Lebensdaten
1852 bis 1934
Geburtsort
Brieg (Schlesien)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Liedforscher
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 116797673 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Friedländer, Max

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Zitierweise

Friedländer, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116797673.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinr., Kaufm. u. Stadtrat in Brieg;
    M Marie Ölsner;
    B Karl (1847–87), Prof., pathol. Anatom, erforschte d. tuberkulöse Genese d. Lupus (s. ADB 48; BLÄ);
    Alice (* 1864), T d. Adam Politzer ( 1920), Prof. d. Med. in Wien.

  • Leben

    Eine schöne, kräftige Baßstimme führte F. aus dem heimischen Tuchladen als Schüler des jüngeren M. Garcia (London) und J. Stockhausens (Frankfurt am Main) als Lieder-, Balladen- und Oratoriensänger auf das Konzertpodium. In Wien regte ihn der glückliche Erwerb von Schubertautographen zu seinen noch heute nützlichen Revisionen der Peters-Alben von Gesängen Mozarts, Beethovens, Schuberts, Loewes, Schumanns und so weiter an; er erwarb ohne Abitur als Schüler Ph. Spittas 1887 den Doktorgrad in Rostock mit Schubertstudien, revidierte das Kommersbuch mit Anmerkungen und kam so zur Erforschung des deutschen Volks- und Kunstliedes. Er habilitierte sich 1894 an der Universität Berlin für Musikwissenschaft und brachte es schließlich als persona grata Wilhelms II., dessen Volkslied- und Männerchorinteresse F. weckte, zum Geheimrat (1908) und Honorarprofessor (1918), auch akademischer Musikdirektor der Berliner Universität. Er wurde Sekretär, später Leiter des preußischen Volksliedausschusses, der die sogenannte Kaiserliederbücher betreute und während des 1. Weltkrieges mit dem Verband der Volkstumsvereine (John Meier) Volksliedheftchen, auch solche landschaftlicher Art, weithin verbreitete. F. gab ferner 2 Sammlungen Goethevertonungen heraus (1896 und 1916, = Schriften der Goethe-Gesellschaft 11 und 31), und es glückte ihm der Nachweis, daß das angeblich Mozartsche Wiegenlied von B. Fließ stammt. In seinem 3bändigen Werk „Deutsches Lied im 18. Jahrhundert“ (1902) wies er unter anderem Valentin Rathgeber als Herausgeber des Augsburgischen Tafelkonfekts nach. Anderes (W. von Zuccalmaglio) ist seither widerlegt worden. Gleichwohl bleiben F. große Verdienste: er hat durch hunderte von lebensvollen Vorträgen die Liebe zu den Klassikern des deutschen Liedes im gebildeten Publikum vertieft. In der Musikwissenschaft hat er manches Seitengebiet anregungsvoll gefördert, das bei den großen, philologisch sattelfesteren Meistern zu kurz gekommen ist, zumal in Grenzgebieten zur neueren Germanistik und Folkloristik; auch zur lebendigen Musikpraxis hat F. allzeit Fühlung gehalten. Sein Aufsatz etwa über Grundsätze musikalischer Editionstechnik (1922) oder die Forschung zur Vorgeschichte der Schubertschen Müllerlieder (Deutsche Rundschau 73, 1892, S. 301-07) behielten bis heute ihren Wert.

  • Werke

    Weitere W u. a. Mozarts Wiegenlied, in: Vjschr. f. Musikwiss. 8, 1892, S. 275-85;
    Kleine Blumen, kleine Blätter (mit Erich Schmidt), in: Archiv f. d. Studium d. neueren Sprachen 50. Jahrgang, 97. Band, 1896, S. 1-16;
    ausführl. Verz. s. MGG.

  • Literatur

    H. J. Moser, in: Zs. f. Musikwiss. 16, 1934, S. 318;
    E. Dent, in: Monthly Musical Record, London, Juni 1934;
    W. Virneisel, in: MGG IV, SP. 949-55 (W, L, P).

  • Autor/in

    Hans Joachim Moser
  • Empfohlene Zitierweise

    Moser, Hans Joachim, "Friedländer, Max" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 455 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116797673.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA