Lebensdaten
1817 bis 1884
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Industrieller ; Kaufmann
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 132464985 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Cramer, Theodor von (Doppelname seit 1847)
  • Cramer-Klett, Theodor Freiherr von
  • Cramer, Theodor von (Doppelname seit 1847)
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Zitierweise

Cramer-Klett, Theodor Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132464985.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Nürnberger Kaufmannsfamilie, die aus Hattingen/Ruhr stammt;
    V Alb. Joh. C. (1784–1844), Großkaufmann in Kolonial- u. Textilwaren in Nürnberg, seit 1834 Seifenfabrikant in Wien, S des Tuchkaufmanns Arnold Frdr., Pfarrers-S aus Werden/Ruhr, u. der Cath. Juliane Degen, Pfarrers-T aus Nürnberg.;
    M Christine (1787–1842), T des Kaufm. Joh. Caspar Falcke u. der Marie Cath. Felicitas Köhler, Weinhändlers-T aus Nürnberg;
    1) 1847 Emilie ( 1866), T des Joh. Frdr. Klett (1778–1847), Inhaber eines Handelsgeschäftes für Spielwaren u. Spiegel, 1838 Gründer der Maschinenfabrik u. Eisengießerei J. F. K. in Nürnberg, 2) Worms 1866 Elis. (1844–1913), T des Apothekenbesitzers Dr. Heinr. Curtze in Worms;
    1 S aus 2) Theodor (1874–1938, erst ev., dann kath., ⚭ Annie Freiin v. Würtzburg [ 1938], Letzte ihres Geschl.), Herr auf Hohenaschau (Oberbayern), päpstlicher Geheimkämmerer, finanzieller Förderer des Ausbaues der Abtei St. Ottilien, der Wiedereröffnung des Klosters Ettal (1900) u. der Verselbständigung der Abtei Ottobeuren (1918).

  • Leben

    C. erhielt nach mehreren Jahren Gymnasium eine kaufmännische Ausbildung in den väterlichen Firmen und in Prag. 1838/39 war er Hörer an der Universität München, besonders bei Schelling. Während seiner Tätigkeit in einem Genfer Bankhaus (1841–42) unternahm er Reisen in Italien und Frankreich, wo er die liberalen und sozialen Ideen der Zeit kennenlernte. Er beschloß, „die Zeitideen aus der Schule in das Leben einzuführen, um so der neuen menschlichen Bildung Vorschub zu leisten“, und erwarb 1843/44 in Nürnberg eine Verlagsbuchhandlung und eine der angesehensten Zeitungen, deren Redaktion er auch führte. In ihren Spalten trat er ein für die Ideen Friedrich Lists und einen deutschen Zollverein. 1847 übernahm er die Maschinenfabrik und Eisengießerei J. F. Klett, aus welcher er, unterstützt von dem Techniker J. L. Werder, dem Konstrukteur des Werdergewehrs, durch tätige Anregung und finanzielle Beteiligung an den Vorhaben der Besteller den neuzeitlichen Großindustriebetrieb entwickelte. Bau von Dampfmaschinen, Eisenbahnwagen, Brücken und Eisenhochbauten (zum Beispiel Münchener Glaspalast) ließen das Unternehmen rasch wachsen, damit auch seine Finanzbedürfnisse. Deshalb trat C. sehr bald nach deren 1853 erfolgter Gründung in Verbindung zu der „Bank für Handel und Industrie“ in Darmstadt („Darmstädter Bank“). Im Konsortium mit diesem in Deutschland neuartigen Institut, dessen Name sein Programm ausdrückt, führte er seine Geschäfte vor allem für den Eisenbahnbau durch und wirkte so bahnbrechend für die Zusammenarbeit von Banken und Industrie. Er förderte auch die Ausbreitung der Darmstädter Bank durch Beteiligung an der Gründung von Niederlassungen in der selbständigen Rechtsform der Kommanditgesellschaft (Wien, Stuttgart, München). Sehr früh schon führte er in seinem Werk soziale Maßnahmen durch (Unterstützungskasse für Arbeiter und deren Hinterbliebene und anderes). Sorge um billige Arbeiterwohnungen veranlaßte ihn 1871, wieder in Verein mit der Darmstädter Bank, zur Gründung einer Hypothekenbank, der „Süddeutschen Bodenkreditbank“ in München, um Bodenkredit und Baulust zu heben, Bodenspekulation und Wohnungsnot in den schnell wachsenden Städten einzudämmen. 1873 verwandelte er, schon unter Beteiligung alter Mitarbeiter aller Grade mit Aktien, die Maschinenfabrik J. F. Klett in die „Maschinenbau-Aktiengesellschaft Nürnberg“ (1898 Zusammenschluß mit Maschinenfabrik Augsburg A.G. zur heutigen M.A.N.). 1880 war C. maßgeblicher Mitbegründer der Münchener Rückversicherungsgesellschaft, die die deutschen Direktversicherungsgesellschaften nicht mehr fast ausschließlich auf englische Rückversicherer angewiesen sein ließ. C. förderte Industrie und Gewerbe auch durch reiche Spenden zur Errichtung der Gewerbeanstalt mit Gewerbemuseum in Nürnberg (1889). - Dr. oec. publ. honoris causa, Reichsrat der Krone Bayern.

  • Literatur

    C. Matschoß, Gesch. d. Maschinenfabrik Nürnberg, in: Btrr. z. Gesch. d. Technik u. Industrie 5, 1913, S. 244-97 (P); ders., Th. v. C.-K., in: Männer d. Technik, 1925, S. 47 f. (P); J. Biensfeldt, in: Wschft.- u. Verwaltungsstud., hrsg. v. G. Schanz, Bd. 58, 1922 (P); W. Hotzelt, in: Ll. Franken 3, 1927, S. 36-46;
    F. Büchner, Hundert J. Gesch. d. Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, 1940.

  • Portraits

    2 v. F. v. Lenbach (Städt. Kunstslg. Nürnberg, Bayer. Staatsgem.slgg. München).

  • Autor/in

    Bernhard Hoffmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann, Bernhard, "Cramer-Klett, Theodor Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 394 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132464985.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA