Lebensdaten
1790 bis 1863
Geburtsort
Hanau
Sterbeort
Kassel
Beruf/Funktion
Maler ; Zeichner ; Radierer ; Kupferstecher
Konfession
hessisch-reformierte Familie
Normdaten
GND: 118697781 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grimm, Ludwig Emil
  • Grimm, Emil
  • Grimm, L. E.
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Zitierweise

Grimm, Ludwig Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118697781.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Jacob (s. 1), Wilhelm (s. 2);
    1) Kassel 1832 Marie (1803–42), T d. Hofmalers Wilh. Böttner (1752–1805) in K. (s. ThB), 2) 1845 Friederike (1806–94), T d. Christoph Frdr. Wilh. Ernst (1765–1855), Gen.-Sup. u. Hofprediger in K.;
    1 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    Die erste künstlerische Ausbildung erhielt G. an der Kasseler Akademie (I. G. Kobold und A. Range) und durch privaten Malunterricht bei dem Galerieinspektor E. F. F. Robert. Nach einem kurzen Aufenthalt in Heidelberg (1808) – dort illustrative Mitarbeit an Arnims und Brentanos „Zeitung für Einsiedler“ – ging er 1809 an die Münchener Akademie, wo der Kupferstecher K. Heß sein Lehrer war. Durch Teilnahme am Frankreichfeldzug 1814 und eine Italienreise 1816 wurde die Münchener Studienzeit unterbrochen. 1817 kehrte G. nach Kassel in das Heim der älteren Brüder zurück. Erst 1832 erhielt er eine Anstellung an der dortigen Akademie. Er hat Kassel, abgesehen von kürzeren Reisen zu Gönnern, Freunden und Verwandten, nicht mehr verlassen. – Auffallende Züge im Wesen des Künstlers waren ein bereits in der Kindheit stark ausgeprägtes Verhältnis zur Natur und eine große Anhänglichkeit an die Familie. Landschaft, Blume und Tier, Typen und Charakterköpfe sind neben zahlreichen Bildnissen – vor allem von Familienmitgliedern – die Hauptthemen seiner volkstümlichen Kunst. Seine malerischen Werke sind kaum von hoher künstlerischer Bedeutung, während Zeichnungen und Graphik durch ihren feinen Strich und die lockere Modellierung bestechen. Am besten sind seine Bildnisse, darunter zahlreiche Persönlichkeiten der Romantik. Die religiösen Darstellungen sind flaue nazarenische Produkte; auch werden die Gelegenheits- und familienbezogenen Karikaturen vielfach überschätzt. In seinen naturalistischen Schildereien wie in schlichtinnigen Märchenillustrationen erweist sich G. als „ein schönes Talent“ (Sulpiz Boisserée).

  • Werke

    W Verz. s. Andresen-Wessely, Die Maler u. Radierer d. 19. Jh., 1878, S. 117-96;
    Erinnerungen a. m. Leben, hrsg. u. erg. v. A. Stoll, 1910 (W-Verz. S. 599-627), Neuausg. v. W. Praesent, 1950 (Abb. u. Farbtafeln);
    E. Preime, Nachträge u. Zusätze zu d. Stoll'schen Verz. d. Radierungen v. L. E. G. mit 9 Abb., in: Die graph. Künste NF 7, 1942/48, S. 50-62. - Reisetagebuch in Bildern, Faks.druck in Originalgestalt u. -größe (9 Meter langer Bildband mit Geleitwort u. Anm.), hrsg. v. W. Praesent, 1932;
    Kurze Lebensbeschreibung e. merkwürdigen u. liebevollen Sau, gezeichnet in Ihringshausen 1849, Faks.druck mit Zeichnungen in Originalgestalt u. -größe, hrsg. v. K. Vötterle, 1938;
    Carlemann u. Ideken, 28 Kinderzeichnungen v. L. E. G., hrsg. v. dems. mit Geleitwort (14 S.) v. W. Praesent [1939];
    Geschehenes u. Gesehenes, Heitere Zeichnungen v. L. E. G., hrsg. v. H. Franck u. W. Strauss, 1951.

  • Literatur

    ADB IX;
    W. Praesent, Briefe d. Malers L. G. nach Steinau, in: Unsere Heimat, 1930, Nr. 17/18;
    ders., Im Hintergrund Steinau, in: Hess. Bll. f. Volkskde. 54, 1963, S. 49-67;
    E. Probst, Die deutsche Ill. d. Grimmschen Märchen im 19. Jh., Diss. Würzburg 1935, S. 14-19;
    M. Lippe, L. E. G. u. d. Haxthausener Kreis, in: Westfalen, Hh. z. Gesch., Kunst u. Volkskde. 23, 1938, S. 154-75, Tafeln XVI-XXX (Abb. 25-56);
    I. Bang, Die Entwicklung d. dt. Märchenill., 1944, S. 34-37, Abb. 45-49;
    W. Schoof, Goethe u. d. Maler L. E. G., in: NF d. Jb. d. Goetheges. 19, 1957, S. 203-10;
    K. Dielmann, Märchenill. v. L. E. G., in: Hanauer Gesch. Bll. 18, 1962, S. 281 ff. (mit 30 Abb.);
    L. Denecke, Kat. d. Ausstellung d. Brüder-Grimm-Mus. in d. Murhard'schen Bibl. d. Stadt Kassel u. Landesbibl., 1960;
    Kat. d. Ausstellung L. E. G. 1790-1863 im Goldschmiedehaus Hanau v. 4.4. - 1.5.1963 (mit Handzeichnungen, Aquarellen, Ölbildern, Radierungen a. d. Hist. Mus. Hanau, 32 Abb.);
    ThB;
    H. Biehn, in: Lb. aus Kurhessen u. Waldeck IV, 1950, S. 106-20 (L, P).

  • Portraits

    Selbstbildnis (Radierung), 1813 (Düsseldorf, Goethe-Mus.). Abb. in Lb. a. Kurhessen …, s. L.

  • Autor/in

    Heinz H. Biehn
  • Empfohlene Zitierweise

    Biehn, Heinz H., "Grimm, Ludwig Emil" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 81 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118697781.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Grimm: Ludwig Emil G., Maler und Kupferstecher, jüngerer Bruder von Jacob und Wilhelm G., geboren zu Hanau am 14. Mai 1790, begann seine künstlerischen Versuche und Studien in Kassel, wo er mit den nach dem Tode der Eltern treu zusammenhaltenden Geschwistern lebte. 1808 ging er nach München, um sich unter Heß, besonders in der Kupferstechkunst, weiter zu bilden. Von Bedeutung wurde ihm damals, neben dem genannten Meister, der nach Landshut berufene Savigny und dessen Familie. 1808 zeichnete und radirte G. den ausgezeichneten Gelehrten, seine Frau und deren Schwester Bettine. Ueber das Bild der letzteren schrieb Goethe „schön und theilnehmend“ und er bewahrte dem Künstler fortan freundliches Interesse. 1814 verließ dieser München und nahm als Offizier Theil an dem Feldzug gegen Frankreich. Zurückgekehrt weilte er in Kassel, dann seit Juli 1815 wieder für kurze Zeit in München. 1818 wurde die selbstverständliche Pilgerfahrt nach Italien ausgeführt, in Gesellschaft Georg Brentano's, des jüngsten Bruders der Bettine. Nicht länger als zwei Monate dauerte die Reise; dennoch gewährte sie reichen Ertrag. Seit October 1817 verließ G. die hessische Heimath für die Dauer nicht wieder, er lebte mit den inzwischen berühmt gewordenen Brüdern zu Kassel und der Verkehr mit bedeutenden Menschen, welche durch jene angezogen wurden — die geistigen Größen des nahen Göttingen und die westfälische Familie v. Haxthausen seien beispielsweise erwähnt — kam auch dem jüngeren Bruder zu gute. 1833 erhielt dieser eine Professur und das Lehramt in der historischen Malklasse der Kasseler Akademie. Das J. 1837 vereinigte nach siebenjähriger Trennung die von Göttingen vertriebenen Brüder Jacob und Wilhelm wieder in Kassel mit Ludwig, wo sie in dem herrlich gelegenen Hause des Letzteren beisammen wohnten, bis jene 1840 nach Berlin berufen wurden. Ludwig lebte dann in stiller Zurückgezogenheit seiner Kunst und seiner Familie (er war zwei Mal verheirathet); er starb am 4. April 1863 in Kassel. G. war persönlich und künstlerisch seinen Brüdern Jacob und Wilhelm wesensverwandt, auch in ihm steckte ein gut Theil jener Feinfühligkeit für das Unmittelbare, Naive, speciell für das Volksleben, welcher wir die „Kinder- und Hausmärchen“ und so viel anderes Unschätzbares verdanken. G. besaß ein helles Auge für die Poesie des gesunden Naturlebens und ein Hauch von Romantik der erfreulichsten Art liegt über zahlreichen seiner Werke. Diese ihm gemäße Richtung erfuhr jedoch eine vorübergehende Störung durch die Einflüsse der reactionären altdeutschen Kunstrichtung. G. hat diese Einwirkungen durch sein gesundes Naturell überwunden und viele seiner Zeichnungen, radirten Blätter und Gemälde lassen ihn als einen der liebenswürdigsten und trefflichsten Künstler seiner Epoche erkennen, wie er als Mensch die gleichen Bezeichnungen verdiente.

  • Autor/in

    ….
  • Empfohlene Zitierweise

    Kelchner, Ernst, "Grimm, Ludwig Emil" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 689-690 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118697781.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA