Lebensdaten
1864 bis 1953
Geburtsort
Horn bei Bremen
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Volksliederforscher ; Germanist ; Volkskundler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118732609 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meier, Johann (eigentlich)
  • Meier, John
  • Meier, Johann (eigentlich)
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Zitierweise

Meier, John, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732609.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann (John, 1804–71), Dr. iur., Bgm. im Bremen, S d. Kaufm. Hermann u. d. Lucie Warneken (s. Gen. 1);
    M Margarethe (1821–84), T d. Obergerichtspräs. Phil. Sebastian Rommel in Kassel u. d. Henriette Catharina Retberg;
    Ov Hermann Henrich (s. 1);
    Halb-B Hermann (1835–1913); Dr. iur., Landgerichtspräs. in Bremen;
    1) Freiburg/Br. 1893 Betty Emilie (1887–1902), T d. Kaufm. Diederich Meier (1827–98) in Baltimore u. d. Angelika Stallforth (1833–69), 2) Basel 1907 Alexandrine Wingenroth (1873–1952);
    1 S aus 1).

  • Leben

    M. studierte nach Schulzeit und Abitur in Bremen (Altes Gymnasium) 1883-86 in Tübingen Germanistik bei Eduard Sievers, 1886-88 in Freiburg i. Br. bei Hermann Paul und promovierte hier 1888 mit einer Dissertation über eine spätmittelalterliche Reimpaardichtung. 1891 habilitierte sich M. an der Univ. Halle als Dozent der Germanistik mit einer Arbeit über die Literatur der Rheinlande. 1899 wurde er auf den Lehrstuhl für|Germanistik in Basel berufen und war 1907 Rektor der Univ. Basel. Den Anstoß zur Forschung im volkskundlichen Bereich erhielt M. in Halle durch die Herausgabe der von ihm wiederaufgefundenen älteren Volksliedsammlung der „Bergreihen“ (1892) aus dem 16. Jh. Fragestellungen nach der Charakteristik mündlicher Überlieferung blieben aktuell in der Publikation von neueren Liedaufzeichnungen 1896 zusammen mit Carl Köhler. 1897 formulierte M. erstmals seine These von der offensichtlich dichterischen Vorlage vieler Volkslieder und wies damit romantische Ideen von einer Kollektivdichtung zurück. Wichtig waren ihm die Umsingeerscheinungen, Veränderungsprozesse, die ihrerseits einen schöpferischen Vorgang darstellen. Seine bibliographische Zusammenstellung der „Kunstlieder im Volksmunde“ (1906, Nachdr. 1976) griff Vorarbeiten anderer auf, wurde aber zum epochemachenden Arbeitsinstrument einer modernen, rezeptionsorientierten Volksliedforschung. Die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Eduard Hoffmann-Krayer und seinem Schüler Hanns Bächtold in Basel resultierte u. a. in einem Aufruf zur systematischen Sammlung und Dokumentation des deutschsprachigen Volksliedes. 1905-12 war M. Obmann der Schweizer. Gesellschaft für Volkskunde und gründete 1906 das Schweizer. Volksliedarchiv in Basel. 1911-49 war M. Vorsitzender des Verbandes deutscher Vereine für Volkskunde (heute: Deutsche Gesellschaft für Volkskunde). 1912 zog er nach Freiburg i. Br. um und wurde dort Honorarprofessor an der Universität. Der akademischen Lehre blieb M. jedoch fern. 1914 gründete er in Freiburg das „Deutsche Volksliedarchiv“ (DVA), das nach seinem Tode als freies wissenschaftliches Forschungsinstitut des Landes Baden-Württemberg und als eine führende Arbeitsstelle der internationalen Volksliedforschung stetig ausgebaut wurde. Ein großes historisch-kritisches und kommentierendes Editionswerk der Volksballaden („Deutsche Volkslieder mit ihren Melodien“) wurde 1935 in Angriff genommen. Mit dieser Arbeit bemühte M. sich auch um den Ausbau einer Dokumentation zur volksmusikalischen Liedüberlieferung. Als Vorsitzender des Verbandes der Vereine für Volkskunde regte M. eine Vielzahl volkskundlicher Arbeiten an, die weit über den Volksliedbereich hinausgingen und zum Teil institutionell selbständig wurden („Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“, „Atlas der deutschen Volkskunde“, „Internationale volkskundliche Bibliographie“). M. war ein hervorragender Organisator der Forschung, sein mit Mitteln der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft unterstütztes Institut führte er mit strenger Hand; seiner kompromißlosen und integren Persönlichkeit verdankt diese Forschung ihr Überleben während des Dritten Reiches. Gleichzeitig genoß er wegen vieler internationaler Beziehungen offenbar in schwierigen Jahren den Schutz des Auswärtigen Amtes. M. gelang es, nach 1945 den Neubeginn volkskundlicher Forschung zu organisieren. Im geteilten Deutschland versuchte er, Gemeinsames festzuhalten und zu entwicklen. – Nat.preis d. DDR; Bundesverdienstkreuz (1952).

  • Werke

    Weitere W Volkslieder v. d. Mosel u. Saar, 1896 (mit C. Köhler);
    Werden u. Leben d. Volksepos, 1909;
    Das Soldatenlied im Felde, 1916;
    Volksliedstudien, 1917;
    Balladen, 2 Bde., 1935-36 (Nachdr. 1964);
    Ahnengrab u. Braustein, 1944;
    Ahnengrab u. Rechtsstein, 1950.

  • Literatur

    Volkskundl. Gaben, J. M. z. 70. Geb.tag, hrsg. v. E. Seemann u. H. Schewe, 1934 (P);
    Angebinde, J. M. z. 85. Geb.tag, hrsg. v. F. Maurer, 1949 (P);
    E. Seemann, J. M., Sein Leben u. Wirken, 1954;
    P. Andraschke, Verz. d. Schrr. J. M.s, in: Jb. f. Volksliedforschung 14, 1969, S. 124-42 (W-Verz.);
    W. Heiske, Das Dt. Volksliedarchiv in Freibug i. Br., in: Hdb. d. Volksliedes, hrsg. v. R. W. Brednich, L. Röhrich, W. Suppan, II, 1975, S. 175-84;
    O. Holzapfel, in: Bad. Biogrr. NF 2, 1987, S. 203 f.;
    ders., Das Dt. Volksliedarchiv Freiburg i. Br., 1988 (P);
    Brem. Biogrr. 1912–62, 1965.

  • Portraits

    Ölgem. v. W. Enholz (Freiburg, Dt. Volksliedarchiv).

  • Autor/in

    Otto Holzapfel
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzapfel, Otto, "Meier, John" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 643 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732609.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA