Lebensdaten
1663 bis 1744
Geburtsort
Venedig
Sterbeort
Stift Heiligenkreuz bei Wien
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118695177 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Giuliani, Giovanni Pietro
  • Giulliani, Giovanni
  • Giulliani, Giovanni Pietro
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Zitierweise

Giuliani, Giovanni, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118695177.html [20.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Bäcker (?);
    B Anton (1659–1709), kaiserl. Hofkammermusiker (s. ADB IX);
    Wien 13.1.1693 ( 1705) Anna Felicitas, T d. Lustgärtners Gg. Grässl; außerehel. K.

  • Leben

    Der zu den bedeutendsten Bauplastikern und Holzbildhauern des österreichischen Barock zählende G. steht am Anfang der Reihe oberitalienischer Bildhauer, die in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts nach Wien kamen und hier eine führende Rolle spielten. Vermutlich Schüler des Giuseppe Mazza in Venedig und Bologna, war er später in München in der Werkstatt des Andreas Faistenberger tätig gewesen. Um 1690 kam er nach Wien, wo er zunächst einige (nicht erhaltene) Statuen für den Garten des Fürsten Montecuccoli anfertigte. Am 22.4.1695 legte er den Bürgereid ab. Neben gelegentlichen Arbeiten für die Grafen Traun (Schloß Petronell) und Strattmann (Neuwaldegg) widmete sich G. hauptsächlich den ihm von Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein gestellten Aufgaben, vor allem den Statuen und Dekorationselementen für dessen Stadtpalais und den Gartenpalast „in der Rossau“. Bereits seit 1694 arbeitete G. aber auch schon für dasZisterzienserstift Heiligenkreuz, dem er seit 25.2.1711 bis zu seinem Tode als Familiaris (Laienbruder) angehörte. Kontraktgemäß stand der Bildhauer dem Stift nunmehr vollauf zur Verfügung und schuf in den folgenden Jahrzehnten reichen plastischen Schmuck für Heiligenkreuz sowie für in Niederösterreich und Wien gelegene Besitztümer des Stiftes. Das Stiftsmuseum bewahrt außer vielen Holzfiguren und Reliefs über 100 Tonmodelle G.s aus allen Schaffensperioden. – In der Frühzeit noch manieristisch beeinflußt, findet G. bald zu einem hochbarocken Dekorationsstil von fast musikalischem Rhythmus und einer malerischen Bewegtheit, die an die Fläche gebunden bleibt und sich der Gesamtwirkung der Architektur harmonisch einordnet. In den Alterswerken trockener und steifer werdend, findet er mit den letzten Bozzetti zu neuer Monumentalität. Die Anerkennung durch seine Zeitgenossen wird durch die große Zahl der Werke und deren zentrale Standorte belegt, ferner durch seinen weithin spürbaren Einfluß. Sein bedeutendster Schüler, R. Donner, nahm seinen Stil in sich auf und verarbeitete ihn zu etwas grundsätzlich Neuem.

  • Werke

    u. a. Attikafiguren, Fassaden- u. Stiegenhausstatuen u. Gruppen im Stadtpalais Liechtenstein in Wien, 1697-1705;
    Attikafiguren am Liechtensteinschen Stallgebäude Eisgrub (Mähren), 1700;
    Attikafiguren, Statuen u. Dekorationsarb. f. d. Liechtenstein. Gartenpalais in Wien (Rossau), ca. 1705-09;
    - Figuren zu d. Choraltären d. Stiftskirche Heiligenkreuz, 1694-96;
    Ölberggruppe in Gaaden b. Heiligenkreuz, 1699;
    Fußwaschungsgruppen in Heiligenkreuz, 1705;
    Chorgestühlskulpturen in d. Stiftskirche ebd., 1707/1709;
    Orgelskulpturen ebd., 1721;
    Steinplastiken im Heiligenkreuzerhof in Wien, 1729;
    Kreuzwegfiguren in Heiligenkreuz, seit 1731 (starke Werkstattbeteiligung);
    Dreifaltigkeitssäule (1737–39) u.|Josefsbrunnen (1739) im Stiftshof Heiligenkreuz.

  • Literatur

    ADB IX;
    V. Fanti, Kat. d. fürstl. Liechtenstein. Gal., Wien 1767;
    H. Tietze, Österr. Kunsttopogr. II u. Beih. zu I, 1907;
    ders., Die Dt.ordenskirche in Wien, in: Jb. d. Zentralkomm. III, 1909, S. 167;
    F. Wilhelm, Neue Qu. z. Gesch. d. Liechtenstein. Kunstbes., ebd. V, 1911, Beibl.;
    ders., Ber. üb. kunstgeschichtl. Funde im Hausarchiv d. reg. Fürsten v. Liechtenstein, ebd. VIII, 1914, Beibl.;
    E. Tietze-Conrat, Die Bronzen d. fürstl. Liechtenstein. Kunstkammer, in: Jb. d. Kunsthist. Inst. d. k. k. Zentralkomm. f. Denkmalpflege, 1917, S. 16-108;
    E. Morpurgo, G. G. e la sua scuola, in: Gazzetta di Venezia v. 6.11.1920;
    ders., I busti sul coro del monastero di S. Croce in Austria, in: Bolletino d'arte del Ministero della pubblica istruzione Serie II, 4, Rom 1925, S. 364-70;
    D. Frey, Die Denkmale d. Stiftes Heiligenkreuz, in: Österr. Kunsttopogr. 19, 1926 (P);
    H. Gollob, G. in Petronell, in: Unsere Heimat 15, 1942;
    dies., Eine Arb. G.s, ebd. 17, 1946;
    E. Baum, G. G. (in Vorbereitung);
    ThB.

  • Portraits

    Ölbild in Stift Heiligenkreuz, der Tradition nach G. darstellend, Abb. in: Österr. Kunsttopogr. 19, 1926.

  • Autor/in

    Elfriede Baum
  • Empfohlene Zitierweise

    Baum, Elfriede, "Giuliani, Giovanni" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 417 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118695177.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Giuliany: Giovanni G., Bildhauer, geboren zu Venedig 1664, gestorben im Stifte Heiligenkreuz bei Wien am 5. September 1744. G. verdient hier namentlich als Meister des berühmtesten österreichischen Bildhauers Donner einen Platz; er gehörte jener Schule der venetianer Bildhauer an, aus welcher Corradini, Canavese, Carredea u. A. hervorgingen. Mit diesen Künstlern zog er gegen Schluß des 17. Jahrhunderts nach Wien, um hier, wo nach der verheerenden Türkeninvasion wieder eine allgemeine Bau- und Kunstthätigkeit begann, Beschäftigung zu finden. Vom J. 1694—1711 lebte er im Stifte Heiligenkreuz als bezahlter Bildhauer und schmückte den Hochaltar der Kirche und verschiedene andere Denkmale mit seinen plastischen Arbeiten; endlich ergab er sich ganz dem beschaulichen Klosterleben und schloß im J. 1711 einen Contract mit dem Stifte, wonach er als Laienbruder in die Abtei trat, dieser seine ganze künstlerische Kraft widmete, dagegen aber vom Kloster Unterhalt und sonstige Begünstigungen genoß. War G. auch kein Classiker des Bildhauerfaches, die man ja damals überhaupt vergeblich suchte, so besaß er immerhin große fachliche Kenntnisse, dann waren seine Anschauungen gegenüber jenen seiner Fachgenossen weitaus geklärter und naturalistisch durchgebildeter, wozu freilich der lange Aufenthalt in der stillen Abtei, die inmitten einer herrlichen Landschaft, ferne von der künstlerisch, wie gesellschaftlich überwuchernden Hauptstadt liegt, vielfach beitrug. Im J. 1707 nahm G. Georg Raphael Donner zu seinem Schüler auf; drei Jahre dürfte der Jüngling bei dem wälschen Meister zugebracht haben und — obwol die Erstlingswerke Donner's noch deutliche Reminiscenzen an die italienische Schule zeigen, kann nicht geleugnet werden, daß Donner von G. seine reinere Kunstweise geerbt habe. Von Giuliany's Arbeiten in Heiligenkreuz haben sich noch die Statuen des Kreuzweges erhalten; doch sind nicht alle diese Figuren von seiner Hand ausgeführt (s. darüber meinen|Aufsatz in den Mittheilungen der kaiserlichen Centralcommmission, 1877). Von eben diesen Arbeiten haben sich einige Modelle Giuliany's in Heiligenkreuz vorgefunden, treffliche, kühne Arbeiten, voll naturalistischer Auffassung und verständiger Anatomie. Im Kreuzgange des Stiftes findet sich die Gruppe „Die Fußwaschung“, in Holz ausgeführt, wozu sich gleichfalls das Modell noch erhalten hat. Die sonstigen größeren Arbeiten des Künstlers, wie die Altäre in der Kirche zu Heiligenkreuz mußten im J. 1874 den Restaurationsarbeiten weichen.

    Des Künstlers älterer Bruder Anton G., geboren zu Venedig im J. 1659, gestorben zu Wien am 17. August 1709, war kaiserlicher Hofkammermusiker und Compositeur. Ein reisender Franzose, der im J. 1699 Wien besuchte und hier den Künstler hörte, rühmt dessen musikalisches Talent. In gleichzeitigen Archivalien werden mehrere seiner Compositionen angeführt, erhalten hat sich davon nur eine, eine namenlose Cantata à 3 voci.

  • Autor/in

    Kabdebo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kábdebo, Heinrich, "Giuliani, Giovanni" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 204-205 unter Giuliany [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118695177.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA