Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsfamilie
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139012192 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rhedern, von
  • Rödern, von
  • Redern, von
  • mehr

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Zitierweise

Redern, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139012192.html [10.07.2020].

CC0

  • Leben

    Erste Nachrichten über die R., die ursprünglich in Anhalt, der Altmark und der Mittelmark auftraten, weisen auf das 12. Jh. hin. Im 16. Jh. war Friedrich Frhr. ( 1564, s. ADB 27) erster Präsident der schles. Kammer in Breslau und Minister unter Ferdinand I., sein Sohn Melchior (v. Rödern) (1555-1600, ev., s. ADB 29; Schles. Lb. IV, 1931, S. 74-79) war Heerführer in den Türkenkriegen Ks. Ferdinands und starb als Generalfeldmarschall in Deutsch-Brod. Die Mittelmärker Linie teilte sich Ende des 17. Jh. in die Häuser Schwante und Wansdorf. Ansässig im brandenburg.-preuß. Raum waren sie den Hohenzollern verbunden und erreichten wichtige Positionen im Militär und am Hofe. 1757 wurde Sig(is)mund Ehrenreich (1719–89, s. Pogg. II; ADB 27) aus dem Haus Schwante als erster dieser Linie in den preuß. Grafenstand erhoben, nachdem er bereits seit 1743 Kammerherr und seit 1751 Hofmarschall bei der Mutter Kg. Friedrichs II. gewesen war. Er erhielt das Amt eines Kurators der Akademie der Wissenschaften zu Berlin und profilierte sich als Verfasser von Abhandlungen zur Optik. Seine beiden Söhne, Wilhelm Jacob Moritz (1750–1816), Hofmarschall des Prinzen Heinrich am Rheinsberger Hof, und Sigmund Ehrenreich (1763–1841, s. ADB 27; Kosch, Biogr. Staatshdb.), 1786-89 kfl. sächs. Minister am span. Hof zu Madrid, 1790-92 preuß. Gesandter in London, waren ebenfalls im preuß. Hof- und Staatsdienst tätig. Nach Abberufung aus dem Staatsdienst 1792 zog Sigmund Ehrenreich sich zunächst auf seine Güter in der Lausitz und 1815 nach Frankreich zurück. Während seiner Auslandsaufenthalte erwarb er eine Sammlung von Ölgemälden und befaßte sich mit Abhandlungen zu sozialen, politischen und naturwissenschaftlichen Themen. Friedrich Wilhelm (1802–83, s. Qu, L, P), Sohn des Wilhelm Jacob Moritz und seiner zweiten Ehefrau Wilhelmine v. Otterstedt, wirkte maßgeblich an der kulturellen Selbstdarstellung des preuß. Hofes mit. Er bekleidete als Wirkl. Geh. Rat wichtige Hofämter unter drei preuß. Königen und war zuletzt Oberst-Kämmerer, Kanzler des Schwarzen Adlerordens (Nachfolger v. Wrangels), General der Kavallerie und erbliches Mitglied des Herrenhauses. Als Generalintendant der kgl. Bühnen (seit 1828 interimistisch, 1830-42 definitiv) und als Generalintendant der kgl. Hofmusik (1842–83) bestimmte er das höfische Konzertleben sowie die Kirchen- und Militärmusik. Er förderte Giacomo Meyerbeer, Felix Mendelssohn Bartholdy u. a. zeitgenössische Komponisten; P. J. Lénne übertrug er die Gestaltung seines Gartens auf Gut Görlsdorf. 1834 heiratete er Bertha Jenisch (1811–75), eine Tochter des wohlhabenden Hamburger Senators Martin Johann Jenisch d. Ä. (1760–1827, s. NDB X). Nach dem Tod der Tochter 1856 widmete sich Wilhelm seinen Kompositionsstudien. Hauptwerk ist die Oper „Christine, Königin von Schweden“ (UA Berlin 1860). Einer der reichsten Großgrundbesitzer Preußens, erwarb er die Gemäldegalerie seines Onkels Sigmund Ehrenreich und bewohnte ein großes, nach Entwürfen Schinkels 1828/29 umgestaltetes Palais am Pariser Platz. Der Bruder Heinrich Alexander (1804–88), Erbe Wilhelms, war Gesandter in Darmstadt, seit 1846 in Turin, 1856/57 in Dresden und bis 1867 (als Nachfolger Bismarcks) in St. Petersburg, zuletzt Wirkl. Geh. Rat und Obergewandkämmerer am preuß. Hof. Die diplomatische Laufbahn seines Sohnes Wilhelm (1842–1909, s. L) begann 1875 als Gesandter in London; 1879 wurde er Legations-Sekretär in Madrid und 1883 in St.Sankt Petersburg. Als Legationsrat schied er 1883 aus dem diplomatischen Dienst aus; 1888 erhielt er das Amt eines ksl. Gesandten und Ministers. Spielschulden und ein aufwendiger Lebensstil reduzierten das Familienvermögen beträchtlich; u. a. mußte 1905 das Berliner Palais verkauft werden und wurde 1906 abgebrochen. Der einzige Sohn Wilhelm Heinrich (1888–1914), letzter aus dem Haus Schwante, fiel in der Schlacht bei Ypern.

    Aus der Wansdorfer Linie stammt Hermann (1819–86, s. Priesdorff VIII, S. 113-15, Nr. 2507), der 1871 als Generalleutnant verabschiedet wurde. Im Wansdorfer bzw. Potsdamer Ruhestand (seit 1874) verfaßte er genealogische Abhandlungen, u. a. eine ausführliche Familiengeschichte der R., welche sein Sohn Carl Wilhelm (1867–1940, s. Nassau. Biogr.), Verwaltungsjurist, zuletzt Regierungsvizepräsident in Wiesbaden und Gumbinnen (bis 1928), bearbeitete und 1936 in 2 Bänden herausgab. Als Verfasserin christl. Erbauungsschriften trat seine Schwester Hedwig (1866–1935, s. L) hervor. Mit ihrer Mutter zog sie 1887 nach Berlin, machte Bekanntschaft mit Vertretern der Erweckungsbewegung (Pückler, Bernstorff, v. Rothkirch, Knobelsdorff u. a.), verfaßte nach dem Tod der Mutter (1919) zahlreiche christl. Lieder, Gedichte, Zeitungsartikel und Biographien und begründete durch praktische Sozialarbeit ihr Konzept einer subjektiven „Erfahrungstheologie“. 1899 gehörte sie zu den Gründerinnen des „Dt. Frauenmissionsgebetbundes“. Eine Fortsetzung der Familiengeschichte über den 2. Weltkrieg hinaus schrieb 1998/2000 Alexander Gf. zu Lynar-R. (* 1928).

  • Werke

    zu Wilhelm (1802–83): Unter drei Königen, Lebenserinnerungen, hg. v. S. Giesbrecht, 2003 (P) (Selbstbiogr. d. Gf. F. W. v. R., Ms. im Geh. StA Preuß. Kulturbes., Berlin, Rep. 192);
    – Musikalien: Staatsbibl. Berlin. |

  • Quellen

    Qu: Geh. StA Preuß. Kulturbes., Berlin; Dt. Lit.archiv Marbach; Goethe- u. Schillerarchiv Weimar; Landesarchiv Berlin; Bibl. d. Inst. f. Musikforsch., Berlin; Archiv d. Hochschule d. Künste, Berlin.; StA Hamburg.

  • Literatur

    Hermann v. R., Gesch. d. Geschl. v. R., [hg., bearb. u. erw. v. Carl Wilhelm v. R.), 2 Bde., 1936 (P) (hsl. Fassung 1873 ff. auf d. Basis v. 5 Abt. geneal. Nachrr. aus Kirchenbüchern, im Archiv d. Gesch.-ver. Herold, Berlin);
    GHdA 122, Adelslex. XI, 2000, S. 239 f.;
    Europ. Stammtafeln N. F. 20, hg. v. D. Schwennicke, 2002. – Zu Wilhelm: ADB 27;
    Album d. Kgl. Schausp. u. d. Kgl. Oper zu Berlin unter d. Leitung v. A. W. Iffland, Karl Gf. v. Brühl, W. Gf. v. R. u. Karl Theodor v. Küstner f. d. Zeit v. 1796-1851, 1858, S. 57-86;
    C. Frhr. v. Ledebur, Tonkünstler-Lex. Berlin's, 1861;
    Hundert J. d. kgl. Schausp. in Berlin, Nach d. Qu. geschildert v. R. Genée, 1886, S. 134-48;
    W. Altmann, Spontini a. d. Berliner Oper, in: Sammelbde. d. Internat. Musikges. 4, 1903, Nachdr. 1970, S. 274-89;
    ders., Meyerbeer-Forschungen, ebd., S. 519-34;
    F. Pazdirek, Universal-Hdb. d. Musiklit., 1904–10, Nachdr. 1967, S. 697 (Verz. d. Komp.);
    J. Kapp, Gesch. d. Staatsoper Berlin, 1937;
    H. Fetting, Die Gesch. d. dt. Staatsoper, 1955, S. 110-30 (P);
    G. Meyerbeer, Briefwechsel u. Tagebücher, bes. Bde. 2-3, hg. v. H. u. G. Becker, 1970-75;
    G. Quander (Hg.), Apollini et Musis, 250 J. Opernhaus Unter d. Linden, 1992;
    1843-1993, 150 J. Staats- u. Domchor Berlin, Unbek. u. unveröff. Briefe u. Dok., ausgew. u. eingel. v. W. Dinglinger, 1993;
    S. Giesbrecht, in: Angermünder Heimatkal. 2002, S. 77-82;
    Priesdorff VII, S. 197 f., Nr. 2235. – Zu Heinrich Alexander: G. Kugler, Staatskanzler Metternich u. seine Gäste, Die wiedergefundenen Miniaturen v. M. M. Daffinger, J. Kniehuber u. a. Meistern aus d. Gästealbum d. Fürstin M. Metternich, o. J., S. 380 (P).Zu Wilhelm ( 1909): BJ 14, Tl.;
    M. Mertens, Görlsdorf, Eine hist. Schloßausstattung v. F. Schorbach, in: Brandenburg. Denkmalpflege 7, 1998, H. 2, S. 27-37. – Zu Hedwig: A. Roth, H. v. R. z. Gedächtnis, 1935;
    K. Scherer, H. v. R., ihr Leben u. Leiden, ihr Loben u. ihre Lieder, 1995;
    BBKL VII (W). – Zu Alexander Gf. zu Lynar-R.: Lost to the World, The Remarkable Story of a Buried Wartime Treasure, 1998, dt. Übers. u. d. T. Vergraben im märk. Sand, Die Gesch. e. Fam.schatzes, 2000 (hierzu FAZ v. 14.2., 25.5.1996 u. 1.3.2001).

  • Portraits

    zu Wilhelm (1802–83): O. Schrenk, Berlin u. d. Musik, Zweihundert J. Musikleben e. Stadt 1740-1940, 1940, Abb. 57;
    Zeichnung v. C. Kolb nach e. Phot., Abb. in: Das Buch f. Alle, H. 16, 1882, S. 367.

  • Autor/in

    Sabine Giesbrecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Giesbrecht, Sabine, "Redern, von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 242-243 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139012192.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA