Lebensdaten
1477 bis 1540
Geburtsort
Ulm (?)
Sterbeort
Lüttich
Beruf/Funktion
Bildschnitzer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119308797 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mauch, Daniel
  • Mauchius, Daniel
  • Moch, Daniel

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Zitierweise

Mauch, Daniel, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119308797.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    ⚭ Rosa (1483–1540), T d. Jörg Stocker, Maler in Ulm (s. ThB);
    1 S Daniel (1504–67), Humanist, Domscholaster in Worms.

  • Leben

    Die Werkstatt von M. zählte neben denjenigen Michel Erharts und Nikiaus Weckmanns d. Ä. zu den meistbeschäftigten in Ulm zu Beginn des 16. Jh. Bis ins 19. Jh. war M. lediglich aus Archivalien bekannt, ohne daß ihm ein bestimmtes Werk zugeordnet werden konnte. So wird 1508 „Daniel Bildhauer“ erstmals genannt, scheint aber bereits 1503 seine eigene Werkstatt gegründet zu haben. Laut Eintrag im Bruderschaftsbuch der Marner wurde ihm 1510 die Tafel für einen Franziskusaltar der Ulmer Barfüßerkirche (nicht erhalten) in Auftrag gegeben. Spätestens 1517 bezog er das Haus seines Schwiegervaters. Das Ehepaar M. findet sich 1520 wiederholt im Grundbuch der Geislinger Sebastiansbruderschaft verzeichnet. 1529 verließ M. die Stadt und zog unter Beibehaltung seines Ulmer Bürgerrechts in die Niederlande. Diesen Schritt machte wohl die schlechte Auftragslage notwendig, bedingt durch die Bilderfeindlichkeit der Reformation. M. scheint sich in Lüttich niedergelassen zu haben, denn dort starben er und seine Ehefrau.

    Urkundlich gesicherte Werke M.s sind nicht erhalten. Mit der Entdeckung von Signatur und Datierung (1510) des Bieselbacher Altars (F. Mader) war jedoch die Grundlage für weitere Zuweisungen an M. gelegt. Zusammen mit der zwischen 1529 und 1535 geschaffenen kleinen Madonna für den Mönch Berselius bildet dieser Altar den Rahmen für die Ermittlung weiterer Werke des Künstlers. Ausgehend von je einem Früh- und Spätwerk, konnte nach und nach folgendes Hauptœuvre rekonstruiert werden: Als Frühwerk gilt das Wippinger Retabel (1505), wobei sich die altertümliche Madonna dem Werk M.s nicht unumstritten einfügen läßt. Die qualitätvolle Marienkrönung aus Maggmannshofen (Privatkapelle Villa Huber, Kempten) ist in das erste Jahrzehnt des 16. Jh. zu setzen (A. Schädler). Hier ist der für M. charakteristische weibliche Gesichtstypus mit hoher Stirn, spitzer Nase, rundem Kinn und den schrägstehenden, oft halbgeschlossenen Augen zu erkennen. Die Männerfiguren zeigen sein Interesse an der Darstellung eigenwilliger Physiognomien. Deutlich modernere Züge weist der Bieselbacher Altar mit der Darstellung der heiligen Sippe auf. Neu innerhalb der Ulmer Altarbaukunst sind hier die Verwendung einer fortschrittlichen Altarform, von Renaissancedekor sowie der Verzicht auf Farbigkeit. M.s Aufgeschlossenheit gegenüber dem neuen oberital. Formengut erweist sich jedoch nicht als verinnerlichte Haltung, denn bei dem zeitlich nachfolgenden Geislinger Sebastiansaltar bleibt er mit der Reihung stehender Heiligenfiguren und der konventionellen Form eines Kapellenschreins ganz in der Tradition spätgotischer Altäre. An den Bieselbacher Altar lassen sich mehrere Sippendarstellungen M.s oder seiner Werkstatt anschließen, die hinsichtlich der Figurenanordnung oder der Details Übereinstimmungen aufweisen, so in der Lorenzkapelle Rottweil, im Bayer. Nationalmuseum München, im Städt. Museum Schwäb. Gmünd, im Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, in St. Michael Sonthofen und in St. Michael Appenweier (z. T. nur fragmentarisch erhalten). Das Geislinger Retabel für den Altar der Sebastiansbruderschaft muß um 1520 entstanden sein, da M. zu dieser Zeit deren Mitglied war. Als zeitgleich dürfen zwei Reliefs mit dem Martyrium der hl. Katharina und ihrer Erhebung auf den Berg Sinai (Musée Mayer van den Bergh, Antwerpen) wegen gleicher Formensprache gelten (G. Otto, 1954). Gegen Ende von M.s Ulmer Schaffensjahren zeigt sich der Übergang zum sogenannten Parallelfaltenstil. Als schönes Beispiel sind die neun Reliefs eines Passionszyklus (Württ. Landesmuseum Stuttgart; Augustinermuseum Freiburg i. Br. und Privatslg.) zu nennen. Diese ehemals einem eigenen „Meister der Stuttgarter Passion“ zugeschriebenen Werke können heute der Werkstatt des Künstlers, die besten vielleicht ihm selbst, zugewiesen werden. Das eindrucksvollste Beispiel für die Hinwendung zum Parallelfaltenstil stellt jedoch die signierte Berseliusmadonna dar (Musée d'Art Religieux et d'Art Mosan, Lüttich). Zusammen mit ihr sind zwei kleine sitzende Madonnen (Musée Mayer van den Bergh, Antwerpen; Museum of Fine Arts, Richmond/Virginia) in die letzten Schaffensjahre M.s zu setzen (G. Otto, 1954).

    Neuerdings wird in der Forschung die Identität M.s mit dem sogenannten „Meister der Oertel-Madonna“ in Erwägung gezogen (W. Deutsch). Auch ist zu vermuten, daß M. der Verfertiger von Kleinplastiken war, die dem Werk des Conrat Meit auszugliedern sind und der niederländ. Schaffensperiode M.s zugehören würden (J. Rasmussen, 1973). Außerdem wurden einige Goldschmiedearbeiten nach (verschollenen) Modellen von M. gefertigt; einer Tätigkeit als Steinbildhauer in Lüttich gilt es noch nachzugehen (R. Didier u. H. Krohm). – M., der in der Tradition der Ulmer Werkstätten steht, ist trotz Übernahme neuer Renaissanceformen als letzter großer Vertreter der Spätgotik in seiner Heimutstadt zu bezeichnen.

  • Literatur

    J. Baum, Die Ulmer Plastik um 1500, 1911, S. 105 ff., 163 ff.;
    F. Mader, Ein Schnitzaltar v. D. M., in: Die christl. Kunst 8, 1912, S. 216 ff.;
    G. Otto, Die Ulmer Plastik d. Spätgotik, 1927, S. 281 ff.;
    dies., Btrr. z. M.-Forschung, in: Pantheon 6, 1930, S. 560 ff.;
    dies., Schwäb. Plastik in ausländ. Slgg., in: Schwäb. Heimat 6, 1954, S. 251 ff.;
    A. Schädler, Der Maggmannshofer Altar, in: Das schöne Allgäu 14, 2, 1950, S. 72 ff.;
    L. Göbel, Btrr. z. Ulmer Plastik d. Spätgotik, 1956;
    A. Rieber, D. M. als Ulmer Bürger, ebd., S. 22 ff.;
    J. Rasmussen, Eine Gruppe kleinplast. Bildwerke aus d. Stilkreis d. Conrat Meit, in: Städel-Jb. NF 4, 1973, S. 121 ff.;
    ders., Figürl. Goldschmiedearbeiten nach Modellen v. D. M., in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst 36, 1985, S. 81 ff.;
    R. Didier u. H. Krohm, Les Sculptures Médiévales Allemandes dans les Collections Belges, Ausst.-kat. Europalia 77, Brüssel 1977, S. 213 ff.;
    E. Zimmermann, in: Die Renaissance im dt. Südwesten, Ausst.kat., Heidelberg 1986, II, S. 536 ff.;
    W. Deutsch, Werke d. schwäb. Bildhauerkunst, in: Gotik an Fils u. Lauter, hrsg. v. W. Ziegler u. K.-H. Rueß, 1986, S. 108 ff.;
    H. Meurer, Flügelaltäre d. Spätgotik, ebd., S. 132 ff.;
    ThB.

  • Autor/in

    Susanne Wagini
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagini, Susanne, "Mauch, Daniel" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 424 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119308797.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA