Lebensdaten
1841 bis 1880
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chemiker ; Industrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 137996330 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mendelssohn Bartholdy, Paul

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Mendelssohn Bartholdy, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137996330.html [21.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Felix (s. 5);
    1) Stettin 1867 Else (1844–68), 2) Berlin 1873 Enole (1855–1939), beide T d. Otto Georg Oppenheim (1817–1909), Obertribunalrat, u. d. Margarete Mendelssohn (1823–90; Gvm d. Ehefrauen Alexander (1798–1871, s. Einl. u. Gen. 2);
    1 S aus 1) Otto v. M. B. (preuß. Adel 1907, 1868-1949), Bankier, Mitinh. d. Bankhauses Warschauer & Co. bis 1905, Hauptaktionär u. Mitgl. d. Aufsichtsrats d. AGFA, 2 S, 1 T aus 2), u. a. Paul (1879-|1956), Chemiker, Dir. d. I. G. Farbenindustrie AG bis 1933.

  • Leben

    M. wurde gemeinsam mit seinem älteren Bruder Karl im Hause seines Onkels Paul, Felix' einzigem Bruder, erzogen, getrennt von den Schwestern, die im Hause der Großmutter in Frankfurt am Main lebten. Die Beziehung zum Onkel war recht spannungsreich, wobei M., seinem Wesen entsprechend, soweit wie möglich vermittelnd wirkte. Schon in den Jugendjahren zeigte sich seine wohlwollende, schnell Sympathie und Vertrauen erweckende Persönlichkeit. Seine künstlerische Begabung – er war ein talentierter Zeichner und das musikalischste von Felix' Kindern – ließ eine Laufbahn als Künstler erwarten.

    In Berlin besuchten beide Brüder das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Karl bestand dort 1857 das Abitur und begann in Heidelberg das Jura-Studium. Im selben Jahr verließ auch M. nach Beendigung der Obertertia die Schule und ging nach Leipzig, um dort in dem der Familie verbundenen Export- und Importgeschäft Schunck, Souchay & Co. den Kaufmannsberuf zu erlernen. Schon bald begann ihn der Beruf zu langweilen; er nahm abendlichen Privatunterricht und bestand 1859 das Abitur. Er folgte Karl nach Heidelberg und studierte Naturwissenschaften, vor allem Chemie bei Bunsen und Kirchhoff. Bei Bunsen wurde er 1863 promoviert. Anschließend kehrte er nach Berlin zurück, genügte der Militärpflicht und nahm kurz danach als Garde-Ulan am preuß.-österr. Krieg von 1866 teil. Im deutsch-franz. Krieg 1870/71 diente er in der Landwehr-Kavallerie, wo er hauptsächlich in der Logistik tätig war. Seit 1865 gehörte er zu den noch wenigen wissenschaftlichen Mitarbeitern des kurz vorher an die Berliner Universität berufenen Chemikers August Wilhelm Hofmann, in dessen Laboratorium M. sich in der modernen organischen Chemie weiterbilden wollte, da der Schwerpunkt bei Bunsen auf der anorganischen und Mineralchemie gelegen hatte. Mit anderen Assistenten Hofmanns zählte er zu den Mitbegründern der Deutschen Chemischen Gesellschaft (1867) und veröffentlichte in den ersten Jahrgängen ihrer „Berichte“ seine Forschungsergebnisse.

    Im Laboratorium Hofmanns lernte M. auch Carl Alexander Martius kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband. Beide beschlossen, sich selbständig zu machen, und gründeten 1867 die Gesellschaft für Anilinfabrikation im Berliner Vorort Rummelsburg, die einige Zeit in enger Verbindung mit der chemischen Fabrik Kunheim & Co. stand. Kunheim beschäftigte sich mit einigen Präparaten aus Steinkohlenteer, war aber vor allem ein Großproduzent von Salpeter- und Schwefelsäure. Die Idee von M. und Martius war, aus den Teerdestillationsprodukten Benzol und andere Aromaten rein zu gewinnen, ersteres mittels Salpetersäure in Nitrobenzol zu überführen und dieses zu Anilin zu reduzieren. Damit würde der (kleinen) Farbenindustrie im Berliner Raum Anilin geliefert und darüber hinaus auch in entferntere Gegenden exportiert werden können. Die Beteiligung Kunheims an dem Unternehmen wurde bald gelöst, da die Finanzierung der Gesellschaft für Anilinfabrikation über das Bankhaus Warschauer, dem beide Firmengründer familiär verbunden waren, gesichert werden konnte. Ein halbes Jahrzehnt blieb es bei der Anilinherstellung, der geschäftliche Erfolg hielt sich in Grenzen, doch war die Qualität des Rummelsburger Anilins durchaus auch im Ausland geschätzt.

    Ein entscheidender Schritt war 1872 der Kauf der Jordanschen Farbenfabrik im nahegelegenen Treptow. Damit wurde die Produktion durch die Herstellung von Fuchsin, Anilinblau und Methylviolett erweitert. Die Firma nannte sich nun „Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation“ und führte, daraus abgeleitet, seit 1898 das Warenzeichen „AGFA“. Mit der Produktion eigener Farbstoffe setzte auch der geschäftliche Erfolg ein. 1877 konnte das von Döbner gefundene Verfahren zur Herstellung von Malachitgrün erworben und patentiert und das erste brauchbare Triphenylmethangrün produziert werden. Das Verfahren hatte zwar nur eine kurze Lebensdauer, konnte aber vorteilhaft durch eine Lizenz auf ein eben angemeldetes Patent zur Darstellung von Ponceaus ersetzt werden, wodurch das Unternehmen den Zugang zu dem Gebiet der Azofarbstoffe erhielt. Der weitere Ausbau der Azofarbenherstellung führte erst nach M.s Tod zu der späteren bedeutenden Stellung des Unternehmens.

    M. als Generaldirektor und Martius als Stellvertreter hatten eine – nicht allzu strenge – Arbeitsteilung derart, daß ersterer, bevor sich ein Herzleiden hemmend bemerkbar machte, hauptsächlich den Absatz der Produkte besorgte, die diesbezüglichen Verhandlungen führte und die Firma im In- und Ausland vertrat, während Martius überwiegend für den Betrieb verantwortlich war und dabei schon bald von M.s Schwager Franz Oppenheim unterstützt wurde. Unter M.s Leitung beschränkte sich die Produktion fast ausschließlich auf Anilin und Anilinfarben. Die Ausdehnung auf andere Produktionsgebiete,|wie die Photographie, die die AGORG weltberühmt machte, setzte erst unter Martius und Oppenheim ein.

  • Literatur

    A. W. v. Hofmann, in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 13, 1880, S. 297-301 (P), auch in: ders., Zur Erinnerung an vorangegangene Freunde, 1888, I, S. 365-71 (P);
    Actien-Ges. f. Anilin-Fabrikation zu Berlin, in: P. Hirschfeld, Berlins Großindustrie. hrsg. v. R. Jannasch, 1897, Bd. 1, S. 124-33 (P);
    C. Lowenthal-Hensel, Berlin in d. Satteltasche, Briefe an P. M. B., 1870, in: Mendelssohn-Stud. 1, 1972, S. 107-57 (P);
    F. Haber, Franz Oppenheim z. Gedächtnis am J.tag s. Todes (13.2.1929), Zugleich e. Btr. z. Gesch. d. Aktien-Ges. f. Anilinfabrikation, in: Zs. f. angew. Chemie 43, 1930, S. 141-45.

  • Autor/in

    Michael Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Michael, "Mendelssohn Bartholdy, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 58-60 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137996330.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA