Lebensdaten
1748 bis 1825
Sterbeort
Neapel
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119543451 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kniep, Christoph Heinrich

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Zitierweise

Kniep, Christoph Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119543451.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Conrad (1712–86), Brauer in H., S d. Matthias in H. u. d. Anna Margaretha Bleidorn;
    M Margaretha Elisabeth (1721–88), T d. Prokurators u. Brauers Georg August Ohlen.

  • Leben

    Bei den seiner Familie durch Patenschaft verbundenen Künstlern Johann Friedrich und Johann Georg Ziesenis aus Hannover erhält K. ersten Zeichen- und Malunterricht. Anschließend verdient er sich in Hamburg seinen Unterhalt mit Porträtzeichnen; hier soll er bei seinem Verkehr in Künstler- und Literatenkreisen Klopstock, Johann Heinrich Voß, Matthias Claudius, Joachim Campe und den von ihm porträtierten dänischen Maler Jens Juel (den späteren Lehrer von Ph. O. Runge und C. D. Friedrich) persönlich kennengelernt haben. 1780/81 folgt ein kurzer Aufenthalt bei der Künstlerfamilie Tischbein in Kassel, danach eine Reise über Lübeck nach Berlin, wo Friedrich Nicolai die Anwesenheit K.s als Bildnismaler für 1781 bezeugt. K. wird hier von dem Ermländer Fürstbischof Kraschinsky als Maler und Zeichner verpflichtet, folgt ihm nach seiner Residenz Heilsberg (Ostpreußen), von wo aus er mit einem vom Fürstbischof ausgesetzten Romstipendium auf die Italienreise geschickt wird. Noch während derselben – über Warschau, Wien, Triest – stirbt der fürstliche Gönner, so daß K. in Rom mittellos dasteht und zu sofortiger eigener Arbeit als Porträtist gezwungen ist. Bald wirft er sich auf die einträglichere Verfertigung von Landschaften und klassischen Veduten, deren Säuberlichkeit und Genauigkeit gelobt werden. Wir treffen K. bald darauf in Neapel in der Bekanntschaft Jakob Philipp Hackerts und Wilhelm Heinrich Tischbeins. Letzterer vermittelt im März 1787 K. an Goethe als Begleiter und Ansichtenzeichner für die Reise durch Sizilien (März-Mai 1787). Der Reise verdankt K. künstlerischen und finanziellen Auftrieb; Goethe verschafft ihm von Weimar aus verschiedene Aufträge (so für den Herzog von Sachsen-Gotha), auch der Kreis um Angelika Kauffmann (nach neueren Forschungen soll ein bislang K. zugeschriebenes bedeutendes Bildnis des Künstlers von ihr stammen) nimmt ihn fördernd zur Kenntnis. Das Haus, das K. mit Tischbein und Heinrich Meyer (Goethes späterem Weimarer Gewährsmann in Kunstdingen) eine Zeitlang gemeinsam in Neapel bewohnt, ist Besuchsort der Herzogin Anna Amalia von Weimar, Caroline Humboldts, Thorwaldsens und Herders. Mit den kurzen Unterbrechungen einer erneuten Sizilienreise 1804 und einer vermutbaren Romreise um 1791 bleibt K. bis zu seinem Tod in Neapel. Er wird als Beisitzer bei den Examina ehrenamtlicher Berater an der dortigen Kunstakademie.

    Nachgewiesen ist K.s Mitarbeit an dem von dem dänischen Minister Schlangenbach und dem russischen Fürsten Italinsky herausgegebenen ichthyologischen Werk „Die gefangenen Fische, das Äußere und das Innere und die ganze Anatomie derselben…“ und an dem von Tischbein edierten Katalog „Collection of engravings from ancient vases… in possession of William Hamilton“ (1791). Fragment blieb – wegen Tod des Stechers Ludwig Friedr. Kaiser 1819 – ein Lehrwerk „Grundlinien der Landschaftszeichnung“ (1827).

    K.s Porträtzeichnungen und Landschaften befinden sich zum größten Teil in Hamburg, Hildesheim, Hannover, Weimar, Berlin und Düsseldorf. Mit seiner Persönlichkeit und seinem Werk hat sich bis in die jüngste Zeit fast ausschließlich die Goethe-Forschung beschäftigt. Mehr als die Landschaften, deren Staffage auffällig das Studium antiker Vasenzeichnungen verrät, schätzte man die weniger trocken, ängstlich und unoriginell geübte frühe Porträtkunst in Blei und Rötel. Hinter den berühmten Landschaftern Hackert und Johann Chr. Reinhart trat K. – er galt als Hypochonder – auch als Persönlichkeit zurück. Erst neuerdings scheinen sowohl seine Kunst wie seine Persönlichkeit an Ansehen zu gewinnen; man lobt die Kunstausübung als gewissenhaft, ihn selbst als genügsame und gerade Natur.

  • Werke

    Kataloge: Handzeichnungen-Slg., Nat.-Gal. Berlin, 1902, S. 229;
    Goethe-Nat.-Mus. Weimar, 1910;
    Bildniszeichnungen Kupf.-Kab. Dresden, 1911, S. 44;
    Führer durch d. Slg. d. Roemermus., Hildesheim, 1919, S. 27 (mit Abb.);
    Jh.-Ausstellung Dt. Kunst, Darmstadt, 1914, S. 120, 293.

  • Literatur

    ADB 16;
    O. Harnack, Zur Nachgesch. d. Ital. Reise, in: Schrr. d. Goethe-Ges. V, 1890;
    A. Peltzer, in: Goethe-Jb. 26, 1905;
    F. Noack, Dt. Leben in Rom, 1907;
    L. Richter, Lebenserinnerungen, hrsg.|v. M. Lehrs, 1922, S. 160;
    G. Battelli, in: Napoli Nobilissima NS 3, 1923, S. 79-82 (mit Abb.);
    H. Dreyer, in: Alt-Hildesheim 17, 1938, S. 33 ff.;
    H. W. Tischbein, Aus m. Leben, hrsg. v. C. G. W. Schiller, 1861, Neuausg. 1956;
    R. Behrens, in: Kleine Hannov. Kunstgesch. XI, Nr. 9 (Ausst. in d. Niedersächs. Landesgal. Hannover), 1957;
    H.-W. Kruft, Goethe u. K. in Sizilien, in: Jb. d. Slg. Kippenberg NF Bd. 2, 1970, S. 201 ff.;
    G. Poensgen, Ch. H. K., Ein Künstlerbildnis v. Angelika Kauffmann, in: Pantheon 31, H. III, 1973;
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, Rötelzeichnung, um 1780 (Hildesheim, Roemer-Pelizaeus-Mus.);
    Gem. wahrsch. v. Angelika Kauffmann, um 1791 (Heidelberg, Privatbes.), v. C. Vogel v. Vogelstein, 1820 (Dresden, Kupf.kab.);
    Zeichnung v. e. Tischbein-Schüler, um 1789 (Düsseldorf, Goethemus.).

  • Autor/in

    Hans-Wolf Jäger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jäger, Hans-Wolf, "Kniep, Christoph Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 181 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119543451.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kniep: Christoph Heinrich K., Zeichner, geb. zu Hildesheim 1748, zu Neapel 1825. Den ersten Kunstunterricht erhielt er in Hannover und begab sich sodann nach Hamburg, wo er viele Bildnisse zeichnete, und später nach Berlin. Hier fand er an Kraschinsky, Fürstbischof von Ermeland, einen Gönner, der den jungen strebsamen Künstler nach Rom reisen ließ. Hier würde sich dessen Talent gewiß sehr günstig entwickelt haben, wenn der Gönner nicht gestorben und K. allen Wechselfällen des Lebens preisgegeben worden wäre. Er zeichnete Ansichten von Rom, um sich das Leben zu fristen; damit brachte er es im Sepiazeichnen zu einer großen Vollendung. Später wurde er nach Neapel verschlagen, wo er seine Beschäftigung als Vedutenzeichner wieder aufnahm. Der Historienmaler W. Tischbein und Ph. Hackert wurden seine Freunde und förderten ihn, wo nur möglich. Als Goethe 1787 nach Neapel kam und für seine Reise in Sicilien einen kunstübenden Begleiter suchte, wurde ihm K. empfohlen und beide Theile bedauerten es nicht, eine Zeit lang die an wechselvollen, anregenden und poetischen Erinnerungen reiche Insel in Gemeinschaft bereist und genossen zu haben. Goethe lobt den Künstler sehr. Seine heiteren Lüfte, die im blauen Dunst verschwindenden fernen Gebirge, die realistisch durchgeführten Vordergründe mit allen örtlichen Pflanzen, wie sie nur ein Botaniker für ein Werk seiner Wissenschaft wünschen mag, haben stets die Bewunderung Aller erworben. Im J. 1811 wollte er eine vollständige Zeichenschule für Landschaften erscheinen lassen. Einzelne Hefte sind erschienen und lassen bedauern, daß das Project durch den Tod des Stechers (Kaiser) fallen mußte. Einige Jahre vor seinem Tode wurde er Professor und Rath der Akademie in Neapel. Obgleich dies eine Ehrenstelle ohne Einnahme war, suchte K. doch nach Kräften hier das Gute zu fördern.

  • Autor/in

    Wessely.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wessely, Joseph Eduard, "Kniep, Christoph Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 288 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119543451.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA