Lebensdaten
1882 bis 1951
Geburtsort
Lipnik bei Bielitz (Bielsko, Galizien)
Sterbeort
Hotel Axenstein in Morschach (Kanton Schwyz)
Beruf/Funktion
Pianist ; Komponist ; Musikpädagoge
Konfession
-
Normdaten
GND: 118609467 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schnabel, Arthur
  • Schnabel, Ahron
  • Schnabel, Artur
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Zitierweise

Schnabel, Artur, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118609467.html [19.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Isidor (1855–1927, jüd.), Textilfabr., Kaufm. in L., S d. Ephraim Fischl u. d. Jetty Wurzel-Fischer;
    M Ernestine Labin (Taube) (1858–1942 ermordet);
    2 Schw Clara Norman (* 1876), Frida Lowbee|(* 1881);
    Berlin Therese (1876–1959), aus Stuttgart, Sängerin (s. Riemann mit Erg.bd.), T d. Carl Theodor Friedrich Heinrich Behr (* 1849) u. d. Lina Zennegg (* 1848);
    2 S Karl Ulrich (1909–2001, Helen Fogel, 1911–74, Pianistin), Konzertpianist, Musikpäd. (s. W), Stefan (1912–99), Schausp., 1 außerehel. T Elisabeth (Ellie) Rostra (1899–1995, Charles Herold), Komp., Musikerin, Schriftst.;
    E Ann S. Mottier (* 1941), Fotografin; Cousine Myriam (Martha) (⚭ Eugen Höflich (Mosheh Ya'aqov Ben-Gavriêl], 1891–1965, Schriftst., Journ., s. NDB IX).

  • Leben

    S. erhielt früh Klavier- und Theorieunterricht in Wien und wurde bereits 1891 in die Meisterklasse des Pianisten Theodor Leschetizky (1830–1915) aufgenommen. Seine Karriere begann 1898 nach seinem Umzug nach Berlin. Als Begleiter seiner späteren Frau, der Altistin Therese Behr, und als Kammermusiker wurde S. schnell international bekannt. 1903 debütierte er als Solist unter Artur Nikisch mit Brahms' erstem Klavierkonzert. Seit 1910 konzertierte das „Schnabel-Trio“ mit dem Geiger Carl Flesch (1873–1944) und dem Cellisten Jean Gérardy (1877–1929), nach 1914 mit dem Cellisten Hugo Becker (1863–1941) in Deutschland und dem europ. Ausland. Seit 1914 widmete sich S. zudem verstärkt dem Komponieren.

    1921-23 unternahm S. zwei Nordamerikatourneen; seit 1924 publizierte er kommentierte Editionen von Beethovens Klaviersonaten und Diabelli-Variationen. 1925-31 bekleidete S. eine Professur an der Hochschule für Musik in Berlin und konzertierte gleichzeitig als Solist und Kammermusiker (u. a. mit dem Cellisten Emanuel Feuermann, 1902–42, sowie mit Flesch und dem Cellisten Gregor Piatigorsky, 1903–76). Einen Meilenstein seiner pianistischen Laufbahn und für den Konzertbetrieb überhaupt stellte die erstmalige zyklische Aufführung sämtlicher Klaviersonaten Beethovens dar (zuerst Berlin 1927), die er seit 1932 auch für das Label „His Masters Voice“ (London) einspielte. Nach dem Aufführungsverbot durch die Nationalsozialisten 1933 verließ S. Berlin, und lebte bis 1938 in Tremezzo am Comer See, wo er auch Sommerkurse abhielt; 1939 emigrierte er nach New York (amerik. Staatsbürger 1944). Nach dem Ende des 2. Weltkriegs trat S. auch wieder in Europa auf; sein letztes Konzert gab er 1951 im New Yorker Hunter College.

    S. zählt zu den überragenden Musikerpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jh. In seinem Konzertrepertoire konzentrierte er sich auf die Werke der Klassik und Romantik, ohne sich auf den Kanon der etablierten „Meisterwerke“ zu beschränken. So setzte er mit seiner zyklischen Aufführung aller Klaviersonaten Beethovens neue Maßstäbe und brachte die zuvor kaum beachteten Klaviersonaten Franz Schuberts einer breiteren Öffentlichkeit nahe. Wie zahlreiche Aufnahmen und Berichte belegen, war S.s Spiel durch einen ungewöhnlich warmen Klang charakterisiert. Seine Interpretationen standen stets im Dienste des musikalischen Ausdrucks und wandten sich gegen jedes oberflächliche Virtuosentum. S.s ungewöhnliche musikalische Intelligenz prägte auch seine bis heute hoch geschätzten Editionen, unter denen die Ausgaben der Klaviermusik Beethovens besonders hervortreten. Als gefragter Lehrer beeinflußte S. eine ganze Generation junger Pianisten, so daß zu Recht von einer „Schnabel-Schule“ gesprochen werden kann. Das Komponieren bedeutete ihm eine Möglichkeit zu unbeschränktem Ausdruck jenseits der vorgegebenen Zwänge. Eingebunden in die Verpflichtungen des modernen Konzertbetriebs, dem S. durchaus kritisch gegenüber stand, konnte er sich indes nur selten dieser Tätigkeit widmen. Dennoch schuf er ein anspruchsvolles Œuvre mit starken individuellen Zügen, das in der jüngeren Vergangenheit durch Neueditionen und moderne Aufnahmen wieder stärker wahrgenommen wird.

  • Auszeichnungen

    D. mus. h. c. (Manchester, England, 1933).

  • Werke

    u. a. Komp.: Zehn Lieder op. 11, 1901/02;
    Sieben Lieder op. 14, 1901/02;
    Notturno (Richard Dehmel) f. Alt u. Klavier, 1914;
    Streichquartette 1-5, 1918, 1921, 1922, 1930;
    1940;
    Sonate f. Violine, 1919;
    Sonate f. Klavier, 1923;
    Symphonie 1-3, 1938/39, 1941-43, 1948/49;
    Seven Piano Pieces, 1947;
    Duodecimet, 1950;
    vollst. W-Verz. der Komp.:
    A. Jeschke, A. S., Werkverz., Im Auftrag d. Stiftung d. Ak. d. Künste hg. v. W. Grünzweig, 2003;
    Editionen:
    Beethoven, 32 Klaviersonaten, 1924-27;
    Beethoven, Diabelli-Variationen, op. 120, 1924 (beide Berlin);
    Johannes Brahms, Sonate f. Violine u. Klavier op. 100;
    Mozart, Sonaten f. Violine u. Klavier, beide Leipzig o. J. (mit Carl Flesch);
    Mozart, Klaviersonaten KV 331 u. KV 457, New York 1956;
    Schrr.:
    Reflections on Music, 1933, dt. in: Aus dir wird nie ein Pianist, 1991, S. 267-82;
    Music and the Line of Most Resistance, 1942, dt. Teilabdr. in: Sinn u. Form 54, 2002, S. 599-609;
    My Life and Music, 1961, dt. u. d. T. Aus dir wird nie ein Pianist, 1991;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Artur-Schnabel-Archiv (ASA) im Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin; zahlr. Werkautographe in d. Library of Congress, Washington D. C. (Slg. Karl Ulrich Schnabel u. Slg. Mary Virginia Foreman-Le Garrec); – zu Karl Ulrich: Modern technique of the pedal, 1954, dt., japan. u. ital. Überss.; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Karl-Ulrich-Schnabel-Archiv im Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Therese Behr-Schnabel im Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin.

  • Literatur

    H. Mersmann, Die Sonate f. Violine allein v. A. S., in: Melos 1, 1920, S. 406-18;
    R. Kastner, Beethovens 32 Klaviersonaten u. A. S., 1933;
    A. Dümling, Der Komp. A. S., in: Dissonanz 12, 1987, S. 10-20;
    C. Flesch,… und spielst Du auch Geige?, 1990, S. 228-65;
    Rifugio precario, artisti e intellettuali tedeschi in Italia 1933-1945 (= Zuflucht auf Widerruf, Dt. Künstler u. Wissenschaftler in Italien, Ausst.kat. Milano, Berlin, Ak. d. Künste), 1995;
    A. S., Musiker Musician 1882-1951, Im Auftrag d. Stiftung Archiv d. Ak. d. Künste hg. v. W. Grünzweig, 2001 (Auswahlbibliogr.);
    A. S., Ber. über d. Internat. Symposium Berlin 2001, hg. v. dems., 2003;
    Rhdb. (P);
    Enc. Jud. 1971 (P);
    BHdE II;
    Riemann mit Erg.bd.;
    New Grove;
    New Grove2;
    MGG (P) mit Suppl.bd.;
    MGG2 (Diskogr.).

  • Portraits

    Eugen Spiro, 1945;
    Kurt Otto Vogelsang, um 1925;
    Ilsa Bing, um 1935, alle Öl/Lwd. (alle Artur-Schnabel-Archiv, Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin);
    Doppelporträt A. u. Therese S. v. Johannes Walter-Kurau, Öl/Lwd., 1912 (Berlin, Staatl. Inst. f. Musikforsch., Preuß. Kulturbes.);
    zahlr. Fotos (Artur-Schnabel-Archiv, Archiv d. Ak. d. Künste, Berlin).

  • Autor/in

    Felix Wörner
  • Empfohlene Zitierweise

    Wörner, Felix, "Schnabel, Artur" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 270-272 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118609467.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA