Lebensdaten
1866 bis 1942
Geburtsort
Ratibor (Oberschlesien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117634875 | OGND | VIAF: 52472277
Namensvarianten
  • Traube, Wilhelm

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Zitierweise

Traube, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117634875.html [08.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Moritz (s. 2; W, L); M Berta Moll;
    Ov Ludwig (s. 1);
    B Hermann (1860–1913), Mineral. (s. Gen. 2; W); – ledig;
    Vt Ludwig (s. 3); Verwandter Arthur (s. 5).

  • Leben

    Nach dem Abitur am Maria-MagdalenenGymnasium in Breslau studierte T. 1884 zunächst Jura, bald aber Naturwissenschaften, insbesondere Chemie, in Heidelberg und Breslau, 1885 an der Univ. München, 1886–88 an der Univ. Berlin, wo er dann zeitlebens tätig war. Seine akademischen Lehrer in Berlin waren u. a. August Wilhelm v. Hofmann (1818–92), Adolf v. Baeyer (1835–1917) und Karl Friedrich Rammelsberg (1813–99). 1888 wurde T. bei Hofmann mit einer Arbeit „Über die Additionsprodukte der Cyansäure“ zum Dr. phil. promoviert; die Habilitation erfolgte 1896 am Chem. Institut bei Emil Fischer (1852–1919).

    Seit 1897 war T. Assistent und Privatdozent bei Oskar Liebreich (1839–1908) am Pharmakologischen Institut, seit 1902 Oberassistent am Pharmazeutischen Institut und Titularprofessor. 1911 wurde er ao. Professor ohne Besoldung und auf Vorschlag von Fischer Vorsteher der 2. anorganischen Abteilung des Chemischen Instituts, nominell für analytische Chemie, vorwiegend aber auf anorganisch-präparativem Gebiet tätig. Den Ruf an die Univ. Kiel lehnte T. ab. 1929 wurde er o. Professor und bis 1933 Leiter der anorganischen Abteilung am 1. Chemischen Institut; im März 1934 wurde er als nunmehriger emeritierter o. Professor von den amtlichen Verpflichtungen entbunden; Ende 1935 wurde ihm aufgrund des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ die Lehrbefugnis entzogen. Seine Suizidabsicht wegen der drohenden Deportation gab er auf, da seine Freunde Otto Hahn (1879–1968) und Walter Julius Viktor Schoeller (1880–1965) Hilfe versprachen; er wurde dennoch am frühen Morgen des 11. 9. 1942 verhaftet und verstarb Wochen später im Gefängnis an den Folgen der Mißhandlungen.

    T. wurde aufgrund der nach ihm benannten Traubeschen Synthese (1900) von Harnsäure und anderen Purinen wie Coffein, Theobromin, Theophyllin und Adenin international v. a. als Organiker bekannt. Die technische Überführung des Verfahrens erfolgte in den Farbenfabriken Bayer in Elberfeld; auch für das als Schlafmittel Veronal bekannte Barbital wurde dort dank T.s Befunden ein eigenes Produktionsverfahren entwickelt. T. trat auch mit einer Fülle bedeutender anorganischer und analytischer Arbeiten hervor. Die zum 60. Geburtstag publizierte Liste seiner damals schon über 90 Veröffentlichungen weist die Verknüpfung bzw. Parallelbearbeitung ganz unterschiedlicher Problemstellungen aus. Frühe anorganische Arbeiten führten 1892/93, parallel zur Synthese von Sulfaminsäuren, zur erstmaligen Reindarstellung des Amids und Imids der Schwefelsäure. 1918 beschrieb T. weitere, Chlor bzw. Brom enthaltende Schwefelsäure-Derivate. 1919 gelang ihm die Darstellung von Fluorsulfonsäure, Sulfurylfluorid und von fluororganischen Verbindungen. Hervorzuheben sind auch elektrochemische Synthesen, wie die Oxidation von Ammoniak zu Nitrit und Nitrat (1904/06), die elektrolytische Reduktion von Chrom(III)- zu Chrom(II)-Lösungen (1916) und die Präparation luftbeständiger Chrom(II)Salze (1913/16). Eingehend analysierte T. die Umsetzung von Ozon mit Alkalimetallhydroxiden (1912/16) und den Zerfall der gebildeten sauerstoffreichen, intensiv gefärbten Additionsverbindungen. Ein Schwerpunkt von T.s komplexchemischen Untersuchungen seit 1921 betraf die Lösungschemie von|Kupfer(II)-oxid, Ammoniak und Cellulose im stark alkalischen Milieu. Die Bildung gemischter Metallkomplexe mit Zuckern (1932–36) ergab schwerlösliche bariumhaltige Niederschläge; eine solche Einschlußverbindung mit Mannit nutzte Otto Hahn 1938 zur Identifizierung von Barium in Kernspaltprodukten des Urans.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. d. Leopoldina (1926); Vorstandsmitgl. d. Dt. Chem. Ges.

  • Werke

    Weitere W Der synthet. Aufbau d. Harnsäure, d. Xanthins, Theobromins, Theophyllin u. Caffeins aus d. Cyanessigsäure, in: Berr. d. Dt. chem. Ges. 33, 1900, S. 3035–56;
    Über d. Autoxydation d. komplexen Ferriverbindungen mehrwertiger Alkohole, ebd., 65, 1932, S. 190–95 (mit F. Kuhbier);
    Über neue Metall-Komplexsalze aliphat. Polyoxy-Verbindungen, ebd. 69, 1936, S. 2655–63 (mit dems.); Moritz Traube, Ges. Abhh., 1899 (Hg. mit Hermann Traube); – W. Lange, Verz. d. Publl. v. W. T. bis 1925, in: Zs. f. angew. Chemie 39, 1926, S. 65–67.

  • Literatur

    L H. Pringsheim, in: Zs. f. angew. Chemie 39, 1926, S. 61;
    H. Leuchs, Organ. Arbb. v. W. T., ebd., S. 61–63;
    F. Hahn, Anorgan. Arbb. v. W. T., ebd., S. 63–65;
    H. Franke, Moritz Traube (1826–94), Leben u. Wirken d. universellen Privatgel. u. Wegbereiters d. physiol. Chemie, Diss. HU Berlin 1994 (P);
    ders., Moritz Traube (1826–94), Vom Weinkaufm. z. Ak. mitgl., 1998 (P);
    R. L. Sime, Otto Hahn u. d. MPG, 2004;
    J. Lemmerich, Otto Hahn, Festvortr. z. 125. Geb.tag, 2 2011, S. 18;
    E. Rylan Koios (Hg.), W. T., 2012; – Qu Archiv d. HU Berlin, Personalakte.

  • Portraits

    P Radierung, anon. 1926, Abb. in: Franke, Moritz Traube, 1994 u. 1998 (s. L)

  • Autor/in

    Dietmar Linke
  • Empfohlene Zitierweise

    Linke, Dietmar, "Traube, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 368-369 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117634875.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA