Lebensdaten
1844 bis 1924
Geburtsort
Erfurt
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Versicherungsunternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118926934 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Thieme, Carl (bis 1914)
  • Thieme, Carl Ritter von (seit 1914)
  • thieme, carl ritter von
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Zitierweise

Thieme, Carl Ritter von (seit 1914), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118926934.html [04.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Julius T. (1816–92), aus Zeitz, Dir. d. Vers.ges. Thuringia in E. (s. L);
    M Charlotte v. Wedelstaedt (* 1819), aus Luxemburg;
    B Hermann T. (1842– 1929), Industr., Seifen- u. Parfümfabr. in Zeitz, Mitgl. d. Verw.rats d. Thuringia, GKR (s. DBJ XI, Tl.);
    1) 1870 Maria (1845–83), T d. Johann Heinrich v. d. Nahmer (1804–64), Textilfabr. in Rheydt (Rheinland) (s. NDB XII*), u. d. Johanna Peltzer (1813–97), 2) 1885 Else (1861–1946), T d. Hermann v. Witzleben (1827–88), ksl. Oberforstmeister, u. d. Jakobine Helene Bauer (1832–75); 4 S aus 1) u. a. Karl Emil Ludwig T. (1874–1967), Dir. d. Europ. Güter- u. Reisegepäck-Vers.-AG, Walter T. (1878–1945, ⚭ Hertha Schreiner, 1884–1945, T d. Carl Schreiner, 1854–1948, Repräsentant d. Münchener Rück in London), Pastor in Berlin, 3 T aus 1) u. a. Emilie (1873–1960, Henry v. Heiseler, 1875– 1928, Dichter, Übers., s. NDB VIII), 1 S aus 2), 3 T aus 2) u. a. Margarethe (Gitta) (1887–1988, 1] 1908 Hugo Mylius, 1876–1918, Geol., Doz. an d. TH München, Bergsteiger, 1904 an d. Wintererstbesteigung d. Mont Blanc beteiligt, 2] 1920 Walter Schnackenberg, 1880–1961, Kunstmaler, Graphiker, s. Münchner Maler im 19./20. Jh., 1994); Schwägerin Emma v. d. Nahmer (1838–1909, Gustav Knote, 1838–79, Vers.oberinsp. in M., s. NDB XII*);
    N Paul v. d. Nahmer (1858–1921), 1886 Repräsentant d. Münchener Rück Vers.-AG in Paris, Vorstandsmitgl., 1894–1921 Gen.dir. d. Allianz Vers.-AG;
    E Bernt v. Heiseler (1907–69, ⚭ Gertrud Gfn. de Rességnier de Miremont, * 1915), Schriftst. (s. RGG 3 ; Kosch, Theater-Lex.; Killy; Munzinger).

  • Leben

    T. absolvierte das Abitur, den Militärdienst und eine betriebliche Ausbildung bei der „Thuringia“, wo er auch seine Berufslaufbahn begann. 1874 wurde ihm deren Generalagentur für Bayern übertragen, die er mit außerordentlichem Erfolg führte. 1885 gab er ihre Leitung ab.

    T. entwickelte den Gedanken, das Rückversicherungsgeschäft auf eine neue Grundlage zu stellen und neben den bisher mit Erstversicherern verbundenen Gesellschaften ein unabhängiges, von renommierten Wirtschaftskreisen getragenes Rückversicherungsunternehmen zu schaffen. Nach der Genehmigung durch das bayer. Innenministerium gründete er am 3. 4. 1880 zusammen mit dem Nürnberger Industriellen Theodor v. Cramer-Klett (1817–84), dem Bankier Wilhelm v. Finck (1848–1924) und dem Rechtsanwalt Hermann v. Pemsel (1841–1916) sowie der „Süddt. Bodencreditbank“, dem Frankfurter Bankhaus „Philipp Nicolaus Schmidt“ und der Darmstädter „Bank für Handel und Industrie“ die am 19. 4. 1880 ins Handelsregister eingetragene „Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft“ (seit 2009: „Munich Re“). Das Grundkapital in Höhe von 3 Mio. Mark, das die acht Gründungsaktionäre zu 40 % eingezahlt hatten, wurde erstmals 1886 erhöht, 1888 brachte das Bankhaus „Merck, Finck & Co“. das Unternehmen an die Börse.

    T. war bis 1921 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, für dessen Mitarbeiter er zahlreiche, noch fortbestehende soziale Maßnahmen wie betriebliche Altersversorgung und kostenloses Mittagessen einführte. Das von ihm geschaffene „Weltmodell der professionellen Rückversicherung“ (R. Schmidt) beinhaltete die Unabhängigkeit von Erstversicherern, den Risikoausgleich über die verschiedenen Sparten, die geographische Streuung und über die Zeit im Hinblick auf Langfristigkeit, außerdem die Beteiligung an Versicherungsunternehmen. Die Geschäftsbeziehungen mit den Zedenten richtete er durch persönliche Kontakte, Ertragsbeteiligungen sowie Beratungs- und Dienstleistungen verschiedener Art auf eine enge Bindung an die Gesellschaft aus.

    Am Aufbau des umfangreichen Auslandsgeschäfts, v. a. in Rußland, England und den USA, hatte Carl Schreiner (1854–1948) maßgeblichen Anteil. Die Münchener Rück bestand ihre Bewährungsprobe durch die reibungslose und rasche Abwicklung der Schäden nach dem Erdbeben am 18. 4. 1906 in San Francisco, die sich auf 2,62 Mio. $ für eigene Rechnung beliefen, was in den USA zu der zeitweise gebräuchlichen Redewendung „Thieme is money“ führte. Bis 1914 hatte sich die Gesellschaft mit Prämieneinnahmen von 200 Mio. Mark, von denen 40 % aus dem Ausland stammten, zum größten Rückversicherungsunternehmen der Welt entwickelt. Seinen Ausdruck fand dieses Wachstum in dem 1913 von dem Architekten Oswald Bieber (1876–1955) errichteten monumentalen Jugendstil-Geschäftsgebäude am Engl. Garten in München.

    Da Überlegungen zur Aufnahme des direkten Geschäfts durch die Münchener Rück nicht weiter verfolgt wurden, gründeten T. und Wilhelm v. Finck 1889 die „Allianz Versicherungs-AG“ mit Sitz in Berlin (Eintrag ins Handelsregister 5. 2. 1890) als eigenständiges Schadenversicherungsunternehmen, v. a. für die Unfallversicherung, allerdings noch ohne kapitalmäßige Beteiligung der Münchener Rück. T. übernahm den Vorstandsvorsitz bis 1904, seit 1894 zusammen mit Paul von der Nahmer. Die Allianz führte neben der Feuer- und Transportversicherung 1901 die von dem bei der Münchener Rück angestellten Ingenieur Fritz Böhrer konzipierte Maschinenversicherung als neuen Zweig ein. T. wirkte auch entscheidend mit bei der Schaffung weiterer Sparten, namentlich der Reisegepäckversicherung durch die Beteiligung an der Gründung der „Europ. Güter- und Reisegepäck-Versicherungs-AG“ 1907 in Budapest, deren dt. Niederlassung 1918 verselbständigt wurde, sowie der Einführung der Kreditversicherung in Deutschland mit der Errichtung der „Hermes Kreditversicherungs-AG“ 1917 in Berlin. Hinzu kamen noch andere Tochtergesellschaften und Unternehmensbeteiligungen. Unter T.s Nachfolger Wilhelm Kißkalt (1873– 1958) und Kurt Schmitt (1886–1950) als Generaldirektor der Allianz kam es auf der Grundlage eines 1921 geschlossenen Gemeinschaftsvertrags zur kapitalmäßigen Verflechtung beider Gesellschaften und zur Bildung des größten europ. Versicherungskonzerns durch zahlreiche Übernahmen und Fusionen. Mit der weitgehenden Entflechtung der Unternehmen war 2003 auch die Beendigung des Rahmenvertrags verbunden. Die Munich Re ist derzeit wieder der größte Rückversicherer der Welt.

  • Auszeichnungen

    A Mitgl. u. Vors. d. Aufsichtsräte bed. Vers.untern.; Rr.kreuz d. Verdienstordens d. bayer. Krone (1914); Dr. rer. pol. h. c. (München 1922); T.str. in München.

  • Literatur

    L A. Manes, in: Vers.lex., 31930, Sp. 1555; W. Kisch, Fünfzig J. Allianz, 1940, S. 4–7 (P); L. Arps, Dt. Vers.untern., 1968, S. 115–30 (P); R. Schmidt, Bemm. z. Gesch. d. Soz.bilanz im Bereich d. Individualvers., in: Vers.wirtsch. 32, 1977, S. 911, 914; K. Gerathewohl u. a., Rückvers., Grundlagen u. Praxis, 2. Bd., 1979, S. 744 f.; Münchener Rückvers.-Ges., Geschäftsber. 1978/79, 100 J. Münchener Rück 1880–1980; P. Borscheid, 100 J. Allianz, 1990, S. 14 (P); P. Koch, Gesch. d. Vers.wirtsch. in Dtld., 2012 (L, P); B. Eggenkämper u. a., Die Allianz (P); – zu Julius: Thuringia, 100 J. e. dt. Vers.ges., 1953, S. 75 f. u. 87 (P).

  • Portraits

    P Ölgem. v. L. Schmutzler (München, Munich Re), Abb. in: Kisch (s. L).

  • Autor/in

    Peter Koch †
  • Empfohlene Zitierweise

    Koch, Peter, "Thieme, Carl Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 125-126 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118926934.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA