Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Stukkatoren ; Baumeister ; Altarbauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122049500 | OGND | VIAF: 25474916
Namensvarianten
  • Schmutzer
  • Schmuzzer
  • Schmuzer
  • mehr

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Zitierweise

Schmuzer, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122049500.html [25.02.2021].

CC0

  • Leben

    Die S. sind neben den Zimmermann und Feichtmayr die bedeutendste Wessobrunner Künstlerfamilie (benannt nach d. ehem. Kloster Wessobrunn b. Weilheim in Oberbayern), deren Stuckdekorationen zu Paradebeispielen bayer. und schwäb. Kunst des Barock und Rokoko wurden. Ihr Aufstieg ist eng verbunden mit der vom bayer. Hof in München ausgehenden, mit der Gegenreformation verbundenen Kunst, die nach den Zerstörungen des 30jährigen Krieges in einer gewaltigen Erneuerungs- und Modernisierungswelle auch das Land erfaßte. Für die S. ergab sich ein weites Betätigungsfeld: Bis Ende des 18. Jh. sollten sie die Stuckkunst über die Grenzen Bayerns hinaus beeinflussen, zeitweise sogar bestimmen. Ihre ersten Vertreter Jörg (um 1575–1645) und dessen Sohn Matthäus (I, um 1603-n. 1693) waren geprägt von den Münchner Initialbauten, v. a. der Jesuitenkirche St. Michael mit ihren Gewölbestuckierungen in den charakteristischen geometrischen Felderungen (z. B. Polling, ehem. Stiftskirche, 1622 ff., nach Vorlagen d. Weilheimer Bildhauers Bartholomäus Steinle v. Jörg S.; Jesuitenkirche in Landshut, 1640/41 u. 1646/47, v. Matthäus S. I). Die Söhne des Matthäus Matthias (oder Matthäus II, 1636–86), Michael (1639–76) und Johann (1642–1701, s. 1) befreiten sich zusehends vom Diktat des Quadraturstucks, verschliffen zunehmend die Gewölbestrukturen, erweiterten das Motivrepertoire mit Voluten, Akanthus- oder Knorpelwerkformen, auch mit weiteren figürlichen Elementen, und vergrößerten den Aktionsradius erheblich. Der von H. Rohrmann fundiert erforschte Matthias (Matthäus II) etwa ließ sich 1664 in Augsburg nieder, wo er inp engen Kontakt mit Verlegern von Stichwerken trat und dadurch mit den neuen künstlerischen Strömungen in Italien und Frankreich vertraut wurde. Seine Aufträge führten ihn bis nach Nördlingen, Oettingen, Landshut, Ottobeuren und Ettal. Im dritten Viertel des 17. Jh. dürfte er einer der meistbeschäftigten Wessobrunner mit tatkräftigen Trupps („Compagnien“) gewesen sein, in denen anfangs vermutlich auch die beiden jüngeren Brüder Michael und Johann arbeiteten, bevor sie ihre eigenen Compagnien gründeten. Michael exportierte mit Erfolg Wessobrunner Stuckzier in die Schweiz (z. B. nach Luzern, Jesuitenkirche), sein Sohn Andreas (1658–96) wurde wie schon der Großvater Matthäus I einer der führenden Stukkatoren seiner Zeit in Württemberg (z. B. Winnenden/Schloß Winnental). Die Entwicklung der Stuckkunst in Süddeutschland seit ca. 1 700 bestimmten dann v. a. die in der „Zentrale“, also in den Heimatortschaften Haid und Gaispoint bei Kloster Wessobrunn ansässigen Johann (1642–1701, s. 1), Franz (1676–1741, s. 2), Joseph (1683–1752, s. 3) und Franz Xaver (1713–75, s. 4). Mit dessen Tod endete die über 150 Jahre währende, außergewöhnlich produktive künstlerische Tätigkeit dieser Familie.

  • Literatur

    H. Schnell u. U. Schedler, Lex. d. Wessobrunner, 1988 (zahlr. Abb., Stammtafel S. 210-13);
    H. Rohrmann, Die Wessobrunner d. 17. Jh., Die Künstler u. Handwerker unter besonderer Berücksichtigung d. Fam. S., 1999.

  • Autor/in

    Uta Schedler
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Schedler, Uta, "Schmuzer" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 267-268 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122049500.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA