Lebensdaten
1486 - 1536
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 121675432 | OGND | VIAF: 15631780
Namensvarianten
  • Appell, Johann
  • Apell, Johann
  • Apellus, Johann
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Zitierweise

Apel, Johann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121675432.html [29.11.2021].

CC0

  • Genealogie

    Wahrscheinlich aus angesehenem Nürnberger Bürgerhause; ein B Nicolaus (Claus) bezeichnet sich als „Duchmacher und burger zu Nürnberg“; eine Schw ist mit dem Prediger Dominicus Schleupner, eine weitere Schw mit Arnold Wenk, einem Gold- und Silberschmied verheiratet.;
    spätestens 1523 mit einer adeligen, aus dem Würzburger Kloster St. Marx entführten Nonne;
    3 S, 3 T.

  • Leben

    Nach humanistischen und juristischen Studien in Wittenberg, wahrscheinlich auch in Leipzig und Erfurt, wurde A. um 1520 Canonicus, Doktor und Rat des Bischofs Konrad von Würzburg. Dieser ließ A. auf Grund dessen heimlicher Eheschließung mit einer entführten Nonne am 1.6.1523 verhaften. Nach drei Monaten freigelassen, erhielt A. 1524 mit Unterstützung Luthers eine Professur an der juristischen Fakultät der Universität Wittenberg. 1530 nahm er eine ihm angebotene Stellung als Kanzler Herzog Albrechts in Königsberg an. 1534 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, in der er bis zu seinem Tode als Consulent und Advokat des Rats, später auch als Assessor beim Stadtgericht tätig gewesen ist. A. zählt seinem Schrifttum nach zu den humanistischen Schriftstellern, die sich gegenüber der aus dem mittelalterlich-scholastischen Denken stammenden, damals herrschenden juristischen Methode des sog. mos italicus um eine neue Ordnung des Lehrvortrages und um ein neues rechtswissenschaftliches System bemühten. Diesem Ziele dienen seine wichtigsten Werke, die durch Melanchthon beeinflußte „Methodica dialectices ratio ad jurisprudentiam“ (1527) und seine „Isagoge“ (1540), die gleichzeitig einen Einblick in den umständlichen Unterrichtsbetrieb der Zeit gewährt. Bleibender Ertrag seiner systemkritischen Gedanken ist der zum ersten Male von A. in beiden Schriften vorgenommene Aufbau eines Rechtssystems auf der Einteilung in ius in re (dominium) und ius ad rem (obligatio).

  • Werke

    Verz. bei J. Muther, Aus d. Univ.- u. Gelehrtenleben im Zeitalter d. Ref., 1866, S. 455-87.

  • Literatur

    ADB I;
    J. Muther (s. W);
    R. Stintzing, Gesch. d. dt. Rechtswiss. I, 1880;
    W. Friedensburg, Gesch. d. Univ. Wittenberg, 1917, S. 165 f., 199 u. ö.;
    F. Wieacker, Einflüsse d. Humanismus auf d. Rezeption, Ztschr. f. d. gesamte Staatswiss., Bd. 100, 1940;
    ders., Privatrechtsgesch. d. Neuzeit, 1952, S. 80 f., 83 ff.;
    G. Wolff, Bücherkde. d. fränk. Gesch., H. 1.1937.

  • Portraits

    Kupf. v. unbek. Künstler, früher im staatl. Kupf.-Kab., Dresden; Kupf. v. W. P. Kilian (?), erwähnt bei H.-D. Diepenbroick - Grüter, Allg. P - Kat., 5. T., 1931–33, Nr. 608.

  • Autor/in

    Hermann Lange
  • Empfohlene Zitierweise

    Lange, Hermann, "Apel, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 322 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121675432.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Apel: Johann A. (Apell), Jurist, geb. 1486 zu Nürnberg, 27. April 1536. Er war 1502 Student zu Wittenberg, um 1519 Canonicus im neuen Münster zu Würzburg, entführte eine Nonne des Klosters St. Marx aus adligem Geschlecht, sich ehelich mit ihr verbindend, 1523 wurde ihm deshalb der Proceß gemacht und er nebst dem Canonicus Friedrich Fischer, der ebenfalls eine Frau genommen hatte, nach fast dreimonatlicher Haft auf dem Frauenberge ab officio et beneficio privirt. A. wandte sich nach Wittenberg, erhielt 1524 die Lectura in Digesto veteri, versah außerdem für Justus Jonas die Lectura in Decreto und in Decretalibus, war im Winter 1524—25 Rector der Universität, wurde am 13. Juni 1525 als Zeuge bei dem Verlöbniß Luthers zugezogen, leistete dem Kurfürsten Rathspslicht und wurde 1529 auch zum Beisitzer am Hofgericht zu Wittenberg ernannt. 1530 nahm A. eine Berufung als Canzler des Herzogs Albrecht in Preußen an und begab sich nach Königsberg. In dieser Stellung blieb er bis 1534, in welchem Jahre er nach Nürnberg als Rechtsconsulent zurückging. Drei Söhne und eben so viele Töchter waren ihm in die Ewigkeit vorangegangen, seine Gattin überlebte ihn. — A. war in seiner Jugend in enger Verbindung mit den Humanisten und hatte sich später an Melanchthon angeschlossen. Angeregt durch dessen Dialektik unternahm er einen kühnen Angriff auf die damals herrschende abgeschmackte juristische Lehrmethode, zugleich die Grundzüge einer neuen aufstellend. Seine „Dialektische Lehrmethode angewendet auf die Jurisprudenz“ ("Methodica dialectices ratio ad jurisprudentiam adcommodata,“ Norimb. 1535) ist nicht ohne Einfluß auf die Entwickelung des Rechtsstudiums in Deutschland geblieben und enthält schon die Keime der jetzt herrschenden dogmatischen Methode. In einem anderen, erst nach seinem Tode erschienenen Werke: „Isagoge per dialogum in quatuor libros Institutionum divi Iustiniani Imper.“ (Vratislav. 1540 u. ö.), verfolgt er den betretenen Weg und gibt sogar beachtenswerthe Ausführungen über die Systematik des Civil rechtes. Auch dadurch ist das Buch interessant, daß es die erste Nachricht von dem sogenannten Brachylogus juris gibt, welche Notiz freilich zu argen Mißverständnissen Anlaß gab. Außerdem ist von A. gedruckt: „Defensio Jonannis Apelli ad Episcopum Herbipolensem pro suo conjugio“ (zuerst Wittenberg 1523 u. ö.).

    • Literatur

      Th. Muther, Doctor Johann Apell. Königsb. 1861, wiederabgedruckt in Th. Muther, Aus dem Universitäts- und Gelehrtenleben. (Erl. 1866) S. 230 f., S. 455 f.

  • Autor/in

    Mth.
  • Empfohlene Zitierweise

    Muther, Theodor, "Apel, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 501 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121675432.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA