Lebensdaten
1790 bis 1857
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Technologe ; Ingenieur ; Naturforscher
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 13692980X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Riepl, Franz Xaver
  • Riepl, Franz
  • Riepl, Franz Xaver
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Zitierweise

Riepl, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13692980X.html [20.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., städt. Bauinsp.;
    M N. N.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Lyzeums in Graz 1803-09 studierte R. seit 1809 Jura an der Univ. Wien, seit 1810 Bergbau- und Eisenhüttenwesen an der Bergbauakademie Schemnitz (Banská Štiavnica, Slowakei) (Examen 1813). 1814 nach Graz zurückgekehrt, arbeitete er als Mathematiklehrer am Lyzeum und erweiterte seine mineralogischen Kenntnisse bei Friedrich Mohs (1773–1839), dem Pionier der analytischen Methoden in der Mineralogie. Seit 1817 als Schichtmeister und Hüttenverwalter des Fürsten Fürstenberg in Neu Joachimstal (Nový Jáchymov) tätig, begann er hier seine geologischen und mineralogischen Forschungen, die er auf Böhmen, Mähren und Schlesien ausdehnte. 1819 wurde R. ao., 1821 o. Professor für Naturwissenschaften und Warenkunde am Polytechnischen Institut Wien. Hier legte er eine Mineraliensammlung an und setzte seine Forschungsarbeiten auf mehreren Reisen fort (1821 Ober- u. Niederösterreich, 1822 Tirol, Lombardei u. Venedig, 1823 Alpen, 1824 Dalmatien u. Insel Meleda). Daneben war er als Berater für verschiedene Unternehmer tätig, seit 1824 auch für Ehzg. Johann im Zusammenhang mit der Wiederbelebung der Eisenindustrie im steir. Erzberg. Auf R.s Initiative erfolgte der Übergang zum Tagebau, die Zusammenfassung der zersplitterten Förderrechte, die Rationalisierung der Produktion sowie der Kauf von Wäldern als Brennstoffquelle und eine Werkseisenbahn. Anschließend beriet er die Bergbau- und Eisenhüttenunternehmerfamilien Vrbno, Fürstenberg und Salm in technischen Fragen. Die nach R.s Vorschlägen 1828 errichtete „Rudolph-Hütte“ war der Ausgangspunkt der Witkowitzer Eisenwerke und der dortigen Errichtung der ersten Kokshochöfen (1836), der Nutzung der Steinkohlenlager von Ostrau-Karwin und der modernen Eisenhüttentechnologie in der Habsburger Monarchie überhaupt.

    Seit 1829 entwickelte R. im Auftrag von Salomon Mayer Rothschild (1774–1855) das Projekt zum Bau der ersten Dampfeisenbahn der|Monarchie. Die ursprüngliche Konzeption R.s, ein komplettes Eisenbahnnetz von 2200 km zu bauen, wurde auf eine Nordverbindung Wiens mit den Ostrauer Kohlenlagerstätten und den galiz. Salzbergwerken in Wieliczka und Bochnia (Polen) reduziert. Mit Unterstützung Rothschilds studierte R. auf zwei Reisen den engl. Eisenbahnbetrieb. Nach Ablehnung des ersten Antrags 1830 erhielt Rothschild 1836 die Konzession für den Bau der Eisenbahn Wien – Krakau und weiter nach Wieliczka und Bochnia sowie für die Gründung einer AG; 1847 erreichte die „Ks. Ferdinandsnordbahn“ Ostrau. Seit 1838 wurden in der Rudolph-Hütte mit dem von R. eingeführten Puddelverfahren Eisenbahnschienen in engl. Qualität hergestellt.

    Seit 1838 im Ruhestand, widmete R. sich weiteren Forschungen zum wirtschaftlichen Potential der Monarchie. Er beriet Gf. Anton Mittrowsky beim Umbau seiner Eisenwerke in Zöptau (Sobotín, Bez. Mährisch Schönberg/Sumperk) und plante diese nach dem Vorbild engl. Hütten. R. beriet auch die Unternehmerfamilie Klein, die diese Werke 1844 gekauft hatte, und plante weitere Eisenwerke. Er erforschte die Bodenschätze von Dalmatien und Istrien sowie die Bleigruben in Preibran (Příbram, Böhmen).

    R. war ein hervorragender Forscher und Techniker, der seine theoretischen Kenntnisse, auch wegen seiner Verbindung zu Investoren, in große Unternehmungen umsetzen konnte und zur Entwicklung des Ostrauer Industriegebiets und Nordmährens entscheidend beitrug.

  • Werke

    Über d. Verwendung d. Tropparten u. vorzüglich d. Basaltes zu wasserbeständigen Zementen, in: Jb. d. k. k. polytechn. Inst. 1, 1819, S. 5-39;
    Übersicht d. Steinkohlenbildungen in d. österr Monarchie u. d. gegenwärtigen Benützung ders., ebd. 2, 1820, S. 1-105;
    Darst. d. Eisenerz-Gebilde in d. Gebirgen d. österr. Monarchie im Norden d. Donau, in: Mitt. d. k. k. mähr.-schles. Ges. z. Beförderung d. Ackerbaues, d. Natur- u. Landeskunde in Brunn 18, 1822, S. 237-309.

  • Literatur

    ADB 28;
    Gesch. d. Eisenbahnen d. Österr.-ungar. Monarchie I/1, 1898, S. 129 ff.;
    R. Drapala, F. X. R., der Ind.pionier d. Ostrau-Karwiner Reviers, 1932;
    M. Myška, Založení a počátky Vítkovických železáren 1828-1880, 1960;
    A. Klein, F. R. u. d. Anfänge d. Ind. u. d. Eisenbahnbaues in Österr., in: Österr. Gesch. u. Lit., 1964, S. 8;
    F. Spurný, F. X. R. a severomoravské železářství, in: Z dějin hutnictví 12, 1984, S. 83-96;
    J. Hons, M. Hlavačka, Z. Maruna u. K. Zeithammer, Čtení o Severní dráze Ferdinandově, 1990, S. 17-23;
    J. Machotková, Osobnosti Vítkovických železáren minulého století, MM Průmyslové spektrum, 1997, Nr. 4, S. 86-89;
    Österr. Nat.-enz., 1874;
    Pogg. II;
    Wurzbach;
    Biografický slovník Slezska a Severní Moravy/Ostrava: Ostravská Univ., 1993, H. 2, S. 94-96;
    ÖBL.

  • Portraits

    Lith. v. J. Kriehuber, 1856 (Bildarchiv d. Österr. Nat.bibl., Wien).

  • Autor/in

    Jana Gerslova
  • Empfohlene Zitierweise

    Geršlová, Jana, "Riepl, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 602-603 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13692980X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Riepl: Franz Xaver R., Professor der Waarenkunde und Naturgeschichte am polytechnischen Institut in Wien, später Director der Kaiser Ferdinands-Nordbahn, erwarb sich als Technologe einen geachteten Namen. Geboren am 29. November 1790 zu Graz, erhielt R. nach vollendeten naturwissenschaftlichen und technischen Studien eine Professur der Waarenkunde und Naturgeschichte am polytechnischen Institut in Wien. Das Jahrbuch des polytechnischen Instituts enthält mehrere schätzenswerthe Abhandlungen Riepl's, unter anderem „Ueber Verwendung der Trapparten zu wasserbeständigen Cementen" (daselbst I, 1819); „Uebersicht der Steinkohlenbildungen in der österreichischen Monarchie“ (daselbst II, 1820); „Darstellung der Gisenerzgebilde in dem Gebirge der österreichischen Monarchie“ (daselbst III, 1822). Außerdem publicirte R. noch „Entwicklung der Theorie über die häufige Erscheinung des raschen Emporsteigens unterirdischer Gewässer“ (Medic. Jahrb. d. österr. St. I, 1822); „Ueber Gololagerstätten der österreichischen Alpen' (Neues Jahrb. 1839); „Ueber die Gruben des Rathhausberges bei Gastein“ (daselbst 1836), und eine geognostische Karte von Böhmen. Später übernahm er die Direction der Ferdinands-Nordbahn in Wien, wo er am 25. April 1857 starb.

    • Literatur

      Poggendorff, Biogr.-litt. Handw. 641.

  • Autor/in

    v. Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Riepl, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 28 (1889), S. 567 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13692980X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA