Lebensdaten
1573 bis 1646
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118706462 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Holl, Elias

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Zitierweise

Holl, Elias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706462.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (s. 2);
    M Barbara Hohenauer;
    1) Augsburg 2.5.1595 Maria ( 1608), T d. Metzgers Christian Burkart, 2) ebd. 20.5.1608 Rosina ( 1635), T d. Gürtlers Tobias Reischle;
    8 K aus 1), 13 K aus 2), u. a. Elias (1611–57), Maler in A. (s. L), Hieronymus (1614–79), Goldschmied, seit 1649/51 in Danzig, Matthäus (1620–81), Baumeister, Wasser- u. Grottenwerkmechaniker in Schweden, 3 andere Söhne erlernten d. Goldschmiedehandwerk;
    E Hieronymus (1654–1732), Goldschmied in Danzig (s. Altpreuß. Biogr.).

  • Leben

    In der Lehre und Obhut seines Vaters gewinnt H. früh Förderung durch dessen Bauherren: Seit 1586 arbeitet er schon an Bauausführungen mit. Ein merkwürdiges Jugendwerk ist die Terrakotta-Dekoration des Hauses Maximilianstraße 21 in Augsburg (1590). 1594/95 übernimmt H. die Nachfolge seines Vaters; selbständig ist er an patrizischen Bauten in Kissing (Friedberg) und Wellenburg (Augsburg) tätig. 1596 besteht er die Meisterprobe des Maurerhandwerks. Nach einer Reihe gediegener Hausbauten darf er von November 1600 – Januar 1601 mit einem Augsburger Kaufmann nach Venedig reisen. Die Bewährung am Gießhaus in Augsburg (1601) und der Bau des Beckenhauses am Perlachberg (1602) bringen 1602 die Ernennung zum Stadtwerkmeister. Erste Aufgaben sind der Neubau des Zeughauses (1602/07), das Wertachbrucker-Tor (1605), das Siegelhaus (1605/06) und die Metzg (1606–09). Eine mittlere Gruppe bilden die zwei Wassertürme beim Jakobertor (1609), das Kaufhaus an der Heiligen-Grab-Gasse (1610–13), das Annagymnasium (1613–16), der „Neue Bau“ am Perlach (1614) und die Neugestaltung des Perlachturms (1614–16). Seit 1610 beschäftigt sich H. intensiv mit Planungen zum Um- und Neubau des Rathauses. der 1615-20 ausgeführt wird. Der Spätzeit gehören der Rote-Tor-Turm (1622) und das 1625 begonnene Heilige-Geist-Spital an. Neben den profanen Aufgaben stehen auch einige kirchliche: im Bereich der Stadt Augsburg der Turm von Sankt Anna (1602), die katholische Friedhofkirche Sankt Michael (1603/04, ein durch italienische Eindrücke beeinflußter Ovalbau), Arbeiten an Evangelisch Sankt Ulrich (1616 und 1625) und andere. H. empfängt auch Aufträge selbständiger katholischer Bauherrschaften: zum Rundbau (Altarhaus) der Wallfahrtskirche Klosterlechfeld bei Schwabmünchen (1601/02), zur Stützung des südlichen Turms des Doms (1609) und zum Turm der Stiftskirche Sankt Stephan in Augsburg (1619), in der Umgebung zur Kirche von Lützelburg und zum Kirchturm von Oberhausen-Augsburg. Dazu kommen weitere auswärtige Berufungen: an die Schloßbauten Schwarzenberg bei Scheinfeld (1607, Brand) und Haunsheim bei Dillingen, 1609 nach Neuburg an der Donau (wohl zur Befestigung), im gleichen Jahr nach Eichstätt zur fürstbischöflichen Willibaldsburg (dem imposantesten Werk H.s außerhalb Augsburgs), 1616 wieder nach Neuburg, 1619 und 1625 nach Dillingen (Beratung zur Pfarrkirche beziehungsweise Umbau der Akademie), 1626 nach Innsbruck (als Gutachter für die Jesuitenkirche).

    Im Vollzug des Restitutionsedikts verliert H. 1631 das Stadtwerkmeisteramt. 1632 wird er zurückberufen zu angestrengter Tätigkeit an der von den Schweden angeordneten Neubefestigung Augsburgs (bis 1634). Nach dem abermaligen politischen Wandel muß er 1635 das Stadtwerkmeisteramt wieder aufgeben. – Im Werkmeisteramt führte H. das ganze Hoch- und Tiefbauwesen Augsburgs. Mit gründlichen Kenntnissen in Maurer- und auch Zimmermannshandwerk, in Technik und Geometrie meisterte er sämtliche Aufgaben, auch solche stadtplanerischer Art. Zeichnungen und Manuskripte erweisen vielseitige und gründliche theoretische Interessen.

    H.s Schaffen ist in dem von seinen Vorfahren ausgeübten bürgerlichen Bauhandwerk begründet. Den vom Vater vorbereiteten Aufstieg zur „Kunst“ geht er zielsicher weiter. Dabei hat die nur kurze Italienreise weder eine Krise noch eine entscheidende stilistische Wandlung gebracht. Die 1603-11 an Zeughaus, Siegelhaus, Metzg, Kaufhaus und Perlach-Loggia („Neuer Bau“) gegebene Zusammenarbeit mit dem Maler-Architekten Joseph Heintz, dem gelehrten „Bauherrn“ Matthäus Welser und dem Maler Matthias Kager stellt H. in Verbindung mit Ideen des italienischen Kunstbaus, die hauptsächlich der außenarchitektonischen Durchgliederung und kultivierten Repräsentation gelten. Auch davon|bleiben H.s Stilentwicklung und Haltung ungebrochen. Er gewinnt die Gestalt nicht durch Übernahme italienischer Einzelformen und Systeme, sondern durch die volle und ernste Wahrnehmung des Zwecks und Sinns der jeweiligen Aufgabe, auch ihrer Lage. Die großartigste Leistung ist das Rathaus, das die Existenz, Verfassung und Ethik des Stadtstaats verkörpert und vergeistigt. Der eigene Charakter läßt H.s Kunst nicht leicht und eindeutig in die allgemeine Stilentwicklung einordnen. Nach der am Beckenhaus noch erkennbaren Spätphase einer Augsburger Renaissance wendet er sich bald von aller Äußerlichkeit und Kleinteiligkeit ab. Das Annagymnasium, besonders das Rathaus und noch das Heiliger-Geist-Spital sind Schöpfungen einer selbständigen Baumeisterschaft, die Deutsches (spezifisch Schwäbisch-Augsburgisches) und Italienisches ohne Schwäche und Zwiespalt verbindet und mit der Baukörper- und Raumkomposition des Rathauses dem Barock nahekommt.

  • Literatur

    s. L z. Gesamtfam.

  • Portraits

    Gem., 1613 (Augsburg, Städt. Kunstslgg.), Abb. in: Die Gr. Deutschen im Bild, 1937;
    Kupf. v. L. Kilian, 1619 (München, Stadtmus., Maillinger Bilderchronik), Abb. b. N. Lieb, Lb. a. d. Bayer. Schwaben, s. L;
    im ehem. Deckenbild v. M. Kager „Allegorie d. Architektur“ im „Goldenen Saal“, 1619/20, u. v. H. Freyberger in d. „Allegorie auf d. Bauwesen“ im Rathaus v. Augsburg, zw. 1620 u. 23.

  • Autor/in

    Norbert Lieb
  • Empfohlene Zitierweise

    Lieb, Norbert, "Holl, Elias" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 531 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706462.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA