Lebensdaten
1813 bis 1888
Geburtsort
Bremen
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Anglist ; Literat ; Shakespeare-Forscher
Konfession
lutherische Familie
Normdaten
GND: 118983814 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Delius, Nikolaus
  • Delius, Nicolaus
  • Delius, Nikolaus

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Zitierweise

Delius, Nicolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118983814.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Everhard (1777–1866), Überseekaufmann, preußischer GKR, Eltermann in Bremen, 1800 Teihaber seines B Frdr. in Nachfolge ihres Onkels Arnold D., S des Frdr. Adolf s. Genealogie (1);
    M Magdalena (1793–1833), T des Nikolaus Gloystein (1750–1821), Eltermann der Kaufleute in Bremen, u. der Cath. Caesar aus Bremen;
    Ov Frdr. s. (1); Tante von Friederike s. Genealogie (4);
    Schw Luise ( 1860, ⚭ Christian Wätjen [ 1887], Überseekaufmann u. Reeder in Bremen); ledig.

  • Leben

    D. widmete sich an den Universitäten Bonn und Berlin sprachwissenschaftlichen Studien, die neben dem Sanskrit die romanischen Sprachen und das Englische umfaßten. Er promovierte 1838 in Bonn und habilitierte sich 1841 in Berlin, ging 1846 als Privatdozent nach Bonn, wo er 1855 zum außerordentlichen Professor und 1863 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Seine Bedeutung liegt auf dem Gebiet der Shakespeare-Forschung, doch beziehen sich seine Veröffentlichungen auch auf das Sanskrit und auf Teilgebiete der romanischen Philologie, darunter auch Dante. Seine größte Leistung war die kommentierte kritische Textausgabe sämtlicher Werke Shakespeares mit deutschen Anmerkungen und Einleitungen (7 Bände, 1854 bis 1861, 52 Bände, 1882). Ihr Text wurde für den englischen „Leopold-Shakespeare“ übernommen. Diese Ausgabe, die für einzelne Fragen auch jetzt noch mit Nutzen herangezogen werden kann, ist bis heute die einzige Gesamtausgabe Shakespeares mit ausführlicherem deutschen Kommentar und hat in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wesentlich dazu beigetragen, den Umgang mit dem Originaltext einem weiteren Publikum zu erschließen und Shakespeare nicht nur in der Schlegel-Tieckschen Übersetzung, sondern auch im englischen Text zu popularisieren. In seinen zahlreichen „Abhandlungen zu Shakespeare“ (2 Bände, 1878-87, 1889) hat D. mehrere wichtige Einzelaspekte der dramatischen Kunst Shakespeares zum ersten Mal untersucht. D., der auch einen Band „Gedichte“ (1853) veröffentlichte, war Präsident der deutschen Shakespeare-Gesellschaft und wurde bei seiner Emeritierung zum Geheimen Regierungsrat ernannt.

  • Literatur

    ADB XLVII (L);
    Nekr. in: Weserztg., 1888, Nr. 15 062, Mittagsausg.;
    Shakespeare-Jb. 24, 1889, S. 167-73 (P);
    J. Schipper, in: Engl. Stud. 14, 1890, S. 307-13 (W-Verz.);
    H. Tradel, in: Brem. Biogr. d. 19. Jh., 1912, S. 105-08. - Zu V Everhard: Herm. Delius (Stolberg), E. D., in: Delius'sche Fam.-Ztg. II/14, 1950, S. 7-10.

  • Autor/in

    Wolfgang Clemen
  • Empfohlene Zitierweise

    Clemen, Wolfgang, "Delius, Nicolaus" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 585-586 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118983814.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Delius: Nikolaus D., einer der bedeutendsten Shakespeare-Kritiker, wurde am 19. September 1818 in Bremen als der Sohn eines Kaufmanns geboren, besuchte das dortige Gymnasium und widmete sich dann auf den Universitäten in Bonn und Berlin sprachwissenschaftlichen Studien. Nachdem er 1838 in Bonn den Doctorgrad erworben und dort seine erste wissenschaftliche Arbeit „Radices pracriticae“ (1839) veröffentlicht hatte, die einen Anhang zu Lassen's grammatischem Werk über die Prâkritmundart bildet, kehrte er nach Bremen zurück, und hielt sich dann zu wissenschaftlichen Zwecken in England und Frankreich auf, worauf er sich 1841 in Berlin als Docent habilitirte. Nachdem er 1844—45 Mitredacteur der „Weser-Zeitung“ gewesen war, ging er 1846 als Privatdocent nach Bonn, wo er in der ersten Zeit über Sanskrit, dann aber über romanische und besonders über englische Litteratur las und schließlich das Studium der Werke Shakespeare's zu seiner Lebensaufgabe machte. Man darf wohl behaupten, daß er durch seine Arbeiten die Kritik und Erklärung der Werke des englischen Dichters in ganz neue Bahnen gelenkt hat. Neben seiner großen kritischen Ausgabe der „Werke" Shakespeare's (VII, 1853—61; mit Nachträgen 1865; 5. Ausg. II, 1882) und zahlreichen kleineren Arbeiten in Zeitschriften sind zu nennen: „Macbeth" (mit Varianten, Anmerkungen und Uebersetzung, 1841); „Die Tieck'sche Shakspere-Kritik" (1846); „Der Mythus von William Shakspere" (1851); „Shakspere-Lexikon" (1852); „Ueber das englische Theaterwesen zu Shakspere's Zeit" (1853); „Pseudo-Shakspere'sche Dramen" (II, 1856—74); „Collier's alte handschriftliche Emendationen zum Shakspere gewürdigt" (1853), worin er als der erste Deutsche die Irrthümer des Engländers J. Payne Collier aufdeckte, und endlich seine „Abhandlungen zu Shakspere" (II, 1878—87), eine Sammlung seiner, besonders im „Jahrbuch der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft“ veröffentlichten Beiträge. Seine Studien zur Kunde der romanischen Litteratur des Mittelalters hat er kundgegeben in der Ausgabe von Wace's altfranzösischer Dichtung „Saint Nicholas“ (1850), in den „Provençalischen Liedern" (1853) und in der Schrift „Der sardinische Dialekt des 13. Jahrhunderts“ (1868); auch eine Sammlung eigener „Gedichte“ (1853) veröffentlichte er. Im Jahre 1855 war D. außerordentlicher und 1863 ordentlicher Professor geworden. Er lehrte noch bis zum Jahre 1880, trat dann unter Verleihung des Charakters eines Geh. Reg.-Raths in den Ruhestand und lebte in der Folge nur noch vorübergehend in Bonn, wo er am 18. November 1888 starb.

    • Literatur

      Julius Gräfe, Bremer Dichter des 19. Jahrh. Bremen 1875, S. 62.

  • Autor/in

    Franz Brümmer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Brümmer, Franz, "Delius, Nicolaus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 653 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118983814.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA