Lebensdaten
1890 bis 1948
Geburtsort
Wien
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Kunsthistoriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118804898 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Saxl, Felix Friedrich
  • Saxl, Fritz
  • Saxl, Felix Friedrich
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Zitierweise

Saxl, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118804898.html [14.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ignaz (1847–1911), aus Senftenberg (Žamberk, Böhmen), Jur., Hof- u. Ger.advokat in W., S d. Abraham;
    M Wilhelmine Falk;
    Wien 1913 Elise Bienenfeld (1893–1966);
    1 S Peter (1915–40/41), Architekt, Maler, 1 T Hedwig (1914–93), Ärztin.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Maximilians-Gymnasiums in Wien (Abitur 1908) studierte S. 1908-12 Kunstgeschichte, historische Hilfswissenschaften und Archäologie v. a. in Wien bei Max Dvořák (1874-1921) sowie ein Semester in Berlin bei Heinrich Wölfflin (1864–1945). 1910 lernte er in Hamburg Aby Warburg (1866–1929) kennen. Nach der Promotion 1912 in Wien bei Dvořák (Rembrandt-Studien, unveröff.) war er 1912-13 Stipendiat des Österr. Instituts für Geschichtsforschung in Rom, wo er am ersten Band des Verzeichnisses astrologischer und mythologischer illustrierter Handschriften arbeitete. 1913/14 war S. als „wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ Warburgs in der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek in Hamburg tätig, reiste aber auch im Zusammenhang mit seinen eigenen Forschungen u. a. nach Rom, Venedig und Prag. Anfang 1915 zur österr. Armee eingezogen, diente S. bis Kriegsende in Italien und Böhmen. 1918-19 wurde er im österr. Heeresamt weiter in der Erwachsenen- und Volksbildung beschäftigt; im April 1920 trat er schließlich als wissenschaftlicher Bibliothekar in die Bibliothek Warburg ein, deren kommissarischer Leiter er wurde, weil Warburg sich wegen seiner schweren psychischen Krankheit 1920-24 in verschiedenen Kliniken aufhielt. Nach seiner Habilitation 1922 an der Univ. Hamburg lehrte S. hier bis 1926 als Privatdozent, dann als ao. Professor. In dieser Zeit begründete er die Reihen „Vorträge der Bibliothek Warburg“ und „Studien der Bibliothek Warburg“, die bis 1933 in rascher Folge und zahlreichen Bänden von ihm herausgegeben wurden. Nach Warburgs Rückkehr nach Hamburg bis zu dessen Tod 1929 unternahm S. zahlreiche Forschungsreisen nach Frankreich, Spanien und England. Auf Bitten der Familie Warburg übernahm er 1929 die Leitung der Bibliothek, deren Direktor er bis zu seinem Tod blieb. 1933 trat S. im Frühjahr von seiner Professur zurück und organisierte in Zusammenarbeit mit Edgar Wind (1900–71) zielstrebig und entschlossen die Ausreise der gesamten Bibliothek und sechs ihrer Mitarbeiter nach London. In der Folge spielten S. und seine Mitstreiterin und Lebensgefährtin Gertrud Bing (1892–1964) eine wichtige Rolle als Weitervermittler für ins Exil getriebene Kunsthistoriker. Gleichzeitig entfaltete das Warburg Institute eine stupende, auf das engl. Publikum gerichtete Vortrags-, Ausstellungs- und Publikationstätigkeit, um unter der Führung von S. das dt. Institut in der engl. akademischen Öffentlichkeit zu verankern. 1943 erklärte sich die Univ. London schließlich bereit, die ehemalige Kulturwissenschaftliche Bibliothek von der Familie Warburg als Geschenk an- und als Universitätsinstitut aufzunehmen, wodurch die Fortexistenz des Warburg Institute bis heute gesichert wurde; 1944 wurde S. zum Professor für History of the Classical Tradition ernannt.

    In seinen Forschungen versuchte S., die philologischen Ansprüche der „Wiener Schule“ zu verbinden mit einer Geschichte der Form und des Sehens, wie sie Wölfflin gefordert hatte, und beides mit dem Anspruch Warburgs zu vermitteln, kunsthistorische Forschung von vornherein unter kulturwissenschaftliche Fragen zu stellen. S.s Interesse an der astrologischen Überlieferung verband ihn mit Warburg und dessen zentralem Forschungsproblem, der Geschichte des Nachlebens der Antike. Die von S. erarbeiteten Verzeichnisse astrologischer Handschriften sind ein wichtiger Ertrag dieser lebenslangen Tätigkeit. S.s Publikationen zur italien. Kunst der Renaissance und des Barock zeichnen sich v. a. durch akribische Auswertung der gleichberechtigt behandelten Text- und Bildquellen aus. Die formalen Qualitäten der Kunstwerke werden kunstvoll beschrieben und eindringlich gewürdigt. Trotz der engen Zusammenarbeit mit Erwin Panofsky während der 20er Jahre kam S. oft zu ganz anderen Ergebnissen als der ältere Mentor, etwa in seiner Analyse von Dürers Meisterstich „Melencolia I“ (1923). Auch schritt er fort von Warburgs Einsichten in die Bedeutung und Wertigkeit des „stile all'antica“ zur Formulierung des „Disjunktionsprinzips“, der Feststellung, daß die antike, klassische Form einen anderen Überlieferungsweg nimmt als die ihr zugehörige Ikonographie. Der für die|Geschichte der jüngeren Kunstgeschichte wichtige Aufsatz, den er zusammen mit Panofsky 1933 in den Metropolitan Museum Studies veröffentlichte, beruht zu weiten Teilen auf Forschungen von S. Seiner frühen Hinwendung zu Rembrandt und der Kunst des 16. Jh. blieb S. auch später treu; seine zahlreichen Aufsätze und Vorträge zur Malerei der Barockzeit suchten immer wieder, Probleme der Form und der Ikonographie gleichberechtigt zu behandeln. Diese innovativen Ansätze und Fragestellungen ließen S. zum Lehrer einer ganzen Generation engl. Kunsthistoriker werden.|

  • Auszeichnungen

    brit. Staatsbürger (1940); Fellow of the British Academy (1944).

  • Werke

    Verz. astrolog. u. mytholog. ill. Hss. d. lat. MA in röm. Bibliotheken, in: SB d. Heidelberger Ak. d. Wiss., Phil.-hist. Kl., 1915, 6./7. Abh., 1915;
    Verz. astrolog. u. mytholog. ill. Hss. d. lat. MA II, Die Hss. d. Nat.-Bibl. in Wien. ebd. 1925/26, 2. Abh., 1927;
    Dürers Melencolia I, Eine quellen- u. typengeschichtl. Unters., 1923 (mit E. Panofsky);
    Antike Götter in d. Spätrenaissance, Ein Freskenzyklus u. e. Discorso d. Jacopo Zucchi, 1927;
    Die Kulturwiss. Bibl. Warburg in Hamburg, in: Forsch.institute 2, 1930, S. 355-58;
    Classical Mythology in Mediaeval Art. in: Metropolitan Mus. Studies 4, 1933, S. 228-80 (mit E. Panofsky);
    British Art and the Mediterranean, 1948 (mit R. Wittkower);
    postum:
    Cat. of Astrological and Mythological Illuminated Manuscripts of the Latin Middle Ages, III, Manuscripts in English Libraries, hg. v. H. Bober, 1953 (mit Hans Meier);
    Lectures, 2 Bde., 1957;
    Saturn and Melancholy, Studies in the Hist. of Natural Philosophy, Rel. and Art, 1964 (mit R. Klibansky u. E. Panofsky), dt. u. d. T.: Saturn u. Melancholie: Studien z. Gesch. d. Naturphilos. u. Med., der Rel. u. d. Kunst, hg. v. R. Klibansky, E. Panofsky u. F. S., übers. v. Ch. Buschendorf, 1990;
    Hg.:
    Vortrr. d. Bibl. Warburg 1921–31, 9 Bde., 1923-32;
    Studien d. Bibl. Warburg, 24 Bde., 1922-32;
    Studies of the Warburg Inst., 19 Bde., 1936-49.

  • Literatur

    G. Bing, in: F. S., 1890-1948, A Volume of Memorial Essays from his Friends in England, hg. v. D. J. Gordon, 1957, S. 1-46, erneut als selbst. Publ. d. Warburg Inst. u. d. T. F. S. (1890-1948), A Biographical Memoir by Gertrud Bing, 1998 (Bibliogr. S. 359-65);
    K. Badt. Rez. v. Lectures. in: Kunstchronik 13, 1960, S. 70-77;
    J. Grolle, Percy Ernst Schramm – F. S., Die Gesch. e. zerbrochenen Freundschaft, in: Zs. d. Ver. f. Hamburg. Gesch. 76, 1990, S. 145-67;
    K. Lippincott, Aby Warburg, F. S. and the Astrological Ceiling of the Sala di Galatea, in: Aby Warburg, Akten d. Internat. Symposions 1990, hg. v. H. Bredekamp, M. Diers, Ch. Schoell-Glass, 1991, S. 213-32;
    B. Buschendorf, Auf dem Weg nach England, Edgar Wind u. d. Emigration d. Bibl. Warburg nach England, in: Porträt aus Büchern, Bibl. Warburg u. Warburg Inst., hg. v. M. Diers, 1993, S. 85-128;
    Ausreiten der Ecken. Die Aby Warburg – F. S. Korr. 1910 bis 1919, hg. v. D. McEwan, 1998;
    H.-M. Schäfer, Die Kulturwiss. Bibl. Warburg, 2003;
    DNB;
    ÖBL;
    BHdE II;
    U. Wendland, Biogr. Hdb. dt.sprachiger Kunsthist. im Exil, 1996;
    Metzler, Kunsthist. Lex.: Hdb. österr. Autorinnen u. Autoren jüd. Herkunft;
    Hamburg. Biogr. I (P).

  • Autor/in

    Charlotte Schoell-Glass
  • Empfohlene Zitierweise

    Schoell-Glass, Charlotte, "Saxl, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 480-481 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118804898.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA