Lebensdaten
1838 bis 1909
Geburtsort
Bleicherode (Harz)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Orientalist ; Alttestamentler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116912154 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Merx, Adalbert
  • Merx, A.
  • Merx, Ad.
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Merx, Adalbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116912154.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Wilhelm (1809–43), Rektor u. Nachmittagsprediger in B., S d. Kaufm. Heinrich u. d. Juliane Kindling;
    M Eulalia (1811–1908), T d. Dr. Johann Gottfried Hoche, Sup. u. Konsistorialrat. u. d. Luise Charlotte Berning;
    Stuttgart 1873 Sophie (1841–1915), Wwe d. Georg Ernst Matthias Döderlein, Großkaufm. in St. Petersburg, T d. Johann Christian Curtius (1805–52) aus Bremen, Großkaufm. in St. Petersburg, u. d. Cäcilie Wilhelmine Meier;
    2 T Elisabeth (1874–1945, Julius Ruska, 1867–1949, Wissenschaftshistoriker, Honorarprof. an d. Univ. Berlin, s. Rhdb.), Gisela (1875–1965, Max Wolf, 1863–1932, Dr. phil., GHR, Prof. d. Astronomie in H., s. D. Drüll, Heidelberger Gelehrtenlex. 1803-1932, 1986): E Ernst Ruska (1906–88), Prof. d. Elektrotechnik an d. Univ. Berlin, Physik-Nobelpreisträger 1986, Helmut Ruska (1908–73), Prof. u. Dir. d. Inst. f. Biophysik an d. Univ. Düsseldorf, Walter Ruska (* 1904), Prof. d. Physik in Houston (Texas), Hedwig Ruska (* 1912, Bodo v. Borries, 1905–56, Prof. f. Physik an d. TH Aachen), Franz Wolf (1898–1984), Prof. f. Physik an d. TH Karlsruhe.

  • Leben

    Nach der Gymnasialzeit in Halberstadt erhielt M. 1851 eine Freistelle an der Landesschule Pforta. Neben der humanistischen und philosophischen Ausbildung lernte er unter Anleitung seines Lehrers Karl Steinhart Syrisch und Arabisch, dazu Englisch, Französisch und Italienisch. Im Sommer 1857 nahm er in Marburg das Studium der Theologie und Philologie auf, beeinflußt besonders von dem Alttestamentler Franz Dietrich. Bei Johannes Gildemeister lernte er Sanskrit und erweiterte seine orientalischen Sprachkenntnisse. Vier Semester verbrachte M. in Halle, dem damaligen Zentrum biblisch-orientalischer Studien. Dort waren seine Lehrer vor allem der Semitist E. Rödiger, der Alttestamentler H. Hupfeld, ein Vertreter der historisch-kritischen Richtung, und der Arabist F. A. Arnold. 1861 wurde M. in Breslau mit der Dissertation „Melemata Ignatiana, Critica de epistularum Ignatianarum versione syriaca commentatio“ (1862) zum Dr. phil. promoviert. In der aufsehenerregenden Arbeit wies er nach, daß alle unter dem Namen des Ignatius laufenden Schriften unecht sind, der Syrus Curetonianus dagegen den echten Ignatiustext enthält. 1862 ging M. nach Berlin und beendete seine Studien 1864 mit dem Erwerb der theologischen Licentiatenwürde (ungedr. Diss. „De Jobeide“). An der Theologischen Fakultät der Univ. Jena habilitierte er sich 1865 mit der Schrift „Cur in libro Danielis iuxta hebraeam aramaea adhibita sit dialectus explicatur“. Den Sprach Wechsel im Danielbuch erklärte er damit, daß die aramäisch geschriebenen Teile für das einfache Volk, die hebräisch geschriebenen für Gelehrte bestimmt gewesen seien. Neben alttestamentlichen Kollegs las er in Jena auch über Arabisch, Neupersisch und Äthiopisch. 1869 zum ao. Professor ernannt, wurde M. noch im selben Jahr an die Philosophische Fakultät in Tübingen als Nachfolger Julius v. Mohls auf eine o. Professur für semit. Sprachen berufen.

    Die Theologische Fakultät Gießen berief M. 1873 auf einen Lehrstuhl für Altes Testament. 1875 nahm er einen Ruf nach Heidelberg als Nachfolger des Alttestamentlers Ferdinand Hitzig an. In den 36 Jahren seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit in Heidelberg deckte der als Polyhistor und Sprachgenie angesehene und international renommierte M. die gesamte Breite seines Faches ab und widmete sich schließlich mit seinem späten Hauptwerk „Die vier kanonischen Evangelien nach ihrem ältesten bekannten Texte“ (2 Teile in 4 Bänden, 1897–1911) auch dem Neuen Testament. Mit dem Nachweis der Bedeutung der Textkritik (vor allem auch unter Einbeziehung oriental. Texte) aufgrund des 1892 gefundenen Sinaisyrers setzte M. fort, was er sein Leben lang als Grundlage aller wissenschaftlichen Bemühungen um biblische Texte gefordert hatte: die Herstellung eines zuverlässigen Textes auf der Basis einer breiten und solide begründeten Textkritik. In diesen Zusammenhang gehören auch seine Bemühungen um eine auf den Prinzipien der historisch-kritischen Schule basierende wissenschaftliche Textausgabe des Alten Testaments, die insbesondere die Septuaginta zu berücksichtigen habe. Durch seine 1865 in der Protestantischen Kirchenzeitung anonym erschienenen „Aphoristischen Bemerkungen über die Pentateuchkritik“ hat er schon früh die schließlich von Wellhausen vorgenommene entwicklungsgeschichtliche Betrachtung des Alten Testaments konzipiert. Für die Prophetenkritik bahnbrechend erwies sich das 1879 vorgelegte Werk „Die Prophetie des Joel“. M. erkannte als erster das apokalyptische Genre prophetischen Schrifttums und wies nach, daß das Buch Joel nur in nachexilischer Zeit entstanden sein kann. Das von ihm 1867 begonnene „Archiv für wissenschaftliche Erforschung des Alten Testamentes“, die erste Fachzeitschrift für das Alte Testament, mußte 1872 eingestellt werden.

    M. war in Heidelberg sechsmal Dekan der Theologischen Fakultät und 1892 Prorektor der Universität. Er war Mitglied im Protestantenverein und Begründer des Heidelberger Zweigvereins des Evangelischen Bundes. M. starb bei der Trauerfeier für seinen Freund und Kollegen, den Kirchenhistoriker Adolf Hausrath, unmittelbar nachdem er die Gedenkrede der Fakultät beendet hatte.|

  • Auszeichnungen

    D. theol. (Jena 1872); GHR (1892), Geh. Rat II. Kl. (1905); Doctor of Literature (Univ. Dublin); Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1909).

  • Werke

    Weitere W Grammatica syriaca, 2 T., 1867-70;
    Das Gedicht v. Hiob, 1871;
    Eine Rede v. Auslegen ins Besondere d. Alten Testaments, 1879;
    Chrestomathia targumica, 1888;
    Idee u. Grundlinien e. allg. Gesch. d. Mystik, 1893;
    Die Bücher Moses u. Josua, 1907.

  • Literatur

    O. Herrigel, Zum Gedächtnis v. A. M., in: Prot. Monatshh. 14, 1910, S. 41-50, 89-103 (W-Verz.);
    ders., in: Bad. Biogrr. 6, 1935, S. 44-56;
    G. Beer, in: BJ 14, 1912, S. 28-32;
    ders., in: PRE 24, S. 88-90;
    A. Schmitthenner, A. M. z. Gedächtnis, in: Bad. Pfarrvereinsbll. 1959, Nr. 2, S. 1-3;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex..

  • Portraits

    Bilderslg. im Univ.archiv Heidelberg;
    Graph. Slg. d. Univ.bibl. Heidelberg;
    Kurpfälz. Mus. Heidelberg.

  • Autor/in

    Klaus Breuer
  • Empfohlene Zitierweise

    Breuer, Klaus, "Merx, Adalbert" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 194 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116912154.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA