Lebensdaten
1771 bis 1816
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Dichter ; Jurist ; Poetiker
Konfession
lutherisch?
Normdaten
GND: 116315865 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Apel, A.
  • Apel, August
  • Apel, Auguste
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Zitierweise

Apel, Johann August, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd116315865.html [05.12.2016].

CC0

Apel, Johann August

Jurist und Dichter, * 17.9.1771 Leipzig, 9.8.1816 Leipzig.

  • Genealogie

    V Heinrich Friedrich Innozenz Apel (1732–1802), Ratsherr und Bürgermeister in Leipzig, Seidenfabrikant; M Witwe des Kaufmanns Siegert aus Chemnitz: Gvv Johann David; Ur-Gvv Andreas Dietrich Apel aus Quedlinburger Ratsgeschlecht, Seidenfabrikant und Kramermeister, Schöpfer des „Apelschen Gartens“; 8.10.1808 T des Professors von Hindenburg; S Guido Theodor Apel (1811–1867), Dichter.

  • Leben

    A. ließ sich nach juristischen Studien (1789–1793) in Wittenberg und Leipzig hier als Advokat nieder und wurde später in den Rat der Stadt berufen. In der Hauptsache lebte er, seit dem Tod seines Vaters (1802)|im Besitz eines beträchtlichen Vermögens, hier sowie auf seinem mit Bücher- und Kunstschätzen von ihm reich ausgestatteten Rittergute Ermlitz bei Schkeuditz seinen äußerst vielseitigen wissenschaftlichen und künstlerischen Neigungen. An die Stelle der schon während und nach der Fachausbildung betriebenen philosophischen, chemischen und medizinischen Studien traten bei währender Neigung zur Musik später vorzugsweise literarische und kunsttheoretische Interessen und metrische Forschungen. Als Dichter, zu dessen Freundeskreis u. a. F. Kind, F. Laun. K. B. von Miltitz und Fouqué gehörten, ist er sowohl in seinen antikisierenden, sämtlich anonym erschienenen Tragödien „Polyidos“ (1805), „Die Aitolier“ (1806) und „Kallirhoe“ (1806) als auch in seiner mannigfaltigste Formen nachbildenden, großenteils epigrammatischen Lyrik - in der er aber auch verdeckt seinem vaterländischen Gefühl gegen die französische Unterdrückung Luft macht - sowie in seiner Prosa (Gespenster- und Wundergeschichten, Märchen) durchaus Epigone. Aus einer Schiller verwandten Geisteshaltung und von ihm nachhaltig beeinflußt, vereint er in sich antike, aufklärerische, klassische und romantische Elemente. Die Erzählung „Der Freischütz“ aus dem „Gespensterbuch“ gab Kind die Anregung zum Textbuch der Weberschen Oper (1817). Von nachhaltigster Wirkung waren A.s metrische Studien, die ihn schon in seiner Abhandlung „Über Rhythmus und Metrum“ (Allgemeine Musik-Zeitung, 1807–08), erst recht aber in seiner „Metrik“ (2 Bände, 1814–16) in scharfen Gegensatz zu Gottfried Hermann und seiner Theorie der Taktlosigkeit brachten. A. erwies sich hier als ein vortrefflicher Kenner des Versbaus und führte dadurch, daß er das enge Verhältnis zwischen Rhythmus und Tonmelodie in den griechischen Gedichten entwickelte, zu einer neuen Einsicht in die antike Metrik.

  • Werke

    Weitere W Kunz v. Kauffungen, Trauerspiel, 1809 (anonym); Cicaden, Gedichte, 3 Bde., 1810–11; Gespensterbuch, hrsg. mit F. Laun, 4 Bde., 1810–1812, Neuausg. in Reclams Universialbibl., 1883; Wunderbudi, hrsg. mit F. Laun (Bd. 3 v. F. Laun u. Fouqué), 3 Bde., 1815–17; Zeitlosen, Erzählungen u. Gedichte, 1817.

  • Literatur

    ADB I; Ersch-Gruber; Goedeke VI, 1898, S. 459 f., 509, VII, 1900, S. 296, IX, 1910, S. 248, 268 f.; H. A. Krüger, Pseudoromantik, 1904; O. E. Schmidt, Fouque, A., Miltitz. 1908; ders., Die Romantik in Sachsen, 1938; H. Ziemke, J. A. A., 1933 (W, L); Frels, 1934.

  • Portraits

    in: F. Kind, Der Freischütz, Neuausg. 1921; Lithogr. v. Emilie Sch.; Gem. im Besitz d. Familie.

  • Autor

    Bruno Sauer
  • Empfohlene Zitierweise

    Sauer, Bruno, "Apel, Johann August" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 322 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116315865.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Apel, Johann August

  • Leben

    Apel: Johann August A., geb. 17. September 1771 zu Leipzig, wo sein Vater Bürgermeister war, daselbst 9. Aug. 1816, genialer Forscher auf dem Gebiete der Theorie der poetischen Formen, vornehm lich der Rhythmik und Metrik, deren wahres Verhältniß und Wechselwirkung auf einander er zuerst in größerem Maßstabe erkannte. Er studirte in Leipzig und Wittenberg die Rechte, widmete aber auch der Musik eine große Aufmerksamkeit. 1795 promovirte er als Dr. jur., später wurde er in seiner Vaterstadt Rathsherr.

    A. war mehr zum Gelehrten, als zum Dichter geschaffen; zwar wurde eine Reihe von Novellen ("Das Gespensterbuch") zu seiner Zeit viel gelesen; doch besteht weder hierin noch in seinen jetzt verschollenen Tragödien "Polyidos," "Die Aitolier" und "Kallirrhoe," in denen er seinen Ideen über das antike Drama Eingang zu verschaffen suchte, sein größeres und bleibendes Verdienst.|In der antiken Metrik dagegen bereitete er eine neue Epoche vor. In mehreren lesenswerthen Abhandlungen theils musikalischen theils metrischen Inhaltes in Band II—XII der Leipziger Allg. Mus-Ztg., unter welchen diejenige "Ueber Rhythmus und Metrum" (Bd. X) bereits die Hauptsätze seiner Theorie veranschaulicht, suchte er den modernen Takt auch in der antiken Poesie nachzuweisen. Daraus unternahm er es, in einer ausführlichen "Metrik" (Leipzig 1814 bis 1816) sein System wissenschaftlich zu begründen und dasselbe auch einem Weiteren Publikum zugänglich zu machen. Aber noch bevor der Druck des zweiten Bandes vollendet war, raffte den Verfasser ein jäher Tod hinweg.

    A. ging von der durchaus richtigen Anschauung aus, daß die mus. Composition der griechischen Gedichte sich eng an die schon dem declamirten Verse zu Grunde liegenden Rhythmen anschlösse. In diesem Falle mußten nun auch die musikalischen Rhythmen sich aus den Worttexten wiederfinden lassen; und A. nahm an, daß überall dieselben Taktarten herrschten, als in der modernen Musik. Seine Bestimmung des sog. kyklischen Dactylus, seine Erklärung der irrationalen Silben, und vieles Andere ist auch in der heutigen Wissenschaft trotz heftiger Widersprüche noch anerkannt; und erst die Consequenzen dieser Forschungen haben eine höhere Theorie, welche der Ueberlieferung volle Rechnung trägt und doch den hohen musikalischen Werth der classischen Schöpfungen zu erkennen vermag, ermöglicht. Freilich ging A. in der Gleichsetzung antiker und moderner Rhythmen zu weit, z. B. in der Messung des Bacchius, des Päon, des Dochmius etc. Eben so verfehlt sind seine Taktzerlegungen bei vielen künstlicheren Versen; aber es war in der That von dem ersten Bahnbrecher einer gesunderen Theorie nicht zu erwarten, daß er bis zur Theorie der größeren Strophen und ganzer Gesänge fortschritte.

    Apel's System fand bei den strengen Philologen, an deren Spitze G. Her mann stand, nichts als heftigen Widerspruch. Hermann konnte doch mit philosophischen Speculationen die Grundwahrheiten jener Anschauung nicht erschüttern. Die neueste Zeit erst hat den Werth der Apel'schen Theorien erkannt, wenn auch unter den strengen Philologen der Name des Urhebers noch verpönt sein mag; und ein Forscher wie R. Westphal hat zwar seine metrischen Arbeiten mit einem scharfen Proteste gegen die Apel'schen Theorien begonnen, ist aber in der Folge bis zu einer Anerkennung selbst offenbarer Fehler und Schwächen derselben fortgeschritten. — Apel's Schriften sind am vollständigsten bei Ersch und Gruber verzeichnet.

  • Autor

    Heinrich Schmidt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Heinrich, "Apel, Johann August" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 501-502 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd116315865.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA