Lebensdaten
1895 – 1964
Geburtsort
Rommersberg bei Engelskirchen (Rheinland)
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Sozial- und Wirtschaftshistoriker ; Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118753118 | OGND | VIAF: 10641444
Namensvarianten
  • Steinbach, Franz

Quellen(nachweise)

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Zitierweise

Steinbach, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118753118.html [29.09.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Karl, Landwirt in Reuschhof b. Lindlar (Rheinland);
    M Josepha Breidenbach, Bäuerin;
    11 Geschw;
    Freudenburg b. Saarburg (RheinlandPfalz) 1926 Mathilde Anna (1899–1986), T d. Johann Peter Braunshausen, u. d. Magdalena Beick;
    3 S Karl (* 1928), Dr. rer. nat., Dipl.-Physiker, Hermann (* 1930), Bergassessor, Bernhard (1933– um 1999, Dr. iur., in Bonn, 1 T Mathilde (* 1927, N. N. Popesco).

  • Biographie

    Nach dem Besuch von Volksschule und Progymnasium schloß S. seine Schulausbildung 1915 mit dem (Kriegs-)Abitur am Gymnasium in Neuss ab. Schon als Primaner hatte er sich 1914 als Kriegsfreiwilliger gemeldet und nahm bis 1918 am 1. Weltkrieg teil. Noch im selben Jahr begann er an der Univ. Bonn Geschichte und Germanistik sowie Staatswissenschaften und Philosophie zu studieren. Zu seinen Lehrern gehörten neben Walter Platzhoff, Aloys Schulte und Wilhelm Levison v. a. Hermann Aubin und Theodor Frings, unter deren Ägide 1920 an der Univ. Bonn das Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande (IGL) gegründet wurde. Von den hier sich etablierenden neuen methodischen Wegen der geschichtlichen Landeskunde und interdisziplinären Kulturraumforschung empfing S. entscheidende Impulse, 1922 wurde er bei Aubin promoviert und anschließend erster Assistent am Institut. Im selben Jahr legte er das Staatsexamen ab. Nach der Habilitation 1925 für Mittelalterliche und Neuere Geschichte übernahm er infolge der Berufung Aubins nach Gießen noch als Privatdozent 1926 die Leitung des IGL (bis 1961). 1928 erhielt S. das neu geschaffene Extraordinariat für Rheinische Geschichte und allgemeine Wirtschaftsgeschichte und wurde formell zum Direktor des IGL ernannt. Nach Ausbruch des 2. Weltkriegs war er mit geringfügigen Unterbrechungen im Kriegseinsatz. Im WS 1940/41 nahm er auf Veranlassung der dt. Militärverwaltung in Brüssel eine Gastprofessur in Gent wahr, 1941–45 war er bei der Wehrmacht in Norwegen eingesetzt, zuletzt als Regimentskommandeur. Im Febr. 1946 erlangte er von der brit. Militärregierung die Wiederzulassung als Hochschullehrer. 1949 erfolgte die Umwandlung seines Lehrstuhls in ein planmäßiges Ordinariat zugleich mit der Erweiterung seiner Venia auf Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und Geschichte der Rheinlande (Dekan 1949/50; em. 1960). Bei der Wiederbesetzung wurde sein Lehrstuhl geteilt in eine Professur für Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (Wolfgang Zorn) und eine für Rheinische Landesgeschichte (Franz Petri).

    Das wissenschaftliche Œuvre von S. ist untrennbar verbunden mit dem IGL, das er zu einem der angesehensten landesgeschichtlichen Institute Deutschlands ausbaute. Er führte das 1922 von Aubin und Frings initiierte „Rheinische Archiv“ fort und begründete 1931 zusammen mit Adolf Bach (1890–1972) und Joseph Müller (1875–1945) die Institutszeitschrift „Rheinische Vierteljahrsblätter“. Sein Forschungsinteresse richtete sich in fachvergleichender Perspektive auf Themen der Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, der Siedlungs- und Agrargeschichte sowie der Kulturraumforschung. Im Anschluß an seine Dissertation über „Vererbung und Mobilisierung des ländlichen Grundbesitzes im bergischen Hügelland“ gehörten Studien zur bäuerlichen Sozial- und Rechtsordnung sowie zum ländlichen Siedlungs- und Wirtschaftssystem zu seinen Forschungsschwerpunkten. Völkisch-national, aber keineswegs rassenideologisch geprägt, widmete sich S. seit Ausgang der 20er Jahre zunehmend den Wechselwirkungen zwischen Germania und Romania, der Frage nach Maß und Anteil german. und roman. „Volkstums“ an den westeurop. Staatsbildungen und der Entstehung der dt. Westgrenze. In seiner Habilitation „Studien zur westdeutschen Stammes- und Volksgeschichte“ (1926, ²1962), sodann in seinem Beitrag über das Frankenreich im „Handbuch der dt. Geschichte“ von Brandt/Meyer/Just (1936, ²1956) und anderen Arbeiten der 30er Jahre konstatierte er einen fränk. dominierten Kulturraum zwischen Rhein und Loire und deutete die dt.-franz. Sprachgrenze als eine Rückzugslinie der ursprünglich bis weit nach Frankreich vorgetragenen fränk. Volkssiedlung. Mit diesen Forschungen, die auf eine Sichtbarmachung german. Kultureinflüsse in den westlichen Nachbarstaaten hinzielten, empfahl er sich dem NSStaat, dem diese Befunde als wissenschaftliche Unterstützung seiner Annexionsbestrebungen im Westen dienten. In den Zusammenhang der „Westforschung“ gehörte auch S.s Engagement in der Rheinischen, später Westdt. Forschungsgemeinschaft, zu deren Mitgründern er 1931 gehörte und die er bis 1935 leitete. Gleichwohl war die Haltung des bekennenden Katholiken S. zum „Dritten Reich“ ambivalent. Er war Mitglied des NSLB und des NSD, nicht jedoch der NSDAP. Eine erbbiologische Fundierung der Volksgeschichte lehnte er ab.

    Nach dem Krieg lenkte S. seinen Blick wieder verstärkt auf verfassungs-, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche Themen, bei deren Erforschung er – entsprechend dem Selbstverständnis der Bonner Schule – in regionaler Bearbeitung auf allgemeinhistorische Erkenntnis zielte. Neben der ländlich-bäuerlichen Lebenswelt, insbesondere der Landgemeinde, die er in einem genetischen Zusammenhang mit der Gerichtsgemeinde sah, galt sein Interesse nun auch verstärkt dem Thema Bürger und Stadt. In der Neufassung seines Beitrages über das Frankenreich im „Handbuch der dt. Geschichte“ von Brandt/Meyer/Just (1956) wies S. neben dem fränk. Anteil an der Formierung des mittelalterlichen Abendlandes auf die integrierende Kraft von Antike und Christentum hin. Seine Forschungen zur Westgrenze führte er nicht fort. Gleichwohl knüpfte die 1950 unter seinem Vorsitz gegründete und vom Gesamtdt. Ministerium geförderte Arbeitsgemeinschaft für westdt. Landes- und Volksforschung institutionell und vom Themenspektrum an die Westdt. Forschungsgemeinschaft an.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    A Mitgl. d. Ges. f. Rhein. Gesch.kde (1925), d. Görres-Ges. (1925), d. Ver. f. geschichtl. Landeskde. d. Rheinlande (1926–61 Schriftführer, Ehrenvors. 1961), d. Saarforsch.gemeinschaft (1926), d. Wiss. Rates d. Dt. Ausland-Inst. Stuttgart, d. Hauptverslg. u. d. Wiss. Rates d. Volksbunds f. d. Dt.tum im Ausland (1930), d. Rhein./Westdt. Forsch.gemeinschaft (Leiter 1931–35), d. Dt. Ak., München (1934);
    Mitdir. d. Bonner Hist. Seminars (1928);
    Ehrenmitgl. d. Section historique de l`Inst. Grand Ducal de Luxembourg (1938), d. Hist. Ver. f. d. Niederrhein (1954) u. d. Hist. Ver. f. d. Saargegend (1960);
    Ernst-Moritz-Arndt-Medaille d. Univ. Bonn (1943);
    Vors. d. Arb.gemeinschaft f. westdt. Landes- u. Volksforsch. (1950–64);
    Mitgl. u. Vors. d. Komm. f. Saarländ. Landesgesch. u. Volksforsch. (1952);
    Gründungsmitgl. d. Konstanzer Arb.kreises für ma. Gesch. (1951/1960);
    Gr. BVK (1960);
    korr. Mitgl. d. fläm. Ak. d. Wiss. in Brüssel;
    Crecelius-Medaille d. Berg. Gesch.ver. (1963);
    Dr. phil. et litt. h. c. (Löwen 1964).

  • Werke

    Weitere W Die rhein. Agrarverhältnisse bis z. 12. Jh., in: Tausend Jahre dt. Gesch. u. dt. Kultur am Rhein, hg. v. Aloys Schulte, 1925, S. 67–76;
    Die Veränderung d. Agrarverhältnisse im 18. Jh., ebd., S. 163–73;
    Die Veränderung d. Agrarverhältnisse im 18. Jh. unter d. Fremdherrschaft u. im 19. Jh., ebd., S. 454–63;
    Geschichtl. Grundlagen d. kommunalen Selbstverw. in Dtld., 1932 (mit Erich Becker);
    Gesch. d. franz. Saarpol., 1934 (mit M. Herold u. J. Niessen);
    Gemeinsame Wesenszüge d. dt. u. d. franz. Volksgesch., in: Rhein. Vj.bll. 8, 1938, S. 193–212;
    erneut in: ders. u. Franz Petri, Zur Grundlegung d. europ. Einheit durch d. Franken, 1939, S. 1–16;
    Gibt es e. lotharing. Raum?, in: Rhein. Vj.bll. 9, 1939, S. 52–66;
    Stadtgde. u. Landgde., ebd. 13, 1948, S. 11–50;
    Geburtsstand, Berufsstand u. Leistungsgemeinschaft, ebd. 14, 1949, S. 35–96;
    Bürger u. Bauer im Za. d. Industrie, ebd. 28, 1963, S. 1–36;
    Ursprung u. Wesen d. Landgde. nach rhein. Quellen, in: Die Anfänge d. Landgde. u. ihr Wesen I, hg. v. Th. Mayer, 1964, S. 245–88 (zuerst 1960);
    Collectanea F. S., Aufss. u. Abhh. z. Vfg.-, Soz.- u. Wirtsch.gesch., geschichtl. Landeskde. u. Kulturraumforsch., hg. v. F. Petri u. G. Droege, 1967 (P);
    vollst. Verz. d. Schrr., zus.gestellt v. V. Henn, ebd., S. 899–912;
    Mithg.:
    Rhein. Vj.bll., 1931–60;
    Rhein. Archiv, 1928–63;
    Geschichtl. Handatlas d. dt. Länder am Rhein, 1950.

  • Literatur

    Aus Gesch. u. Landeskde., Forschungen u. Darstellungen, Festgabe z. 65. Geb.tag v. F. S., hg. v. M. Braubach, F. Petri u. L. Weisgerber, 1960 (P);
    M. Braubach, in: HJb. 84, 1964, S. 382–91;
    F. Petri, in: Rhein. Vj.bll. 29, 1964, S. 1–27 (P);
    H. Draye, in: Onoma 11, 1966, S. 327–30;
    U. Lewald, in: Zs. f. Agrargesch. u. Agrarsoziol. 14, 1966, S. 90–95;
    F. Petri, in: Bonner Gel., Gesch.wiss., 1968, S. 376–84 (P);
    M. Nikolay-Panter, Gesch., Methode, Pol., Das Inst. u. d. geschichtl. Landeskde. d. Rheinlande 1920–1945, in: Rhein. Vj.bll. 60, 1996, S. 233–62;
    P. Schöttler, Die hist. ,Westforsch.` zw. ,Abwehrkampf` u. territorialer Offensive, in: ders. (Hg.),|Gesch.wiss. als Legitimationswiss. 1918–1945, 1997, S. 204–61;
    B.-A. Rusinek, ,Westforschungs`Traditionen nach 1945, in: Griff nach dem Westen, Die ,Westforschung` d. völk.-nat. Wissenschaften z. nordwesteurop. Raum, hg. v. B. Dietz, H. Gabel u. U. Tiedau, 2003, S. 1141–1201;
    M. Werner, Zwischen pol. Begrenzung u. method. Offenheit, Wege u. Stationen dt. Landesgesch.forsch., in: Die dt. Mediävistik im 20. Jh., hg. v. P. Moraw u. R. Schieffer, 2005, S. 251–364;
    Rhein. Landesgesch. an d. Univ. Bonn, hg. v. M. Groten u. A. Rutz, 2007;
    Biogr. Lex. Gesch.wiss.;
    Dt. Historiker im NS, hg. v. W. Schulze u. G. Oexle, ³2000;
    Der Konstanzer Arb.kreis f. ma. Gesch. 1951–2001, bearb. v. J. Schwarz, 2001 (P);
    Hdb. d. völk. Wissenschaften, hg. v. I. Haar, M. Fahlbusch u. a., 2008;
    Qu:
    Personalakten;
    Akten d. IGL im Univ.archiv Bonn.

  • Autor/in

    Marlene Nikolay-Panter
  • Zitierweise

    Nikolay-Panter, Marlene, "Steinbach, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 162-164 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118753118.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA