Lebensdaten
1836 – 1921
Geburtsort
Hehlen (Kreis Holzminden)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Mediziner ; Anatom ; Arzt ; Hochschullehrer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119034522 | OGND | VIAF: 52490501
Namensvarianten
  • Waldeyer-Hartz, Heinrich Wilhelm von
  • Waldeyer, Heinrich Wilhelm Gottfried (bis 1916)
  • Waldeyer, Wilhelm von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Waldeyer-Hartz, Wilhelm von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034522.html [22.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus westfäl. Fam., deren Stammreihe mit Johann ( v. 1656), Grundbes. in Dringenberg b. Willebadessen (Kr. Höxter) beginnt;
    V Gottfried W. (1796–1878), Gutsverw. u. –pächter in H., später in Corvey u. Abbenburg (Westfalen), S d. Philipp Heinrich (1768–1833), aus Lichtenau b. Paderborn, Gde.förster, Bauerngutsbes. zu Hembsen b. Brakel, u. d. Maria Magdalena Flör(c)ken (1772–1842, 1] Franz Ignatz Dauber, 1730–94);
    M Wilhelmine (1812–78), T d. Wilhelm Gabriel v. Hartz (1775–1853), Kantor u. Volksschullehrer in H., u. d. Caroline Cassel (1773–1854, ev.);
    Königsberg (Pr.) 1866 Emilie (1842–1910), T d. Wilhelm Dillenburger (1810–82), aus Essen, klass. Philol., Provinzialschulrat f. d. kath. höheren Lehranstalten Ost- u. Westpreußens in Königsberg (Pr.), seit 1866 in Breslau, GR (s. ADB 47), u. d. Wilhelmine Wichterich (1817–87);
    2 S Gerhard (1869–n. 1939, preuß. Adel 1916, Helene v. Wild, 1871–1925, aus Kassel), preuß. Oberst, Hugo (1876–1942, preuß. Adel 1916, Frieda, * 1885, T d. Kurt Laube, * 1855, Oberstlt., Dir. d. Mil.-Eisenbahn, s. Wi. 1909), Kpt. z. See, Leiter d. Hauptbücherei d. Reichswehrmin., 1933 Doz. f. Wehrwiss. an d. TH Hannover, 1934 auch an d. Tierärztl. Hochschule ebd., 1939 Hon.prof., Marineschriftst. (s. Wi. 1935; Hann. Professoren), 2 T Hedwig ( 1871–1947, Julius v. Bonin, 1867–1918 ⚔, aus Danzig, Oberstlt.), Ilse (1873–1961, Otto Tilmann, 1862–1934, Dr. med., Mil.arzt, 1897 Prof. f. Chirurgie in Greifswald, 1919 o. Prof. f. Chirurgie in Köln, Rektor, Geh. Med.rat, s. Pagel; Fischer; Kreuter, Neurologen);
    Gr-N Anton W. (1901–70), Dr. med., Prof. f. Anatomie in Freiburg (Br.), Shanghai, Berlin u. Münster, Vf. d. Lehrb. „Anatomie des Menschen“, 1942, ¹⁹2012, o. Mitgl. d. Dt. Ak. d. Wiss. zu Berlin, VVO (s. H. Schierhorn, in: Anatom. Anz. 129, 1971, S. 457–70).

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Volksschulen in Hehlen und Bökendorf 1841–51 und anschließendem Privatunterricht bei kath. Geistlichen besuchte W. bis 1856 das Gymnasium Theodorianum in Paderborn. 1856–57 studierte er Mathematik, Naturwissenschaften, u. a. bei Friedrich Wöhler (1800–82) und Philosophie an der Univ. Göttingen, danach Medizin an den Universitäten Greifswald und|Göttingen bei Jakob Henle (1809–85) sowie Berlin, wo er 1861 von Karl Bogislaus Reichert (1811–83) mit der Arbeit „De claviculae articulis et functione“ zum Dr. med. promoviert wurde. Nach der Approbation 1862 war W. Assistent am physiologischen Institut der Univ. Königsberg, 1864–65 am physiologischen Institut der Univ. Breslau. 1864 für Anatomie und Physiologie in Breslau habilitiert, wurde er 1865 zum ao. Professor für pathologische Anatomie und zum 1. Direktor des (geplanten) pathologisch-anatomischen Instituts der Univ. Breslau ernannt (1867 o. Prof., 1872 Dekan d. med. Fak.). 1867 besuchte er Rudolf Virchows Institut in Berlin. W. folgte 1872 einem Ruf auf das Ordinariat für (normale) Anatomie an der neugegründeten Univ. Straßburg und 1883 auf den Lehrstuhl für Anatomie an der Univ. Berlin (Rektor 1898, em. 1917). 1888 untersuchte er in San Remo den Auswurf des erkrankten preuß. Kronprinzen Friedrich und stellte die Diagnose „Plattenepithelkrebs“.

    Der didaktisch begabte W. war ein vielseitiger Anatom; er arbeitete zur mikroskopischen Anatomie der Nervenfasern, Gehörorgane und Ovarien sowie zur Entwicklungsgeschichte der Zähne und Keimblätter. Als einer der ersten erkannte er 1867 die epitheliale Herkunft der Karzinome. Auf W. geht die funktionale und embryologische Erstbeschreibung des Rachenrings zurück, weshalb er auch „Waldeyerscher Rachenring“ genannt wird. 1888 / 91 beschrieb W. erstmals das Nervensystem aus mit langen Fortsätzen versehenen Zellen, die er „Neuronen“ nannte. Ebenso prägte er 1888 den Begriff „Chromosoma“. Die während der Embryonalentwicklung der Mundhöhle auftretende ektodermale, den Zahnschmelz produzierende Epithelleiste wurde später „Waldeyersche Schmelzleiste“ genannt. W. machte auch erstmals in seinem Werk „Eierstock und Ei“ (1870) auf die Bedeutung des gefäßreichen, mesenchymalen Bindegewebes im Ovar aufmerksam (Mark, Medulla ovarii, Zona vasculosa W.). Zu W.s Schülern gehören Paul Ehrlich (1854–1915), Carl Weigert (1845--1904), Ludwig Edinger (1855--1918), Jacob Gottstein (1832--95), Werner Körte (1853--1937), Georg v. Rein (1854–1942) und Joschikijo Koganei, später Professor für normale Anatomie in Tokio.

  • Auszeichnungen

    |Sekr. d. med. Sektion d. schles. Ges. f. vaterländ. Cultur (1870–72) u. d. physikal.-math. Kl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. z. Berlin (1896–1919, Mitgl. seit 1884);
    Mitgl. d. Leopoldina (1879) u. d. preuß. Herrenhauses (1911–18);
    korr. Mitgl. d. Ac. des sciences in Paris (1904–15);
    preuß. Geh. Obermed.rat (vor 1909).

  • Werke

    |De dentium evolutione, 1864 (Habil.schr.);
    Die Entwicklung d. Carcinome, in: Virchows Archiv f. pathol. Anatomie u. Physiol. 41, 1867, S. 470–523 u. 55, 1872, S. 67–159;
    Ueber d. lymphat. Apparat d. Pharynx, in: Dt. med. Wschr. 10, 1884, S. 313–15;
    Ueber einige neuere Forsch. im Gebiete d. Anatomie d. Centralnervensystems, ebd. 17, 1891, S. 1213–18 u. S. 1352–56;
    Btrr. z. normalen u. vergleichenden Anatomie d. Pharynx mit bes. Beziehung auf d. Schlingweg, in: SB d. kgl. Preuß. Ak. d. Wiss. z. Berlin, 1886, S. 233–50;
    Lebenserinnerungen, 1920, ²1921 (P);
    Hg.: Archiv f. mikroskop. Anatomie (1875–1921).

  • Literatur

    |Gotha. Geneal. Tb. d. Briefadeligen Häuser 13, 1919, S. 793 f., ebd. 31, 1939, S. 632 f.;
    Westfäl. Lb. VI, 1957, S. 166–75 (P);
    Complete DSB;
    Lex. Naturwiss.;
    Kreuter, Neurologen;
    Ärztelex.

  • Porträts

    |Photogr. (Mus. f. Naturkde., Berlin), Abb. in: Westfäl. Lb. VI, n. S. 168;
    Photogr. (Porträtslg. d. Univ. bibl. d. HU), Abb. in: Lebenserinnerungen (s. L);
    Marmorbüste v. F. Schaper, 1911 (Berlin, HU), Abb. in: Gelehrtenbildnisse HU Berlin, S. 131;
    Totenmaske (Berlin, Centrum f. Anatomie d. Charité).

  • Autor/in

    Michael Sachs
  • Zitierweise

    Sachs, Michael, "Waldeyer-Hartz, Wilhelm von" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 303-304 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119034522.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA