Lebensdaten
um 1027 oder 1028 bis 1094
Beruf/Funktion
Herzogin von Bayern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137787235 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Judith
  • Bayern, Judith von
  • Judith, von Bayern
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Zitierweise

Judith, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137787235.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gf. Balduin V. v. Flandern ( 1067) oder Hzg. Richard III. v. d. Normandie ( 1027);
    M Adelheid ( 1079), T d. Kg. Robert II. v. Frankreich ( 1031);
    Schw od. Halb-Schw Matilde ( 1083, 1053 Wilhelm d. Eroberer, 1087, Hzg. v. d. Normandie, Kg. v. England [Vt J.s, falls sie e. T v. Hzg. Richard v. d. Normandie war]);
    - 1) 1040/42 Tostig ( 1066), S d. Godwin, Earl v. Wessex u. Kent (Schwager d. Kg. Edward v. England, 1066), 2) 1070/71 Welf IV. ( 1101), Hzg. v. Bayern;
    2 S, 1 T aus 1), 2 S aus 2) Welf V. ( 1120), Hzg. v. B., Heinrich IX. ( 1126), Hzg. v. B. (s. NDB VIII).

  • Leben

    J. war eine wichtige Figur der flandr. und welfischen Heiratspolitik. Sie wuchs am flandr. Hofe in Lille auf, wurde 1040/1042 mit dem am Hofe (im Asyl) weilenden Tostig, Sohn des engl. „Königsmachers“ Godwin, Earl von Wessex und Kent, vermählt. Als 1042 Edward „der Bekenner“ König von England wurde, ging J. mit ihrem Gemahl an den engl. Hof, mußte aber zweimal mit diesem auf den Kontinent in Verbannung gehen (1051-52, 1065). Während ihres Exils beim Normannenherzog Wilhelm starb Kg. Edward, und J.s Schwager Harald wurde engl. König (1066), während Tostig die Krone beanspruchte. Im Kampf der beiden Brüder fiel Tostig (25.9.1066); daraufhin konnte Wilhelm der Eroberer in den Thronkampf eingreifen (Schlacht bei Hastings 14.10.1066) und engl. König werden. J., die wohl engl. Königin zu werden hoffte, ging wieder an den flandr. Hof Balduins, wo die reiche Witwe als Gönnerin flandr. Kirchen und Klöster erwähnt wird.

    1070/71 vermählte sich J. mit Welf IV. Sie gebar ihm zwei Söhne, die in der Welfen-, aber auch in der Reichspolitik eine wichtige Rolle spielen sollten: Welf V. und Heinrich „den Schwarzen“ (beide später Herzöge von Bayern). Noch zu J.s Lebzeiten wurde Welf V. mit Mathilde von Tuszien vermählt (Plan einer großen welf. Südmacht in Verbindung mit dem Papst gegen den Kaiser). J. hat eine Reihe von Welfenklöstern reich dotiert, besonders das welfische Hauskloster Weingarten, das u. a. die Heilig-Blut-Reliquie aus Flandern erhielt, ferner wertvolle Reliquien des Kg. Oswald von Northumbrien (seither erhielten viele welfische Orte das Oswald-Patrozinium).

    Die Ehe Welfs IV. mit J. hatte hochpolitische Bedeutung. Zwar hatte Welf die Erlangung des bayer. Herzogstuhls große Opfer gekostet, doch brachte ihm seine neue Gemahlin von ihrem ersten Gatten große Reichtümer zu. Noch wichtiger war, daß ihm die neue Ehe erstmals Söhne und außerdem eine Fülle internationaler Familienbeziehungen brachte, die bei seinem Überschwenken zur Gregorianer-Partei und seiner Feindschaft zu Heinrich IV. eine große Rolle spielen mußten.

  • Literatur

    Jbb. d. Dt. Gesch., Heinrich IV. u. Heinrich V.;
    E. König, Hist. Welforum, 1938;
    E. Klebel, Alemann. Hochadel im Investiturstreit, in: Grundfragen d. alemann. Gesch., hrsg. v. Th. Mayer, 1955;
    H. Decker-Hauff, in: Lb. Schwaben VI, 1957;
    O. Feger, Gesch. d. Bodenseeraumes II, 1958;
    R. Goes, Die Hausmacht d. Welfen in Süddtld., Diss. Tübingen 1960 (ungedr.).

  • Autor/in

    Wilhelm Störmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Störmer, Wilhelm, "Judith" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 641 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137787235.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA