Lebensdaten
1896 bis 1944
Geburtsort
Metz
Sterbeort
Lazarett Carlshof bei Rastenburg (Ostpreußen)
Beruf/Funktion
General
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129585483 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schmundt, Rudolf

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Schmundt, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129585483.html [20.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Fam. stammt aus Osterburg (Altmark);
    V Richard (1856–1927), preuß. Gen.lt., S d. Gustav Alexander (1823–1908), preuß. Oberbaurat;
    M Hedwig Seyffardt (1873–1962);
    B Wilhelm (1898–1992), Dipl-Ing., Soz.wiss., W.-S.-Archiv in Wangen (Allgäu) (s. Plato, Anthropos. im 20. Jh., 2003);
    Ov Alwin (1853–1940), Gen.lt., August (1855–1910), Gen.-major, S d. Julius (1815–94), Gen.arzt, u. d. Hermine Vahl ( 1880);
    Vt Hubert (1888–1984), Admiral, 1943/44 Oberbefehlshaber Ostsee;
    Potsdam 1926 Anneliese (1898–1994), T d. Wilhelm v. Kummer (1863–1914 ⚔, aus Trier, preuß. Oberstlt., Kdr. d. Reserve-Inf.-Rgt. 24. u. d. Helene Reincke (1877–1956, 2) Rudolf v. Cramer, 1943, Gen.major), aus Memel;
    2 S Henning (* 1931), Jürgen (1940–2001), 2 T Barbara (* 1927), Gisela (* 1933).

  • Leben

    S. trat im Aug. 1914 in das Regiment seines Vaters ein und bewährte sich im 1. Weltkrieg v. a. als Adjutant (EK II u. I). Nach dem Krieg wurde der Leutnant in das Infanterie-Rgt. Nr. 9 in Potsdam übernommen, das die Tradition der preuß. Garde fortführte, und stieg zum Regimentsadjutanten auf. Die weiteren Stationen in der Reichswehr waren der Stab der 1. Division in Königsberg (1929–31) und das Truppenamt im Reichswehrministerium (1931–35). Nach Verwendungen als Kompaniechef (1935/36) und im Generalstab der 18. Infanteriedivision in Liegnitz (seit Okt. 1936) wurde S., inzwischen Major, im Jan. 1938 zum „Chefadjutanten der Wehrmacht beim Führer und Reichskanzler“ ernannt. Für sechseinhalb Jahre gehörte er zur unmittelbaren Umgebung Hitlers, den er uneingeschränkt bewunderte. Der Diktator dankte es ihm mit raschen Beförderungen (1938 Oberstlt., 1939 Oberst, 1942 Gen.major, 1943 Gen.lt., Juli 1944 Gen. d. Inf.). Zugleich pflegte der umgängliche S. gute Beziehungen zu preuß.-konservativen Kameraden, etwa zu seinem Freund Henning v. Tresckow (1901–44). Seine Stellung ließ ihn immer wieder zum Vermittler zwischen Hitler und der Militärelite werden. So war es S., der 1940 den „Sichelschnitt“-Plan Mansteins, der schließlich zum Erfolg im Krieg gegen Frankreich führte, an Hitler herantrug. Am 1.10.1942 wurde S. neben seiner Tätigkeit als Chefadjutant auch mit der Personalpolitik des Heeres betraut, die er nach dem Willen Hitlers grundlegend reformieren sollte. Der neue Chef des Heerespersonalamts setzte bei den Offiziersbeförderungen das Leistungsprinzip gegen das veraltete Anciennitätsprinzip durch und schuf damit die Voraussetzung für „Blitzkarrieren“ bewährter Frontoffiziere. Die neue Beförderungspolitik war wegen der hohen Personalverluste im Krieg notwendig und kam zugleich Hitler entgegen, der ein nationalsozialistisches „Führerkorps“ schaffen wollte. Wie sehr S. die ideologischen Vorgaben akzeptierte, zeigt seine Verfügung, daß „die Einstellung zum Judentum“ ein „kriegsentscheidender Teil der nationalsozialistischen Haltung des Offiziers“ sei. S. starb an den Verletzungen, die er beim Attentat des 20. Juli 1944 erlitten hatte. Daß ihn Hitler nach seinem Tod als seinen „besten Mann“ bezeichnete, während ihn General Heinz Guderian als „preuß. Idealisten“ rühmte, verdeutlicht S.s Stellung zwischen Tradition, Moderne und einer verbrecherischen Staatsführung.

  • Literatur

    R. Stumpf, Die Wehrmacht-Elite, Rang- u. Herkunftsstruktur d. dt. Generale u. Admirale 1933-1945, 1982;
    ders., in: G. R. Ueberschär (Hg.), Hitlers mil. Elite, II, 1998, S. 226-35;
    D. Bradley u. R. Schulze-Kossens (Hg.), Tätigkeitsber. d. Chefs d. Heerespersonalamtes Gen. d. Inf. R. S., fortgeführt v. Gen. d. Inf. Wilh. Burgdorf, 1.10.1942-29.10.1944, 1984 (P);
    Biogr. Lex. Drittes Reich.

  • Autor/in

    Johannes Hürter
  • Empfohlene Zitierweise

    Hürter, Johannes, "Schmundt, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 267 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129585483.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA