Lebensdaten
erwähnt 1481 oder 1528
Beruf/Funktion
Bildhauer ; Bildschnitzer in Ulm
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 119107392 | OGND | VIAF: 5733801
Namensvarianten
  • Weckman, Niklaus
  • Weggman, Niclas
  • Wökhmann, Niclauß
  • mehr

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Zitierweise

Weckmann, Niclaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119107392.html [21.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    Eltern unbek.;
    v. 1503 N. N.;
    Stief-S Niclaus d. J., 1503 erw., 1504 Meister in U., 1504 aus d. Stadt verwiesen, 1507 begnadigt, eröffnete 1512 in Nürnberg e. Fechtschule;
    1 T N. N. ( Balltus Hupfenbenntz, Kramer in U., 1529 Maler);
    Verwandte (?) Conrat, erw. 16. Jh., Goldschmied in U., Caspar Wegman, Bildhauer, 1587 Bürger in Rottenburg.

  • Biographie

    W., dessen Geburts- und Ausbildungsorte unbekannt sind, führte die produktivste Bildschnitzerwerkstatt der schwäb. Kunstmetropole Ulm um 1500. Dennoch war er bis weit ins 20. Jh. hinein ein Künstler, von dem man allein aus Schriftquellen wußte. Ungünstig für seinen Nachruhm war der Umstand, daß er bei Altaraufträgen wiederholt mit dem Schreiner Jörg Syrlin d. J. (um 1455–1521) zusammenarbeitete. Dieser signierte mitunter seine Schreinerwerke, was in der älteren Literatur zu der irrigen Auffassung führte, er habe auch als Bildschnitzer gearbeitet. Ein bis auf die Schreinskulpturen W.s verlorenes Hauptwerk dieser Kooperation war das Hochaltarretabel der Klosterkirche Ochsenhausen, auf dessen Schreinkiste Syrlin ehemals inschriftlich als Hersteller genannt war. Ausgehend von diesem wichtigen, vermeintlich für Syrlin gesicherten Werk schrieb die ältere Forschung auf stilkritischem Wege diesem eine große Anzahl weiterer Skulpturen zu, die sich zu einer üppigen Werkstattproduktion zusammenfügten. Jörg Syrlin d. J. galt solange als der herausragende Ulmer Bildschnitzer der Zeit um 1500, bis Wolfgang Deutsch 1968 die Signatur „n‘. niclaus . weckman . bildhawer . zů [Ulm] 1528“ an einer Ritterstatue in der Pfarrkirche zu Neufra publizierte, die zu dem bis dahin Syrlin zugeschriebenen Werkstattkomplex gehört. Da außerdem die Lebensdaten W.s mit den Aktivitäten der Werkstatt gut zusammenpassen, folgerte Deutsch, daß die bislang Jörg Syrlin d. J. zugeschriebenen Werke in Gänze W. zuzuordnen seien – eine Sicht, die sich in der Forschung allgemein durchgesetzt hat.

    W., der am 23. 7. 1481 in Ulm als Neubürger ohne Herkunftsangabe aufgenommen wurde, läßt sich hier bis 1526 / 28 nachweisen. Spätestens 1490 war er Meister, da er bei der Abrechnung des Hochaltarretabels der Biberacher Stadtkirche (nicht erhalten) so bezeichnet wird. Sein Haushalt (Familie und Werkstatt) umfaßte 1517 neun Personen im Alter von über 14 Jahren, 1527 waren es – wohl Zeichen sich verschlechternder Auftragslage – nur noch fünf Personen. Schon bei der Einbürgerung erweist sich W. als in der Ulmer Künstlerschaft verwurzelt: Für seinen Leumund bürgten der Maler Hans Schüchlin ( 1505) sowie die Bildschnitzer Michel Erhart (um 1440–n. 1522) und Paul Lebzelter (bezeugt 1468–n. 1499). Seit 1481 zahlte W. Steuern, 1507–17 verausgabte er jährlich einen Gulden für einen Stuhl im Münster, 1522 wohnte er in einem Haus „Uf der Praitin“. Bei Bürgerneuaufnahmen bürgte er 1506 für einen Färber, 1510 für einen Steinmetzen, 1511 zusammen mit dem Bildschnitzer Daniel Mauch (um 1477–1540) für einen Kürschner, 1518 für einen Gastwirt und 1523 für einen Kramer. Wie alle Bildhauer und Maler der Stadt Ulm mußte sich W. der Kramerzunft angliedern, d. h. der Zunft der Ladeninhaber. Außerdem war er Mitglied der Bruderschaft der Wengenkirche, einer Vereinigung von Malern, Bildhauern, Glasern und Buchdruckern. In einer Urkunde wird er als Zwölfmeister, einer der zwölf Vorsteher, bezeichnet, wobei nicht sicher ist, ob sich diese Nachricht auf die Wengenbruderschaft oder die Kramerzunft bezieht, wahrscheinlicher ist letzteres. Die letzte archivalische Nachricht 1526 bezieht sich auf die Bürgeraufnahme seines Schwiegersohns. 1528 ist seine einzige Holzskulptur inschriftlich datiert, die sicher zu seinen letzten Werken gehört. Sein Todesdatum ist unbekannt.

    W.s Werk zeichnet sich durch starke Abstufungen der Qualität von herausragend (Mondsichelmadonna in Wien, Skulpturen aus Ochsenhausen in Bellamont) bis hin zu Werken von sehr mäßigem Niveau. Sicher waren zahlreiche Mitarbeiter in seiner Werkstatt tätig, auch sind Abwanderungen von Gesellen denkbar, die andernorts die Werkstattmuster verbreiteten. Das heute unter der Rubrik der Weckmannwerkstatt vereinigte Œuvre ist gekennzeichnet durch einen homogenen und überschaubaren Vorrat an Gewandmotiven und Figurentypen, die in immer neuen Kombinationen variiert wurden. Die Werkstatt war überaus effizient und in der Lage, innerhalb kurzer Zeit für die verschiedensten Anspruchsniveaus zu liefern. Dabei arbeitete sie mit den besten Ulmer Malern (Hans Schüchlin, Bartholomäus Zeitblom, Jörg Stocker) zusammen, lieferte für den lokalen Markt ebenso wie für schwäb. und bayer. Klöster und den Export nach Graubünden. In dieser Form erscheint sie als ein zeittypisches künstlerisches Phänomen: Die Produktion für eine massenhafte Nachfrage auf variablem Niveau findet sich auch in Würzburg bei Tilman Riemenschneider (um 1460–1531) oder in Nürnberg bei dem Maler Michael Wolgemut (1434–1519). Daß W. 1528 aus der Überlieferung verschwindet, läßt auf seinen Tod um diese Zeit schließen, doch war mit der Einführung der Reformation in Ulm 1531 auch die Zeit der massenhaften Skulpturenproduktion für Retabel vorbei.

  • Werke

    |u. a. Bellamont (Lkr. Biberach), Pfarrkirche, Retabelfiguren aus Ochsenhausen, 1496–99;
    Ulm, Münster, siebzehn hölzerne Portalfiguren am Gewände d. Westportals, kurz vor 1500;
    Alvaneu (Graubünden), Pfarrkirche, Hochaltarretabel, um 1500;
    Bingen (Lkr. Sigmaringen);
    Pfarrkirche, Retabel, um 1500;
    Adelberg (Lkr. Göppingen), Ulrichskapelle, Retabel, 1511;
    Retabel aus Thalheim, um 1518 (Stuttgart, Württ. Landesmus.);
    Sieben Passionsreliefs aus d. Kloster Zwiefalten, um 1520 (ebd.);
    Mondsichelmadonna, um 1520 (Wien, Kunsthist. Mus.);
    Alpirsbach (Lkr. Freudenstadt), Klosterkirche, Retabel, um 1520 / 25;
    Ulm, Münster, Hutzretabel, 1521;
    Reliefs vom Hochaltarretabel d. Klosters Wettenhausen, 1523 / 24 (München, Bayer. Nat.mus.);
    Neufra (Riedlingen, Lkr. Biberach), Pfarrkirche, Standbild d. Stephan v. Gundelfingen, signiert u. datiert 1528.

  • Literatur

    |J. Baum, Die Ulmer Plastik um 1500, 1911;
    G. Otto, Die Ulmer Plastik d. Spätgotik, 1927;
    W. Deutsch, Jörg Syrlin d. J. u. d. Bildhauer Niklaus W., in: ZWLG 27, 1968, S. 39–82;
    A. Schädler, N. W., Bildhauer zu Ulm, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst 3. F. 43, 1992, S. 39–92;
    Meisterwerke massenhaft, Die Bildhauerwerkstatt d. Niklaus W. u. d. Malerei in Ulm um 1500, Ausst.kat. Württ. Landesmus. Stuttgart, red. v. G. Weilandt, 1993 (mit Ed. aller bekannten Schriftqu. S. 479–83 [G. Weilandt] u. W-Verz. S. 484–89 [C. Lichte]);
    ThB;
    Dict. of Art.

  • Autor/in

    Gerhard Weilandt
  • Zitierweise

    Weilandt, Gerhard, "Weckmann, Niclaus" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 529-530 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119107392.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA