Lebensdaten
1594 oder 1595 bis 1670
Beruf/Funktion
Mechaniker ; Erfinder
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 133797066 | OGND | VIAF: 8586840
Namensvarianten
  • Hautsch, Johann
  • Hautsch, Hans
  • Hautsch, Johann

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Zitierweise

Hautsch, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133797066.html [14.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Antoni (1563–1627), Zirkelschmied, S d. Zirkelschmieds Kilian ( 1570) in N. u. d. Ursula Weyh;
    M Margarete Fleischer ( 1632) aus N.;
    Nürnberg 25.6.1621 Magdalena (* 1603), T d. Zimmermanns Jacob Flexlein in N. u. d. Apollonia Lang;
    5 S, 1 T, u. a. Georg (* 1624), Zirkelschmied, Gottfried (1634–1703), Mechaniker, Zirkelschmied, Joh. Andreas (* 1638), Zirkelschmied.

  • Leben

    Der Zirkelschmied H. war einer der einfallsreichsten Erfinder Alt-Nürnbergs. 1640 machte er einen von ihm erfundenen Fahrsessel für Kranke bekannt. 1649 erregte ein großer, prächtig verzierter Wagen Aufsehen, der sich von selbst vorwärts bewegte: ein Kraftwagen, der durch einen verborgenen Mechanismus von im Innern versteckten Knaben vorwärts getrieben wurde. Zwei Engelsfiguren bliesen in Trompeten, ein Drachenkopf konnte Wasser in die Menge spritzen. Zwei|solche Wagen wurden ins Ausland verkauft: nach Schweden und nach Dänemark. 1650 erfand H. den metallenen Streuglanz für Papiertapeten. 1655 zeigte er öffentlich eine neuerfundene Feuerspritze mit Windkessel, die einen ununterbrochenen Strahl spritzen konnte. Sie wurde von Leibniz empfohlen. Diese Spritze, die auf schweren Kufen stand, war der Ausgangspunkt für die Entwicklung der Groß-Feuerspritzen. 1660 bemühte sich H. um eine Flugmaschine, und 4 Jahre später erregte ein riesiges, von ihm gebautes Automatenwerk Aufsehen: ein 3stöckiges Gebäude, in dem unten die Erschaffung der Welt und biblische Szenen beweglich dargestellt waren. In der Mitte sah man 72 verschiedene Handwerker bei der Arbeit, und im oberen Stock war eine große Badeanlage in Bewegung.

  • Literatur

    ADB 50;
    J. G. Doppelmayr, Hist. Nachr. v. d. Nürnberg. Mathematicis u. Künstlern …, Nürnberg 1730, S. 300 f. (auf Tafel IV H.s Kunstwagen);
    M. Feldhaus, Kulturgesch. d. Technik II, 1928, S. 58-60 (Abb.: Kraftwagen u. Feuerspritze);
    ders., Männer dt. Tat, 1934, S. 86 f. (P);
    Ernst Hautsch, Der Nürnberger Zirkelschmied J. H. (1595-1670) u. s. Erfindungen, in: Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. d. Stadt Nürnberg 46, 1955, S. 533-56 (9 Abb., u. a. Triumphwagen mit kleinem Bildnis H.s, nach Kupf. v. 1656, u. Feuerspritze; erschöpfende Darst., Qu.).

  • Autor/in

    Carl Graf von Klinckowstroem
  • Empfohlene Zitierweise

    Klinckowstroem, Carl Graf von, "Hautsch, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 132 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133797066.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hautsch: Hans (Johann) H., Zirkelschmied aus der Ledergasse zu Nürnberg, einer der berühmtesten Mechaniker Deutschlands im 17. Jahrhundert. H. war 1595 zu Nürnberg geboren und starb dort 1670.

    Das größte Verdienst hat H. als Erfinder des Windkessels an der Feuerspritze. Der berühmte Leibniz, der im Winter 1666—67 auf der Nürnbergischen Universität Altdorf promovirte, weist in seinem Briefwechsel mit Papin, dem Erfinder der Dampfmaschine, darauf hin, daß H. zuerst den Windkessel an der Feuerspritze angebracht habe (vgl. E. Gerland, Leibnitzens und Huygens' Briefwechsel mit Papin. Berlin 1881, Briefe vom 17. Juli 1704 und 4. Febr. 1707). Ein Irrthum ist es, wenn Wagenseil (De civitate Noribergensi, p. 153) Georg H., den Sohn von Hans H., als Erfinder des Windkessels nennt. Die älteste Abbildung dieses wichtigen Apparates gibt Böckler in seinem Theatrum machinarum novum, Nürnb. 1661, Taf. 154. Begründete Ansprüche für die Priorität des römischen Ingenieurs Vitruv lassen sich nicht beibringen. Das von ihm gebrauchte Wort „catinus“ (De architectura X, 7) wird ein Ventilgehäuse gewesen sein. Ebensowenig hat Anton Blatner (Platner) aus Augsburg Anspruch auf die Erfindung des Windkessels an der Feuerspritze, wie dies z. B. Rühlmann in seiner Allgem. Maschinenlehre (IV, S. 450) und Fiedler in der Geschichte der Feuerlöschanstalten, S. 66, annehmen. H. machte seine Erfindung am 1. Mai 1655 bekannt.

    In seiner Zeit bewunderte man sehr die mechanischen Wagen von H. Angeblich wurden sie durch ein Federzugwerk (?) betrieben. Monath, Buchhändler zu Nürnberg beschreibt diese Wagen in seiner Chronik (vgl. Flugblatt im Germ. Museum Nürnberg; Harstöffer, Delic. mathem. 1651, Th. X, Aufg. 11; Feldhaus im „Radtourist“, Mannheim 1903 und 1904 Congreßnummern). Auch ein mechanisches Figurenwerk, ein Haus mit 72 verschiedenen Handwerken, fertigte er zwei Mal an. Der von H. erfundene metallene Streuglanz für Tapeten wurde von seinen Nachkommen noch bis Ende des 18. Jahrhunderts in Nürnberg angefertigt. Auch mit dem Problem des Luftschiffes beschäftigte sich H. (Becker, Närrische Weißheit, 1682, 2, Nr. 42).

    • Literatur

      Doppelmayr, Von Nürnbergischen Künstlern, S. 301. — Beckmann, Beyträge zur Geschichte der Erfindungen II, 594. —
      Busch, Handbuch der Erfindungen, 4. Aufl., Bd. IV, S. 262. Eisenach 1807. —
      T. Beck, Beiträge z. Geschichte d. Maschinenbaues. — L. Beck, Geschichte d. Eisens II, 918. —
      Gerland u. Traumüller, Geschichte d. physikal. Experimentirkunst, 1899, S. 214. — Glaser's Annalen Bd. XII, Heft 1, Nr. 133, 1883.

  • Autor/in

    F. M. Feldhaus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Feldhaus, Franz Maria, "Hautsch, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 50 (1905), S. 84 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133797066.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA