Lebensdaten
1892 bis 1964
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Soziologe
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116767359 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Salomon, Gottfried (bis 1933)
  • Salomon, Götz (Pseudonym)
  • Godefroy, S. (Pseudonym)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Salomon-Delatour, Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116767359.html [16.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann Salomon (* 1850), aus Heppenheim, Fabr. in F.;
    M N. N. Delatour, aus Frankreich;
    1939 Emmy Sindheimer;
    2 S.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Realgymnasium Musterschule in Frankfurt/M. studierte S. Natur- und Wirtschaftswissenschaften sowie Philosophie in München, Heidelberg und Straßburg; 1915 wurde er in Straßburg bei Georg Simmel (1858–1918) zum Dr. phil. promoviert (Das Problem d. Glaubens, Ein Btr. z. Problematik v. Mystik u. Glaube). Seit 1919 redigierte er den Bereich Soziologie in der von Martin Buber herausgegebenen Monatsschrift „Der Jude“. Nach einem Studium bei Ernst Troeltsch (1865–1923) in Berlin geriet S. zunehmend unter den Einfluß von Franz Oppenheimer (1864–1943), bei dem er sich 1921 mit einer Arbeit über „Die Geschichte der neuzeitlichen Gesellschaft und Gesellschaftswissenschaft bis zur franz. Revolution“ in Frankfurt/M. für Soziologie habilitierte. Zunächst dort Privatdozent, 1925 ao. Professor, war er 1925-27 Herausgeber des „Jahrbuchs für Soziologie“ (3 Bde.); in diesem Zusammenhang stand auch die Gründung der „Frankfurter Gesellschaft für Soziologie“ 1927, deren Vorsitz S. übernahm. 1926-32 leitete er als Präsident die „Davoser Hochschulkurse“ und stand dem Frankfurter „Westeurop. Institut“ 1931/32 vor. Nach einem einjährigen Studienaufenthalt in Frankreich 1927 war S. seit 1928 Assistent bei Karl Mannheim (1893–1947) in Frankfurt/M. und lehrte hier seit 1930 Franz. Staats- und Gesellschaftskunde; 1929-31 unterrichtete er auch an den Beamtenakademien in Frankfurt und Saarbrücken. 1932/33 Austauschprofessor an der Univ. Rom, wurde ihm 1933 die venia legendi entzogen und seine Entlassung als Assistent verfügt. Im selben Jahr emigrierte S. nach Frankreich, lehrte an der Sorbonne am „Institut d'études germaniques“ und gab die Zeitschrift „Information Economique“ heraus. 1941 floh er über Italien in die USA, deren Staatsangehörigkeit er 1947 erhielt. 1941-43 lehrte er als Stipendiat der Rockefeller Foundation an der Graduate Faculty der New School for Social Research in New York, 1942 gründete er an der Univ. of Denver das „Institute of International Studies“. Während des 2. Weltkrieges beriet er das War Department in Washington. Nach dem Krieg lehrte S. an mehreren amerik. Universitäten, so an der Columbia Univ., New York, der Univ. of Michigan, Ann Arbor, der|Univ. of Illinois, Urbana-Champaign, der Yeshira Univ., New York, und am Hunter College, New York. Durch einen Wiedergutmachungsbescheid vom März 1958 wurde S. als em. o. Professor der Univ. Frankfurt/M. wiedereingestellt und nahm dort noch einige Jahre Lehraufträge zur Geschichte der gesellschaftlichen Theorien wahr.

    S. ist ein früher Repräsentant einer vergleichenden politisch-historischen Soziologie, die jedoch durch Verfolgung, Emigration und späte Rückkehr nach Deutschland kaum Wirkung auf die Formation der dt. Soziologie ausübte. Auch sein Engagement für die Erforschung der franz. Arbeiterbewegung, die Entwicklung des Sozialismus, des historischen Materialismus und für eine soziologische Analyse von Ideologien hinterließ in der dt., franz. oder amerik. Soziologie keine nennenswerten Wirkungen. S. zählt zu jenen Intellektuellen, die als sozio-politische und wissenschaftliche Mediatoren zwischen Wissenschaftsdisziplinen und nationalen Kulturen zu vermitteln suchten. In der Weimarer Republik engagierte er sich in zahlreichen Organisationen für länderübergreifenden Wissenschaftsaustausch und Völkerverständigung (Dt.-Franz. Ges. Frankfurt, Mithg. d. „Dt.-Franz. Rdsch.“, Initiator d. „Frankreichwochen“ in Frankfurt, Frankfurter „Frankreichak.“). Seine großen Verdienste um die Organisation dt.-franz. Intellektuellen- und Gesellschaftsbeziehungen gerieten weitgehend in Vergessenheit.|

  • Auszeichnungen

    Officier d. Palmes Académiques (1964).

  • Werke

    Weitere W Das MA als Ideal d. Romantik, 1922;
    Gesch. als Ideol., in: Wirtsch. u. Ges., FS f. Franz Oppenheimer, hg. v. K. Wilbrandt u. a., 1924, S. 427-84;
    Hist. Materialismus u. Ideologienlehre, in: Jb. f. Soziol. II, 1926, S. 386-423;
    Die Theorien d. staatl. oder gesellschaftl. Organismus, in: Ethos, 1, 1925/26, H. 3, S. 637-46;
    Die Lehren v. Gemeinbewußtsein, in: Festgabe f. Ludwig Stein z. 70. Geb., 1929, S. 308-20;
    Allg. Staatslehre, 1931;
    Bemerkungen z. Gesch. d. franz. Fam., in: Studien über Autorität u. Fam., 1936, S. 582-85;
    Staatsrecht in Dtld., in: Freie Wiss., hg. v. E. J. Gumbel, 1938, S. 174-89;
    Learning and World Peace, 1948;
    Pol. Soziol., 1959;
    Moderne Staatslehren, 1965 (W-Verz.); Hg.:
    Saint-Simon u. d. Sozialismus, Wege z. Sozialismus, 1919;
    Proudhon u. d. Sozialismus, Wege z. Sozialismus, 1920;
    Lorenz v. Stein, Gesch. d. soz. Bewegung in Frankreich, 3 Bde., 1921;
    Proudhon, P. J. Bekenntnisse e. Revolutionärs (v. 1848), Nach d. Übers. v. A. Rüge hg. u. eingel. v. G. S., 1923;
    Wirtsch. u. Ges., FS f. Franz Oppenheimer 1924;
    Soziolog. Lesestücke (mit F. Oppenheimer), 3 Bde., 1926;
    H. E. Barnes, Soziol. u. Staatstheorie, 1927;
    Die Lehre Saint-Simons, 1962;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Internationaal Instituut vor Social Geschiedenis, Amsterdam.

  • Literatur

    Frankfurter Neue Presse v. 19.11.1962 (P);
    Frankfurter Rdsch. v. 28.4.1964 (P);
    W. Ruegg, in: Kölner Zs. f. Soziol. u. Soz.psychol., 1964, S. 626-29;
    I. Belitz, Befreundung mit dem Fremden, Die Dt.-Franz. Ges. in d. dt.-franz. Kultur- u. Ges.beziehungen d. Locarno-Ära, 1977;
    dies., Grenzgänger zw. d. Wissenschaften, Generationen u. Nationen, G. S.-D., in: Lendemains 25, 2000;
    I. Belitz, ebd.;
    U. Langkau-Alex, „Die Gesch. hat es gewollt…“, Ein Brief W. Münzenbergs v. Okt. 1935, in: Soz. Demokratie u. Sozialist. Theorie, FS f. Hans-Josef Steinberg, hg. v. I. Marßolek u. T. Schelz-Brandenburg, 1995, S. 171-83 (P);
    P. Arnsberg, Die Gesch. d. Frankfurter Juden seit d. franz. Rev., III, 1983;
    Internat. Soziologenlex.;
    BHdE II;
    Göppinger.

  • Autor/in

    Dirk Kaesler
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaesler, Dirk, "Salomon-Delatour, Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 393-394 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116767359.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA