Lebensdaten
1872 bis 1945
Geburtsort
Drnowitz (Drnovice, Mähren)
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
jüdisch,katholisch
Normdaten
GND: 11874562X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Aaba, Aaba (Pseudonym)
  • Rosenfeld, Alexander (eigentlich)
  • Rosenfeld, Sándor
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Roda Roda, Alexander, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11874562X.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold Rosenfeld (1829–1901), Soldat, Gendarm u. Landwirt, später Gutsverw. in Grad-Puszta b. Zdenci (Slawonien) beim späteren Ben v. Kroatien, Ladislaus Gf. Pejačević, S d. Alexander, Landwirt in Buchlov (Mähren), u. d. Johanna Reich;
    M Rosalie (1842–1920), T d. Markus Stein (1810–92), Tuchhändler in Wischau (Vyškov, Mähren) u. d. Rebekka Lampl (1812–88);
    B Julius (Gyula) Roda (1867–1943), Apotheker in Naschitz (Našice, Slawonien), Bad Gleichenberg u. Budapest;
    3 Schw Gisela Januszewska (1867–1943 KZ Theresienstadt, 1] Joachim Kuhn, 2) Ladislaus Januszewski, 1916, Arzt. Reg.rat), studierte 1893 Med. in Zürich, 1898 Dr. med. als o. d. ersten Frauen d. österr.-ungar. Monarchie, 1899 Amtsärztin in Banja Luka (Bosnien-Herzegowina), dann Leiterin d. Ambulatoriums f. mohammedan. Frauen, lebte seit 1912 in Graz, 1919-38 prakt. Ärztin ebd. (s. L), Maria (Mi) Liebermann (Ps. M. Roda-Roda, Marius Roda) (1875–1935, 1] Josef Balás-Kisòcz, Apotheker, 2] Emanuel Liebermann, Arzt in Budapest), Schriftst. (s. W, L), Olga v. Rètay (1877–1947);
    München 1907 Elsbeth Anna (1882–1960), T d. Emil Leuckfeld v. Weysen (1834–95), Kronforstmeister in Livland, u. d. Anna Louise Lippinger (1851–1918, 1] Ludwig Friedrich Karl Frhr. v. Zeppelin, 1874–1905, Gutsbes., Agraring.);
    1 S (früh †), 1 T Dana Roda Becher (1909–92, Ulrich Becher, 1910–90, Schriftst., s. L), 1 Stief-S Harro Frhr. v. Zeppelin (* 1901), Ing.;
    E Martin Roda Becher (* 1944), Schweizer Schriftst., Journalist, seit 1955 in Basel, erhielt 2002 R.s Nachlaß, d. nach Beschlagnahmung v. d. Gestapo in d. Österr. Nat.-bibl. gelangt war (s. Kürschner, Lit.-Kal. 1998, S. 57; W).

  • Leben

    Kurz nach R.s Geburt übersiedelte seine Familie nach Slawonien. Nach der Volksschule in Esseg (Osijek) besuchte R. seit 1882 das Gymnasium in Kremsier (Kromeříž, Mähren) und seit 1889 in Ungar.-Hradisch (Uherské Hradiště, Mähren). Nach der Reifeprüfung 1890 begann er ein Jura-Studium an der Univ. Wien, das er nach dem Einjährig-Freiwilligen 1892 und der Entscheidung für die Offizierslaufbahn abbrach. Aus Karrieregründen konvertierte R. 1894 vom jüd. zum kath. Glauben. Als er 1900 seine Reitlehrerstellung bei der Offiziersequitation in Schloßhof unfallbedingt aufgeben mußte, übersiedelte er nach Esseg.

    Schriftstellerisch arbeitete R. zunächst mit seiner Schwester Maria zusammen (Der wilde Milan, Eine Gesch. aus Slavonien, 1900, Neufassung u. d. T. „Milan reitet durch d. Nacht“, 1910, erw. Ausg. 1925). 1900 veröffentlichte er erstmals Humoresken im Münchener „Simplicissimus“, zu dessen beitragsstärksten Autoren er bald avancierte. Seine Affäre mit der Schauspielerin Adele Sandrock (1863–1937) 1901 verarbeitete R. in dem Drama „Dana Petrowitsch“ (UA 1902). Kurz nach der Ernennung zum Oberleutnant ließ er sich 1901 in die Reserve versetzen und arbeitete in Wien als freier Schriftsteller und Journalist. R.s Beiträge erschienen u. a. in „Danzer's Armee-Zeitung“, deren Literaturwettbewerb er 1903 mit der Humoreske „Der Diplomat“ gewann, ferner in der „Jugend“ und in der 1905 gegründeten „Muskete“. Bald erschienen die ersten Sammlungen seiner Geschichten. 1904 übersiedelte R. nach Berlin, wo er sich einen Namen als Vortragender meist eigener Texte in Kabaretts machte (u. a. 1904 neben Erich Mühsam im „Poetenbänkel zum Siebenten Himmel“). Seine „freie Ehe“ mit Elsbeth Freifrau v. Zeppelin 1905 trug neben seinen Anekdoten über das k. u. k. Militär und seinen öffentlichen Auftritten 1907 zur Entlassung aus der Armee unter Aberkennung der Charge bei. 1906 übersiedelte R. nach München. Seine Vortragstätigkeit setzte er 1907 – mit roter Weste und Monokel als Markenzeichen – in Wien fort (Cabaret Nachtlicht; Die Fledermaus). Mit seinen Militär-Humoresken und seinen Erzählungen, die einem exotischen Interesse an südosteurop. Stoffen entgegenkamen (Adelige Geschichten, 1906; erw. u. d. T. Ksl. Kämmerer, 1912), war R. einer der meistgelesenen Autoren vor dem 1. Weltkrieg. Seine häufige Wiederverwertung eigener Texte brachte ihm Kritik v. a. durch Karl Kraus ein.

    Einen Höhepunkt in R.s Karriere markierte Ende 1909 die skandalträchtige Uraufführung der gemeinsam mit Carl Rößler (1864–1948) verfaßten Komödie „Der Feldherrnhügel“ an der „Neuen Wiener Bühne“. In dieser|„Schnurre“, die auf „Der Diplomat“ basiert, werden Standesdünkel, blinder Gehorsam und Schlamperei im k. u. k. Heer karikiert, jedoch ohne Blick auf die tieferen Ursachen des Militarismus in der Gesellschaft. Das sofortige Verbot in Österreich-Ungarn steigerte die Publizität des Stücks, das später mehrfach verfilmt wurde (beim Stummfilm 1926 u. beim ersten Tonfilm 1932 wirkte R. als Darsteller mit). In kurzer Folge produzierte R. 1911-14 fünf Komödien in Zusammenarbeit mit Gustav Meyrink (Der Albino; Bubi; Der Sanitätsrat; Die Sklavin v. Rhodus; Die Uhr), Gemeinschaftswerke entstanden auch mit Theodor Etzel (d. i. Theodor Schulze) und Felix Dörmann (Majestät Mimi, 1911). Im 1. Weltkrieg fungierte R. bis 1917 als Kriegsberichterstatter v. a. für die Wiener „Neue Freie Presse“, für die er schon während des Balkankriegs 1912 gearbeitet hatte (Russenjagd, 1917; Serb. Tageb., 1918).

    1917 reiste R. nach Bulgarien und stellte eine Anthologie dortiger Schriftsteller zusammen (Das Rosenland, 1918, Neuausg. 1996). Auch später betätigte er sich häufig als Vermittler südosteurop. Literatur und machte zahlreiche Autoren bekannt (Das letzte Kapitel, Dem Kroat. d. Sergjan Tucich nacherzählt, 1919), wobei er allerdings bei seinen Übersetzungen oft eigenmächtig verfuhr. Seit 1919 wohnte R. wieder in München. 1923 führte ihn eine Vortragsreise in die USA (Ein Frühling in Amerika, 1924). „Roda Rodas Roman“ (1924, Neuausg. 1975), einer seiner größten Bucherfolge, ist weniger als autobiographische Quelle zu lesen, vielmehr als literarische Konstruktion eines geglückten Lebenslaufs in der untergegangenen k. u. k. Monarchie, an deren rückblickend-verklärender Mythisierung R.s Texte Anteil hatten. 1926-28 lebte R. in Paris, anschließend in Berlin, wo er u. a. mit Erich Kästner, Egon Erwin Kisch, Heinrich Mann und Kurt Tucholsky verkehrte. 1930-32 war er an sechs Tonfilmproduktionen als Autor bzw. Darsteller beteiligt; so schrieb er 1931 mit Fritz Grünbaum das Drehbuch für „Liebeskommando“ und spielte neben Gustaf Gründgens und Willi Forst in „Der Raub der Mona Lisa“.

    Wegen einer Anti-Hitler-Satire mußte R. 1933 Berlin verlassen und übersiedelte nach Graz. Im selben fahr wurde in Wien unter dem Pseudonym „Nikolaus Suchy“ seine Radetzky-Komödie „Die Majorische“ uraufgeführt. 1937/38 hielt sich R. in der Tschechoslowakei, in Ungarn und Belgien auf. Unmittelbar vor dem „Anschluß“ Österreichs 1938 flüchtete R. nach Zürich, 1939 lebte er in Genf. Er veröffentlichte in Exilzeitschriften und war neben Alfred Polgar, Joseph Roth und Franz Werfel Mitunterzeichner der Proklamation der „Liga für das geistige Österreich“ in Paris. Nachdem er in der Schweiz keine Arbeitsbewilligung erhalten und sich erfolglos um die bulgar. Staatsbürgerschaft und das schwed. Exil bemüht hatte, flüchtete er im Nov. 1940 über Spanien und Portugal nach New York. In den USA publizierte R. v. a. in der Exilzeitschrift „Aufbau“, Kontakte bestanden u. a. zu Albert Ehrenstein, Oskar Maria Graf, Franz Molnár, Soma Morgenstern und Carl Zuckmayer. Zuletzt arbeitete R. am bisher unveröffentlichten philosophisch-pessimistischen Roman „Ein Mann von mittlerer Intelligenz“ (Ms. Wiener Stadt- u. Landesbibl.).

  • Werke

    Weitere W Die Sommerkönigin u. andere Novellen, 1904 (Neuaufl. u. d. T. „Von Bienen, Drohnen u. Baronen“, 1908);
    Soldatengeschichten, 2 Bde., 1904;
    Eines Esels Kinnbacke, 1906 (erw. Neuaufl. u. d. T. „Schwefel über Gomorrha“, 1909);
    Der Pascha lacht, Morgenländ. Schwänke, 1909 (Neufassung 1922);
    Schummler, Bummler, Rossetummler, 1909 (Neufassung 1924, Neuausg. 1966);
    Junker Marius, 1911 (Neuausg.: „Die Streiche d. Junkers Marius, Ein Buch f. Backfische“, 1921 u. 1975);
    500 Schwänke, 1912 (Neuausg. 1989);
    Ausgew. Werke, 1920;
    Die Kummerziege u. andere Geschichten, 1920 (mit Maria R. R.);
    Slav. Seelen, Neuen Dichtern nacherzählt, 1924 (Neuaufl. u. d. T. Die vier Frl. v. Woloff, 1925);
    Der Ehegarten u. andere Geschichten, 1925 (mit Maria R. R.);
    Der Knabe mit d. dreizehn Vätern, Ein humorist. Roman nach B. G. Nušić, 1927 (Neuausg. 1976);
    Ausgew. Werke. 3 Bde., 1932-34;
    Die Panduron, Roman e. Landschaft, 1934, Neuausg. 1990;
    Das gr. R.-R.-Buch, hg. v. Elsbeth R. R., 1949 (Neuausg. 1988);
    Der Ritt auf d. Doppeladler, hg. v. R. Deutsch, 1993;
    Rote Weste u. Monokel, Das neue R.-R.-Buch, hg. v. H. Traxler, 1999;
    Geschichten aus Slavonien, hg. v. V. Obad. 1999. – Hg.: Welthumor, 5 Bde., 1910/11 (mit T. Etzel;
    erw. u. d. T.: „Welthumor in sechs Bdn.“, 1925);
    Die lustigen Bücher, 3 Bde., 1912 (mit T. Etzel);
    Bibliogr.:
    Wilpert-Gühring2;
    Spalek IV/3;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Österr. Nat.bibl., Wien (seit 1942; 2002 erhielt E Martin Roda Becher e. Konvolut v. 313 Mss. u. 493 Briefen zurück); Wiener Stadt- u. Landesbibl., Wien; Thomas Sessler Verlag, Wien (s. Hall-Renner2).

  • Literatur

    U. Becher, Im Gedenken an e. lächelnden Zentaur, in: Neues Österr. v. 14.4.1962;
    ders., In d. Alpenkatakombe [1945/1972], in: ders., SIFF, Selektive Identifizierung v. Freund u. Feind, 1978, S. 36-44 (Neuausg. u. d. T.: Im Liliputanercafé, 1985);
    I. Stiaßny-Baumgartner, R. R.s Tätigkeit im Kriegspressequartier, Diss. Wien 1982;
    R. Hackermüller, Einen Handkuß der Gnädigsten, R. R.- Bildbiogr., 1986 (P);
    G. Strejcek, Apokalypse d. Donaumonarchie, Zum 50. Todestag R. R.s. in: Wiener Ztg. v. 18.8.1995, Beil.;
    V. Obad, R. R. u. d. dt.sprachige Lit. aus Slawonien, 1996;
    ders. (Hg.), R. R., 1996;
    U. Prutsch, Die „Alpenkatakombe“, Die Exilstation Schweiz aus d. Sicht v. Dana Roda Becher, Ulrich Becher u. A. R., in: Ziehharmonika 14, 1997, Nr. 1,|S. 38-42;
    O. Pausch, Elende Bestie Roda!, Die Affäre mit Adele Sandrock v. Dez. 1900 bis Dez. 1901, in: Maske u. Kothurn 42, 2000, H. 2-4, S. 249-57;
    ders., Rebellakatzenthier u. Artilleriehund, Die Affäre Adele Sandrocks mit A. R., 2001;
    B. Horn, Prosa im, Simplicissimus', 2000, S. 220-35 u. passim;
    M. Roda Becher, Dauergäste, Meine Fam.gesch., 2000;
    Kosch, Lit.-Lex3;
    Kosch, Theater-Lex.;
    Killy;
    Hdb. d. dt.sprach. Exiltheaters;
    ÖBL;
    Metzler Kabarett Lex.;
    Metzler Lex. d. dt.-jüd. Lit. (P);
    BHdE II;
    Lex. d. österr. Exillit.;
    Spalek II, S. 1178-80;
    Hist. Lex. Wien;
    zu Gisela Januszewska:
    R. Aigner, Die Grazer Ärztinnen aus d. Zeit d. Monarchie, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Steiermark 70, 1979, S. 59-62;
    zu Maria Liebermann (Ps. Maria
    R.-R.): Kosch, Lit.-Lex.3;
    Kosch, Theater-Lex.;
    zu Ulrich Becher:
    Kürschner, Lit.-Kal. Nekr. 1971-1998;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Wilpert-Gühring2;
    Killy;
    Kunisch-Wiesner;
    Lex. Osten. Exillit.;
    Spalek II;
    Gorzny.

  • Autor/in

    Max Kaiser
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaiser, Max, "Roda Roda, Alexander" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 687-689 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11874562X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA