Lebensdaten
1074 bis 1126
Sterbeort
Ravensburg
Beruf/Funktion
Herzog von Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 133802388 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich der Schwarze
  • Heinrich IX. der Schwarze von Bayern
  • Heinrich IX.
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Zitierweise

Heinrich IX., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133802388.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Welfen;
    V Hzg. Welf IV. v. B. ( 1101), S d. Mgf. Azzo II. V. Este ( 1097) u. d. Kunigunde;
    M Judith ( 1094, s. L), T d. Gf. Balduin V.Flandern ( 1035);
    B Hzg. Welf V. v. B. ( 1120);
    - Wulfhild ( 1126), T d. Hzg. Magnus v. Sachsen ( 1106);
    3 S, 4 T Konrad (gestorben 1126 oder 1154/55), sei., Zisterzienser, Eremit (s. LThK), Hzg. Heinrich X. v. B. ( 1139, s. NDB VIII), Welf VI. ( 1191), Hzg. v. Spoleto, Mgf. v. Tuszien, Judith ( 1130/35, Hzg. Friedrich II. v. Schwaben, 1147, s. NDB V), Sophia ( 1145, 1) Berthold III. v. Zähringen, 1122, s. NDB II, 2] Mgf. Leopold I. v. Steyr, 1129), Mathilde ( 1183 1] Mgf. Diepold IV. v. Vohburg, vor 1132, 2] Gf. Gebhard II. v. Sulzbach, 1188), Wulfhild ( Gf. Rudolf v. Bregenz, v. 1152).

  • Leben

    H. „der Schwarze“ (der Beiname erst Ende 13. Jahrhundert belegt, ungewiß, ob wegen seiner Haarfarbe oder wegen der schwarzen Tracht des Laienmönches) war anfangs in Italien mit der Verwaltung des Familienbesitzes der Este beschäftigt. Er wurde vorübergehend in die Kämpfe der Welfen gegen Heinrich IV. verwickelt, hielt aber seit der Aussöhnung 1096 an den salischen Herrschern fest. An dem Italienzug Heinrichs V. 1115 war er beteiligt, der zur Einziehung der mathildischen Erbschaft, die auch einmal von den Welfen beansprucht worden war, zu Gunsten des salischen Hauses führte. Nach dem kinderlosen Tod seines Bruders Welf V. (24.9.1120) wurde er von Kaiser Heinrich V. mit dem Herzogtum Bayern belehnt. 1121 war er auf kaiserlicher Seite an den Verhandlungen von Würzburg und Regensburg beteiligt, die im folgenden Jahr zum Wormser Konkordat führten. Nach dem Tod Heinrichs V. 1125 empfahl sich der staufische Schwiegersohn H.s, Friedrich von Schwaben, als Kandidat für die deutsche Königskrone. Die Wahl fiel jedoch auf den Sachsenherzog Lothar von Supplinburg; H. wurde offenbar durch die Aussicht auf die Vermählung seines Sohnes Heinrich „des Stolzen“ mit Gertrud, der Erbtochter Lothars, dazu bestimmt, die Partei des Staufers zu verlassen. Der Pflicht, gegen ihn zu Felde zu ziehen, scheint er sich jedoch durch seinen Eintritt in das Kloster Weingarten 1126 entzogen zu haben.

  • Literatur

    s. Heinrich X. v. Bayern. - L zu M Judith: H. Decker-Hauff, in: Lb. Schwaben VI, 1957, S. 16-27.

  • Autor/in

    Kurt Reindel
  • Empfohlene Zitierweise

    Reindel, Kurt, "Heinrich IX." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 343 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133802388.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich IX., Herzog von Baiern, Sohn Herzog Welfs I. und der flandrischen Judith, folgte 1120 seinem kinderlosen Bruder Welf II. im Herzogsamte, nachdem er schon vorher in Italien, wo der alte estensische Familienbesitz in seiner Hand lag, zuweilen den von der königlichen Kanzlei freilich nicht anerkannten Herzogstitel geführt hatte. Für die Geschichte seines Hauses hat dieser Welfe vornehmlich Bedeutung durch seine Ehe mit Wulfhilde, Tochter des Herzogs Magnus von Sachsen; denn mit dem hierdurch gewonnenen lüneburgischen Besitz faßte das in Oberschwaben, Baiern und Italien bereits so mächtige Geschlecht zuerst auch in Sachsen festen Fuß. Anderseits verstärkten die ehelichen Verbindungen seiner vielen Töchter mit mächtigen Großen Baierns und Schwabens auch Heinrichs Stellung in Oberdeutschland. Seit langem hatte kein Reichsfürst mehr über eine so gewaltige Macht geboten. Im Anfange seiner Regierung und unter seiner Mitwirkung erfolgte nach dem langwierigen und verderblichen Investiturstreite der heiß ersehnte Friedenschluß zwischen Staat und Kirche. H. und andere Große übernahmen im Auftrage der Fürstenversammlung, die zu Michaelis 1121 in Würzburg tagte, mit Erfolg die Aufgabe, die bairischen Herren für den Beitritt zum dort beschlossenen Reichsfrieden und zu den Grundlagen des Wormser Concordates zu gewinnen. Nach dem Tode des letzten Saliers war er unter den Fürsten, welche die Anordnungen zur neuen Königswahl leiteten. Anfangs trat er eifrig für den Gemahl seiner Tochter Judith ein, den Staufer Friedrich, Herzog von Schwaben, und als die Fürsten, durch dessen stolze Haltung gereizt, sich gegen Friedrichs Wahl erklärten, verließ er mit seinem Eidam die Versammlung. Dann aber ließ er sich durch den Erzbischof Adalbert von Mainz und den Metropoliten seines eigenen Landes, Konrad von Salzburg, für den Auserwählten der Kirche und der Mehrheit, den Sachsenherzog Lothar, gewinnen. Als glänzender Kaufpreis ward ihm die Verbindung seines zweiten Sohnes Heinrich mit Lothars einziger Tochter Gertrud, Sachsens reichster Erbin, zugesagt. Als aber dann sein Eidam ausgedehnte Besitzungen der Salier, welche die Fürsten als Reichsgut betrachteten, als Erbe Kaiser Heinrichs V. für sich beanspruchte, als derselbe in die Acht erklärt und zum Reichskriege gegen ihn gerüstet ward, fand sich der Baiernherzog im peinlichsten Widerstreit der Pflichten gegen das Reich und gegen seine Angehörigen. In diesem Conflikt, vielleicht auch durch körperliche Hinfälligkeit bestimmt, entsagte er dem Herzogthume zu Gunsten seines zweiten Sohnes — der ältere, Konrad, war wegen schwächlicher Leibesbeschaffenheit von früh auf für den geistlichen Stand bestimmt — und trat als Laienmönch in das von ihm neu aufgebaute Kloster Weingarten, starb aber schon am 13. Dezember 1126 in der benachbarten Ravensburg. Er kann die Anfänge der Fünfziger Jahre nicht überschritten haben. Seine Gemahlin folgte ihm binnen wenigen Tagen, am 29. Dezember, zu Altdorf im Tode und liegt neben ihm in Weingarten begraben. Heinrichs Beiname der Schwarze läßt sich, wie es scheint, nicht vor dem Ende des 13. Jahrhunderts nachweisen und gründet sich wol eher auf ein Bild, das den Herzog in der schwarzen Tracht des Laienmönches darstellte, als auf Erinnerung an seine Haar- und Hautfarbe.

    • Literatur

      Chr. Fr. Stälin, Wirtemberg. Gesch. II, 257 f. Riezler, Gesch. Baierns, I, 584 f. Bernhard, Lothar v. Supplinburg.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Heinrich IX." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 461-462 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133802388.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA