Lebensdaten
1827 – 1918
Geburtsort
Königsberg (Ostpreußen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Oberkonsistorialrat
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119018195 | OGND | VIAF: 13108398
Namensvarianten
  • Weiß, Bernhard
  • Weiss, Bernhard
  • Weiss, Bernhard Carl Philipp
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Weiß, Bernhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119018195.html [15.04.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus Pfarrerfam. in K.;
    V Georg Bernhard (1798–1873), ev. Pfarrer in K., 1868 Oberkonsistorialrat (s. ADB 41; Altpreuß. Biogr. II), S d. Johann Gottlieb (1762–1819), aus Konradswalde b. Brieg (Niederschlesien), ev. Pfarrer an d. Altstädt. Kirche in K., Sup. in K. (s. Altpreuß. Biogr. II);
    M Friederike Fischer ( 1829);
    1860 Hermine Luisa Pauline (1836–93), T d. Wilhelm Dewitz v. Woyna (1784–1865), aus Osterode (Ostpr.), preuß. Gen.major d. Inf., Dir. d. Kadettenhauses in Kulm, (s. Priesdorff; Altpreuß. Biogr. I.), u. d. Antonie Pauline Friederike Bobbe (1814–94);
    2 S Johannes (s. 2), Markus (1869–1913), Schriftst., Oberlandesger.rat, 2 T Katharina (Käthe), Hedwig (* 1862);
    Gvv d. Ehefrau Friedrich Bobbe, Oberlehrer am Kadettenhaus in|Kulm;
    E Hansgerhard (1902–82), Philol., Schriftst. (s. Kosch, Lit.-Lex.³; Sächs. Biogr.; W); Helmut (Ps. Paul Berking) (1907–69), Schausp., Regisseur, Drehbuchautor (s. Munzinger; Kosch, Lit.-Lex.³).

  • Biographie

    W. besuchte seit 1834 das Friedrichskolleg in Königsberg. Nach dem Abitur 1844 studierte er Ev. Theologie und Philosophie in Königsberg, 1847 / 48 in Berlin und 1849 in Halle/ Saale (Mitgl. d. Burschenschaft „Hochhemia“). Prägend wurden der Rechtshegelianer Karl Rosenkranz (1805–79), der Vermittlungstheologe Isaak August Dorner (1809–84), der ehemals jüd., dann ev. getaufte Erweckungstheologe August Neander (1789–1850) sowie der pietistische, antirationalistische August Tholuck (1799–1877). 1848 legte W. das 1., 1849 das 2. Theol. Examen in Königsberg ab, arbeitete hier anschließend als Hauslehrer und engagierte sich für Johann Hinrich Wicherns (1808–81) „Innere Mission“. 1852 in Jena in absentia zum Dr. theol. promoviert, habilitierte sich W. im selben Jahr in Königsberg mit der Studie „Der Petrinische Lehrbegriff, Beiträge zur biblischen Theologie, sowie zur Kritik und Exegese des ersten Briefes Petri und der petrinischen Reden“ (1855) für Neutestamentliche Theologie, war danach als Privatdozent tätig (ao. Prof. 1857) und erteilte Religionsunterricht an einem Königsberger Gymnasium. 1861 wurde er zum Divisionspfarrer in Königsberg ordiniert; 1863 folgte er einem Ruf in die Theol. Fakultät der Univ. Kiel, wo er neben neutestamentlichen Vorlesungen Altes Testament lehrte (Mitgl. d. Konsistoriums 1874, Rektor 1875 / 76, em. 1908).

    1877 wechselte W. auf den erstmals so genannten Lehrstuhl für Neues Testament an der Univ. Berlin (Mitgl. d. brandenburg. Konsistoriums 1877, Oberkonsistorialrat 1880, Wirkl. Geh. Oberkonsistorialrat 1893). 1886–96 war er zudem Präsident des Zentralausschusses der Inneren Mission. Obwohl seine Wohnung hinter dem Lützowplatz im Sprengel der Charlottenburger Ks.-Wilhelm-Gedächtniskirche lag, engagierten sich W. und seine Frau in der deutlich konservativeren, „positiven“ Gemeinde der Zwölf-Apostel-Kirche, einer Ausgründung der Matthäus-Kirche.

    W. verfaßte einflußreiche Kommentare zu den vier Evangelien (Das NT, Textkrit. Unterss. u. Textherstellung, 1893–1900; Textkritik d. vier Evangelien, 1899) und Bücher über Briefe des Neuen Testaments (u. a. Der Philipperbrief ausgelegt u. d. Gesch. seiner Auslegung krit. dargest., 1859; Die Kath. Briefe, Textkrit. Unterss. u. Textherstellung, 1892) und legte 1862 ein weitverbreitetes „Lehrbuch der Biblischen Theologie des Neuen Testaments“ (2. vollst. umgearb. Aufl. 1873, ⁷1903) vor.

    Sein „Lehrbuch der Einleitung in das Neue Testament“ (1886, ³1897) wurde 1888 ins Englische übersetzt. Über die akademische Theologie hinaus wirkte W., „der mit seiner echten Verbindung von pietätvoll vorsichtiger Kritik und kirchlich-konservativer Sachgebundenheit eine führende Gestalt unter den Vermittlungstheologen auf seinem Fachgebiet wurde“ (W. Elliger, S. 67) v. a. durch sein Werk „Das Leben Jesu“ (2 Bde., 1882, ⁴1903), das Albert Schweitzer (1875–1965) in seiner „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ (1913) den „liberalen Leben-Jesu“ Büchern zuordnete und wegen seines „modernen Psychologisierens“ vernichtend kritisierte.

    Neben seinem wissenschaftlichen Wirken übte W. erheblichen theologiepolitischen Einfluß aus. Als Vortragender Rat im Nebenamt war er seit 1880 Dezernent für die Theol. Fakultäten in der „Abteilung für geistliche Angelegenheiten“ des Preuß. Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten und beriet den für Berufungsangelegenheiten zuständigen Friedrich Althoff (1839–1908). Für die Besetzung prot. Theologieprofessuren suchte W. immer wieder Privatdozenten bzw. soeben Habilitierte persönlich auf, um einen Eindruck von Person und theologischem Profil zu gewinnen. Gegenüber theol.-liberalen Positionen und v. a. Fragestellungen und Methoden der primär in Göttingen entstandenen „Religionsgeschichtlichen Schule“ nahm W. – im Gegensatz zu seinem Sohn Johannes – eine distanzierte Haltung ein. Zu W.s Schülern zählen Gustav Hoennicke (1871–1938) und Ernst Kühl (1861–1918).

  • Werke

    Weitere W Der johanneische Lehrbegriff in seinen Grundzügen dargest., 1862;
    Die Johannes-Apokalypse, Textkrit. Unterss. u. Textherstellung, 1891;
    Die innere Mission an d. Wende d. Jh., 1900;
    Paulus u. seine Gemeinden, e. Bild v. d. Entwicklung d. Urchristentums gezeichnet, 1914;
    Aus neunzig Lebensj. 1827–1918, hg. v. Hansgerhard Weiß, 1927 (Autobiogr.);
    Qu E. Troeltsch, Briefe I (1884–1894), hg. v. F. W. Graf, 2013.

  • Literatur

    |C. R. Gregory, B. W. and the New Testament, in: American Journ. of Theology 1, 1896, S. 17–37;
    ders. (Hg.), Theol. Stud. Herrn Wirkl. O.Kons.R. Prof. Dr. B. W. zu seinem 70. Geb.tag dargebracht, 1897;
    W. Scheffen (Hg.), Zum Gedächtnis v. D. Dr. B. W., 1918;
    W. Elliger, 150 J. Theol. Fak. Berlin, 1960;
    J. Rohde, Die Gesch. d. Berliner Lehrstuhls f. NT, in: Wiss. Zs. (Berlin) 34, 1985, H. 7, S. 539–43;
    ders., Die Theol. Fak. Berlins zu d. Zeit d. dt. Ks.reiches (1871–1918), ebd., S. 580–86;
    Der Briefwechsel zw. Adolf v. Harnack u. Martin Rade, Theol. auf d. öff. Markt, hg. u. komm. v. J. Jantsch, 1996;
    DBJ II, Tl.;
    Altpreuß. Biogr. II;
    Berliner Biogr. Lex.;
    BBKL 13 (W, L);
    LThK³;
    RGG⁴;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L).

  • Autor/in

    Friedrich Wilhelm Graf
  • Zitierweise

    Graf, Friedrich Wilhelm, "Weiß, Bernhard" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 681-682 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119018195.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA