Lebensdaten
um 1490 bis 1527
Geburtsort
Haina bei Römhild
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Täuferapostel Süddeutschlands und Oberösterreichs
Konfession
katholisch,Täufer
Normdaten
GND: 123955777 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hutt, Hans
  • Hut, Hans
  • Hutt, Hans
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Zitierweise

Hut, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd123955777.html [16.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Hans, Bauer;
    M N. N.;
    N. N.;
    6 K (1 T in Bamberg als Täuferin ertränkt).

  • Leben

    H. stand von 1517-21 bei den Herren v. Bibra als Küster in Diensten, dann zog er als Buchbinder und Buchhändler durch Franken und Thüringen und kam bis nach Wittenberg. 1524 wurde er von 3 Handwerksgesellen in die Lehre der Erwachsenentaufe eingeführt. Als er sich in Bibra weigerte, sein Kind taufen zu lassen, mußte er fortziehen. In Nürnberg lernte er Hans Denck kennen. Zur Zeit des Bauernkrieges geriet er unter Münzers Einfluß, dessen umstürzlerischen Ideen er auch nach der Schlacht von Frankenhausen (1525) noch anhing. Von Denck, der ihn im Mai 1526 in Augsburg taufte, wurde er zum widerstandslosen Täufertum bekehrt. Nun entfaltete er eine ausgebreitete Predigertätigkeit in Bayern, Schwaben, Franken und Österreich. Im Mai 1527 fand zwischen ihm und Balthasar Hubmaier in Nikolsburg ein Religionsgespräch statt, in dem H. unterlag. Er wurde ins Gefängnis geworfen, floh, zog nach Wien, wo er 50 Leute taufte, und trat mit 2 Gefährten seinen Siegeszug nach Westen an. Melk, Steyr, wo der Schloßprediger Jakob Portner eine Täufergemeinde gegründet hatte, Freistadt, Gallneukirchen, Linz, Passau, Laufen, Salzburg und das Innviertel waren die Stätten seiner erfolgreichen Wirksamkeit. Durch sein geistiges Übergewicht war H. die Seele der sog. Märtyrersynode in Augsburg im August 1527; im September wurde er gefangengenommen, in den folgenden Monaten mehrere Male verhört. Er starb an den Folgen eines Feuers, das durch eigenes oder fremdes Verschulden in seiner Zelle ausgebrochen war. Sein Leichnam wurde verbrannt. – H. war eine der ausgeprägtesten Persönlichkeiten der frühen Täuferbewegung, die deutlich die Spur seines missionarischen Geistes trug. Er verkündete die Lehre der Erwachsenentaufe und den baldigen Anbruch des tausendjährigen Reiches Christi, in dem die durch das Siegel der Taufe mit Jesus Christus Verbundenen herrschen würden.

  • Werke

    2 Traktate: Von d. geheimnus d. tauf …;
    Ein christl. underricht, wie gottliche geschrift vergleicht u. geurtailt solle werden, beide hrsg. v. Lydia Müller, Glaubenszeugnisse oberdt. Taufgesinnter, 1938, S. 10-37;
    3 Lieder, in: Ph. Wakkernagel, Das dt. Kirchenlied v. d. ältesten Zeit b. z. Anfang d. XVII. Jh. III, 1870, S. 444-47.

  • Literatur

    ADB 13;
    Chrstn. Meyer, Zur Gesch. d. Wiedertäufer in Oberschwaben, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 1, 1874 (mit Verhörsprotokollen);
    W. Neuser, H. H. Leben u. Wirken b. z. Nikolsburger Rel.gespräch, 1913;
    G. Mecenseffy, Die Herkunft d. oberösterr. Täufertums, in: Archiv f. Ref.gesch. 47, 1956;
    J. F. G. Goeters, Ludwig Hätzer, Spiritualist u. Antitrinitarier, 1957;
    H. Klassen, The Life and Teachings of H. H., in: Mennonite Quarterly Review 33, 1959;
    H. J. Hillerbrand, Bibliogr. d. Täufertums 1520-1630, in: Qu. z. Gesch. d. Täufer X, 1962, S. 76, 126-28;
    G. Mecenseffy, ebd. XI, Österreich I. T., 1964;
    W. Schäufele, Dar, missionar. Bewußtsein d. Täufer, in: Btrr. z. Gesch. u. Lehre d. ref. Kirche 21, 1966;
    R. Friedmann, Die Nikolsburger Artikel v. 1527, in: Jb. d. Ges. f. d. Gesch. d. Protestantismus in Österreich 82, 1966;
    H. D. Schmid, Das H.sche Täufertum, in: HJb. 91, 1971;
    ders., Täufertum u. Obrigkeit in Nürnberg, 1972;
    Mennonit. Lex. II, 1937, S. 370-75;
    Mennonit. Enc. II, 1956, S. 846-50.

  • Autor/in

    Grete Mecenseffy
  • Empfohlene Zitierweise

    Mecenseffy, Grete, "Hut, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 91 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123955777.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hut: Hans H. (Hutt), der Wiedertäufer, durch welchen Augsburg für einige Jahre in der Reformationszeit der Mittelpunkt des Täuferthums wurde und der die meisten Anhänger und Gehilfen unter allen Aposteln dieser Irrlehre hatte, war gebürtig von Haina im Meiningenschen, ursprünglich Buchbinder und Kirchner zu Bibra, dann reisender Flugschriften-Hausirer. Als solcher traf er auf einer seiner Reisen nach Wittenberg, um 1524, in Weißenfels mit Wiedertäufern zusammen. Daheim weigerte er sich, ein Kind taufen zu lassen, weshalb ihn die Herren von Bibra nöthigten, seine Güter zu verkaufen und wegzuziehen. Nun kam er zu den aufständischen Bauern, wurde gefangen und seiner Bücher beraubt, aber durch Münzer wieder befreit. Dafür verbreitete H. dessen Schriften. Nach der Niederlage von Frankenhausen kehrte er gen Bibra zurück, predigte und mußte wieder fliehen. Im Mai 1526 finden wir ihn zu Augsburg, wo Denk ihn taufte, dann auf Reisen nach Mähren zu Hubmaier, Wien, Passau, Nürnberg, bis er im März 1527 wieder in Augsburg ist und selber tauft. Im Herbst dieses Jahres wurde er vom Rathe der Stadt gefangen gesetzt und von dem bekannten Konrad Peutinger in ein peinliches Verhör genommen. H. machte der Untersuchung bald selber ein Ende: er suchte sich nächtlicher Weile von der Bank, an welche er gekettet war, loszumachen, indem er dieselbe anzündete; das Feuer entzündete auch das Bett und die Kleider, so daß er fast erstickte und nach 8 Tagen starb. Um auch der zeitlichen Gerechtigkeit genug zu thun, wurde die Leiche am 7. December 1527 aus der Stadt geführt und an gewöhnlicher Gerichtsstätte verbrannt, die Asche aber in die Wertach gestreut, soweit sie nicht das Volk „für Heiligthum in die Stadt trug“. Am 12. Mai 1528 folgte ihm sein bedeutendster Täufling, Langenmantel, des verdienten Bürgermeisters des schwäbischen Bundes-Hauptmanns Sohn, im Tode durch Enthauptung.

    • Literatur

      Ch. Meyer in der Zeitschr. des Histor. Ver. f. Schwaben u. Neuburg, I. 1874 S. 211 ff.

  • Autor/in

    J. Hartmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, Julius, "Hut, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 459 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd123955777.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA