Lebensdaten
1894 bis 1985
Geburtsort
München
Sterbeort
Luzern
Beruf/Funktion
Kunsthändler ; Kunstsammler
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118840649 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosengart, Siegfried

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Zitierweise

Rosengart, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118840649.html [23.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1850–1921), Bettfedernfabr. in M., S d. Samuel (1808–60) u. d. Karoline Kahn (1817–99);
    M Selma Thannhauser ( 1938);
    Ov Joseph (* 1860), Dr., in Frankfurt/M.;
    Om Heinrich Thannhauser ( 1934), Kunsthändler u. Galerist in M.;
    München 1924 Friederike (Sybil) Dülberg (1893–1968), T d. Mathäus Müller, Postbeamter in M., u. d. Elise Kastner; 1 Angela (* 1932), Kunsthändlerin u. Sammlerin in L., seit 1957 Teilh. u. Mitgeschäftsführerin, seit 1985 alleinige Geschäftsführerin (s. L);
    Vt Justin Thannhauser (1892–1976), Kunsthändler u. Galerist, Inh. d. v. seinem Vater gegr. „Modernen Gal.“ in M. u. d. Gal. Thannhauser in Berlin; Groß-Cousinen-v Claribel Cone (1864–1929), Dr., Ärztin (s. Who's who in American Jewry, 21928), Etta Gone (1870–1949), bauten gemeinsam d. „Cone Collection“ auf, welche d. Grundstock d. Mus. of Art in Baltimore bildet (s. B. Pollack, The Collectors Dr. Claribel and Miss Etta Cone, 1962).

  • Leben

    R. kam durch seinen Onkel Joseph früh mit bildender Kunst in Berührung. Zum prägenden Erlebnis wurde für ihn der Besuch der Sonderbund-Ausstellung in Köln 1912, die einen Überblick über die damalige Kunst der Moderne bot. Während seines Französischstudiums in Paris 1913/14 lernte er durch Wilhelm Uhde Picasso kennen und gewann seinen Onkel Heinrich Thannhauser dafür, Picassos „Les Saltimbanques“ von 1905 (heute Nat. Gallery of Art, Washington D. C.) zu ersteigern. 1919 trat R. in die Galerie seines Onkels ein und eröffnete für ihn 1920 in Luzern eine Filiale, die er bis 1937 leitete. 1933 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft; vier Jahre später trennte er sich von Thannhauser, um die Galerie selbständig weiterzuführen.

    Schwerpunkte seines Kunsthandels waren die Meister der Klassischen Moderne, v. a. Picasso, dem er besonders nahestand, und Paul Klee, den er nach dem Krieg durch eigene Ausstellungen bekanntmachte. Zusammen mit seiner Tochter, die 1948 Mitarbeiterin und 1957 Teilhaberin der Galerie wurde, vermittelte er Kunstwerke an Museen, wie etwa die von Werner Schmalenbach (* 1920) geleitete „Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen“ in Düsseldorf und an Sammler in aller Welt, darunter Etta und Claribel Cone (Gauguin, „Frau mit Mango“, Matisse, „Odaliske“, Picasso, „Mutter u. Kind“, heute Baltimore Mus.) und Samuel Courtauld (Manet, „Eine Bar in den Folies Bergère“, London). Über Jahrzehnte war er als Berater und Vermittler für Bernhard Sprengel (1899–1985) und Peter Ludwig (1925–96) tätig. Nach dem Krieg begann R. auch selbst zu sammeln und als Mäzen hervorzutreten: Nach Schenkung eines Picasso-Bildes durch ihn und seine Tochter 1971 an das Kunsthaus Zürich richteten beide 1978 der Stadt Luzern im historischen „Am-Rhyn-Haus“ mit acht bedeutenden Werken ein kleines Picasso-Museum ein, dessen Sammlung sie später erweiterten, 1992 durch die rund 200 Picasso-Photographien von David Douglas Duncan.

    Seit R.s Tod führt seine Tochter die Galerie weiter und gründete 1992 eine gemeinnützige Stiftung mit dem Ziel, ihre und ihres Vaters Sammlung in ihrer Gesamtheit zu erhalten und der Öffentlichkeit in einem Museum zu präsentieren. Im März 2002 wurde es im ehemaligen Gebäude der Schweizer. Nationalbank in Luzern eröffnet. Den Kern der Sammlung bilden 47 Gemälde und Zeichnungen von Picasso aus den Jahren zwischen 1904 und 1972. Mit 125 ausgesuchten Klee-Werken aus allen Schaffensperioden gehört dazu außerdem eine der international bedeutendsten privaten Klee-Kollektionen. Ergänzt werden diese Werkkomplexe durch erlesene Beispiele des Impressionismus und der klassischen Moderne, darunter drei Bilder von Cezanne sowie Gemälde von Monet, Pissarro, Renoir, Seurat, den Nabis-Künstlern Bonnard und Vuillard und Werke von Modigliani, Soutine, Matisse, Braque, Léger, Kandinsky und Miró. Mit einer kleinen Werkgruppe vertreten ist auch Chagall, dem sich Vater und Tochter ebenfalls persönlich verbunden fühlten.|

  • Auszeichnungen

    Ehrennadel d. Stadt Luzern an S. u. A. R. (1981); R.-Platz in Luzern (2002); – Dr. h. c. an Angela R. (Univ. Zürich 2003).

  • Werke

    Ausst. u. a. Matisse – Zeichnungen, 1937;
    Paul Klee, 1945;
    Chagall – Gouachen v. 1948/49 u. zu „1001 Nacht“, 1949;
    Picasso – Gem., 1956;
    Picasso „L'Atelier“, 1957;
    Picasso – Gem., 1961;
    Picasso – Gem., 1963;
    Tiere in d. Kunst v. Paul Klee, 1964;
    Chagall – Monotypes, 1965;
    Picasso – Gem., 1966;
    Picasso heute – Neue Werke, 1969;
    Picasso – L'Idee pour une sculpture, 1970;
    Picasso – 25 Werke – 25 Jahre, 1947–1971, 1971;
    Paul Klee – Aquarelle, 1979;
    Picasso – Die Auserwählten, 1981;
    Schr.:
    S. u. Angela R., Besuche b. Picasso, 1973, 21988, 32002 (P).

  • Literatur

    M. Kunz (Hg.), Von Matisse bis Picasso, Hommage an S. R., 1988 (Biogr., P);
    FAZ v. 6.7.2001 (P);
    zu Angela:
    Slg. Rosengart Luzern, Newsletter, seit|2001 (P);
    Angela Rosengart (Hg.), Slg. R., Slg.kat. Luzern 2002 (engl. u. d. T. The R. Collection);
    P. Schulz u. B. Eichmann-Leutenegger, Augen d. Leidenschaft, A. R. u. ihre Slg., 2002;
    Video:
    H. Eggermann, Für d. Auge, 2002.

  • Portraits

    Bronzebüste v. M. Marini, 1960 (Luzern, Slg. Rosengart), Abb. in: M. Kunz (s. L);
    zu Angela:
    fünf Porträts v. P. Picasso, 1954-66, zwei Zeichnungen, Lith., Linolschnitt, Aquatinta (Luzern, Slg. Rosengart).

  • Autor/in

    Peter Prange
  • Empfohlene Zitierweise

    Prange, Peter, "Rosengart, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 67-68 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118840649.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA