen u. Erlösung, Some Remarks on J. W.’s Work, in: Hist. of Religions 11, 1971, S. 31–54;
    ders., in: Essays in the Hist. of Religions, 1988 (s. W), S. ix-xxii;
    H.-J. Klimkeit, Das Prinzip d. Verstehens b. J. W., in: Numen 19, 1972, S. 216–28;
    E. Ziolkowski, W., Rel.,|and „The Emancipation of Art“, ebd. 46, 1999, S. 345–69;
    ders., in: Enc. of Rel., hg. v. L. Jones, Bd. 14, 2005, S. 9651–53;
    Ch. Monroe Wood, Theory and Religious Understanding, A Critique of the Hermeneutics of J. W., Diss. Missoula (MT) 1975;
    R. Flasche, Die Rel.wiss. J. W.s, 1978;
    ders., in: Klassiker d. Rel.wiss., hg. v. A. Michaels, 1997, S. 290–302;
    K. Rudolph, Gesch. u. Probleme d. Rel.wiss., 1992, S. 357–67;
    J. Graul, Jüd. Erbe u. christl. Religiosität, Die Fam.gesch. als prägendes Moment in d. Biogr. d. Rel.wiss. J. W. (1898–1955), in: Bausteine e. jüd. Gesch. d. Univ. Leipzig, hg. v. St. Wendehorst, 2006, S. 287–304;
    Hermeneutics, Politics, and the Hist. of Religions, The Contested Legacies of J. W. and Mircea Eliade, hg. v. Ch. K. Wedemeyer u. W. Doniger, 2010;
    U. Tworuschka, in: ders., Rel.wiss., Wegbereiter u. Klassiker, 2011, S. 163–80;
    C. Curry Smith, in: Dict. of World Biogr., hg. v. F. N. Magill, Bd. 9, 1999, S. 3829–32;
    TRE;
    RGG³⁺⁴;
    LThK³;
    BBKL 16 (W, L);
    Stadtlex. Leipzig;
    Leipziger Gel. I (P);
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Porträts

    |Photogrr. (Univ.archiv Leipzig, Brown Univ. Archives, Providence, Rhode Island, u. Univ. of Chicago Photographic Archive).

  • Autor/in

    Christoffer-Hinrich Grundmann
  • Zitierweise

    Grundmann, Christoffer-Hinrich, "Wach, Joachim" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 155-157 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118628054.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA