Lebensdaten
1910 – 1992
Geburtsort
Köln
Sterbeort
Bad Bevensen
Beruf/Funktion
Zoologe ; Forschungsreisender
Konfession
-
Normdaten
GND: 123991420 | OGND | VIAF: 109634329
Namensvarianten
  • Schäfer, Ernst
  • Schäfer, Ernst
  • Schäfer, Ernst Ludwig Christian

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Schäfer, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123991420.html [18.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Albert (s. 1);
    M Margarete Imdahl;
    Hannover 1939 Ursula (1920–2002), aus Winsen/Luhe, T d. Bruno v. Gartzen (* 1878), Major d. R., Oberlandwirtsch.rat, u. d. Luise Carpie (* 1882);
    3 T Heide (* 1940, Bodo-Hilmar v. Garmissen, * 1936, Oberst i. G. d. Luftwaffe, Landwirt), Hedda (* 1942, Joachim Bornemann), Malerin (fertigte u. a. Aquarelle f. M. Lütkepohl u. J. Prüter, Die Vögel im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, 2000), Karin Bolik (* 1943).

  • Biographie

    Nach dem Abitur 1929 in Mannheim begann S. in Göttingen Zoologie, Botanik, Geographie und Völkerkunde zu studieren. 1931/32 und als wissenschaftlicher Leiter 1934/36 nahm er an den von der Academy of Natural Sciences, Philadelphia, unterstützten zoologischen Expeditionen des amerik. Naturforscher Brooke Dolan (1908–45) nach Westchina und Osttibet teil. Dabei wurden die Tierarten in Zentralasien systematisch erfaßt und die ornithologische Sammlung der Academy of Natural Sciences erheblich erweitert. Wegen des großen Erfolgs der Expedition wurde S., seit 1934 Mitglied der SS, 1936 zum SS-Untersturmführer im Persönlichen Stab ernannt. Er setzte sein Studium in Berlin fort und wurde 1937 bei dem Ornithologen Erwin Stresemann (1889–1972), der ihm seit Beginn seines Studiums als Mentor verbunden blieb, über die Vogelwelt in Tibet promoviert.

    1938/39 leitete S. die „Dt. Tibet-Expedition Dr. Ernst Schäfer“ mit der wissenschaftliche Zielsetzung einer „gesamtbiologischen Erfassung des tibetischen Lebensraumes“, wobei er für die Durchführung auf die politische Unterstützung Himmlers angewiesen war. Alle Expeditionsteilnehmer (Ernst Krause, Karl Wienert, Bruno Beger, Edmund Geer) traten der SS bei. Die Finanzmittel brachte S. mit Hilfe der dt. Wirtschaft und der DFG auf. Erstmals konnte sich eine dt. Expedition auf Einladung der tibet. Regierung zwei Monate in Lhasa aufhalten. Von Anfang an geriet die Expedition in Konflikte zwischen Politik und Wissenschaft. Kurz vor Kriegsausbruch kehrte sie u. a. mit einer enormen, z. T. bis heute nicht ausgewerteten ethnologischen Sammlung von ca. 2000 Objekten (heute Völkerkundemus. München) und einer Sammlung von mehr als 2000 Vogelbälgen (heute Naturkundemus. d. HU Berlin) zurück. Seit 1940 baute S. in München als Leiter die Forschungsstätte für Innerasien und Expeditionen innerhalb der Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“ auf, die 1942 in „Sven Hedin Institut für Innerasienkunde“ umbenannt, der Universität München angegliedert und direkt dem Reichserziehungsministerium unterstellt wurde (1943-45 kriegsbedingt nach Mittersill [Pinzgau, Österr.] ausgelagert). Im Juni 1942 habilitierte S. sich bei Hans Krieg (1888–1970) in München. Nach mehrjähriger Internierung und Entnazifizierung (Einstufung als „nicht belastet“) nahm S. 1949-54 eine Professur an der Universidad Central de Venezuela, Caracas, an und gründete die Estacion Biologica de Rancho Grande, Venezuela. 1955-59 war er wissenschaftlicher Berater Kg. Leopolds III. von Belgien. S. gewann Heinz Sielmann (* 1917) für den Film „Herrscher des Urwalds“ über Gorillas in Zaire (damals Belg. Kongo). 1960 ging R. als Oberkustos an das Niedersächs. Landesmuseum nach Hannover (Ruhestand 1970).

    S. verfolgte schon früh einen umfassenden und ökologischen Forschungsansatz. Durch eine Fixierung auf seine SS-Zugehörigkeit und weil er sich für seine Forschungen durch das NS-Regime unterstützen ließ, wird häufig der Blick auf S.s wissenschaftliche Leistungen als Tibetforscher und Zoologe verstellt.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ac. of Natural Sciences Philadelphia (1932);
    Ehrenmitgl. d. Dt. Ornithologen-Ges. (1939);
    SS-Totenkopfring;
    SS-Ehrendegen;
    Kriegsverdienstkreuz II. Kl. mit Schwertern (1945).

  • Werke

    Berge, Buddhas, Bären, 1933;
    Unbek. Tibet, 1937;
    Dach d. Erde, 1938;
    Ornithol. Ergebnisse zweier Forsch.reisen nach Tibet, in: Journal f. Ornithol. 86, 1938 (Sonderh., Diss.);
    Zoological Results of the Second Dolan Expedition to Western China and Eastern Tibet, 1934–1936. Part II., Birds, in: Proceedings of the Ac. of Natural Science of Philadelphia 90, 1938, S. 185-294 (mit R. Meyer de Schauensee);
    Tiergeograph.-ökol. Studie über d. tibet. Hochland, Habil.schr. München, 1942 (ungedr.);
    Geheimnis Tibet, 1943;
    Fest d. weißen Schleier, 1949;
    Die Vogelwelt Venezuelas u. ihre ökol. Bedingungen, 2 Bde., 1996/99;
    Film:
    Geheimnis Tibet, 1943.

  • Literatur

    U. u. H.-G. Klös u. H. Frädrich, in: Bongo 21, 1993, S. 91-96 (P);
    R. Prinzinger, in: Journal f. Ornithol.Ornithologie 134, 1993, S. 368-69;
    J. Steinbacher, in: Natur u. Mus. 122, 1992, S. 433-34;
    R. Greve, Tibetforsch. im SS-Ahnenerbe, in: Lebenslust u. Fremdenfurcht, hg. v. Th. Hauschild, 1995, S. 168-99;
    M. Brauen, Traumwelt Tibet, 2000, bes. S. 53-81, engl. (in Vorbereitung);
    M. H. Kater, Das „Ahnenerbe“ d. SS 1935-1945, ³2001;
    N. Goodrick-Clarke, Black Sun, 2002, bes. S. 107-27;
    I. Engelhardt, Tibetan Triangle, German, Tibetan and British Relations in the Context of E. S.'s Expedition, 1938–1939, in: Asiat. Studien 58, 2004, S. 57-113;
    Personenlex. Drittes Reich;
    Eigene Archivstud.:
    BA Berlin u. Koblenz;
    British Library, London, Oriental and India Office Collections;
    StA München;
    Library of Congress, Washington, Manuscript Division.

  • Autor/in

    Isrun Engelhardt
  • Zitierweise

    Engelhardt, Isrun, "Schäfer, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 503-504 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123991420.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA