Lebensdaten
1659 bis 1701
Geburtsort
Neuenstadt/Linde
Sterbeort
Sluis (Holland)
Beruf/Funktion
Herzog von Württemberg-Neuenstadt ; Feldherr
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 135963877 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ferdinand Wilhelm von Württemberg-Neuenstadt
  • Ferdinand Wilhelm
  • Ferdinand Wilhelm von Württemberg-Neuenstadt
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Zitierweise

Ferdinand Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135963877.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Friedrich v. W.-N. (1615–82, s. NDB V);
    M Klara Augusta (1632–1700), T d. Hzg. August v. Braunschweig-Wolfenbüttel;
    B Hzg. Frdr. Aug. v. W. (1654–1716, s. ADB VIII), Hzg. Karl Rudolf v. W. (1667–1742); ledig.

  • Leben

    F., einer der hervorragendsten Militärs seiner Zeit, der auf allen europäischen Kriegsschauplätzen kämpfte, zeichnete sich schon als Junge durch mathematische Begabung und Neigung zum Kriegswesen aus. Zeitlebens befaßte er sich mit Ingenieur- und Fortifikationskunst; seine zahlreichen Pläne gingen in dänischen Besitz über. – Eine Kavaliersreise durch die Schweiz und Frankreich wurde durch den Reichskrieg gegen Frankreich unterbrochen, in dem F. 1675 als Freiwilliger an der Eroberung von Trier teilnahm. Es folgten dänische Kriegsdienste, von denen ihn der Vater zurückrief, um ihn 1677 in politischer Mission nach Wien zu schicken. Nach Dänemark zurückgekehrt, ernannte ihn Christian V. für seine Verdienste im Kriege gegen Schweden zum Generalleutnant. 1683 wurde er beurlaubt, um an der Befreiung Wiens und den anschließenden Feldzügen gegen die Türken teilzunehmen. Er zeichnete sich durch persönliche Tapferkeit aus. – Nach Kopenhagen zurückberufen, erhielt er den Oberbefehl über ein dänisches Hilfskorps, das 1690 Wilhelm von Oranien in seinem Kampf um die Herrschaft in England zu Hilfe kam. F.s Kriegskunst war im wesentlichen die rasche Unterwerfung Irlands zu danken; zusammen mit seinem jüngeren Bruder Karl Rudolf eroberte er die festen Plätze Cork, Kinsale, Baltimore, Shannon, Galway, Limerick. In London wurde der volkstümliche Kriegsheld 1691 begeistert empfangen. – Der neue Feldzug gegen Frankreich führte ihn an der Spitze seiner dänischen und englisch-holländischen Truppen, zu deren General er ernannt wurde, nach Flandern. Rühmlich focht er in der unglücklichen Schlacht von Steenkerke (1692) und durchbrach im folgenden Jahr in kühnem Zug die feindlichen Linien. 1695, nach der Wiedereroberung Namurs, konnte er in einem vielbewunderten Rückzug der Umklammerung durch Villerois überlegene Kräfte entkommen. Die Generalstaaten ernannten ihn zum Gouverneur von holländisch Flandern mit dem Sitz in Sluis. – Nach dem Frieden von Rijswijk übernahm er den Befehl über die deutschen Truppen des Königs von Polen im Kampf gegen die Türken in Podolien, legte ihn aber nieder, als es zu Schwierigkeiten mit den Polen kam. Schließlich leitete er die dänischen Operationen gegen den Herzog von Holstein, die mit einem Vergleich endeten. – In Kopenhagen organisierte er anschließend die Wehrverfassung durch Einrichtung einer Miliz, kehrte aber dann nach Sluis zurück, um sich Verwaltungsaufgaben zu widmen. Er starb an den Folgen seiner im Türkenkrieg erhaltenen Verwundung, die ein Augenleiden hervorgerufen hatte.

    Auch auf dem Gebiet der Politik war F. tätig; er unterhielt ein gutes Nachrichtensystem und führte ausgedehnten Briefwechsel. Er soll Wilhelm III. rechtzeitig vor der beabsichtigten Landung des Duke of Berwick und seinen Mordplänen gewarnt haben. Die Zeitgenossen rühmten seinen hohen Verstand, seine Bescheidenheit und die Fürsorge für seine Mannschaft wie für Notleidende und Arme. Er hielt auf strenge Manneszucht, bemühte sich um die Verwundeten und Kranken in für seine Zeit ungewöhnlicher Weise und machte dabei oft von seinen eigenen Mitteln Gebrauch.

  • Literatur

    ADB VI;
    Christl. Heldenkampf, Ehrenruhm u. Krone d. i. letzte u. ewig-unverletzte … Ehrenpflicht dem durchläuchtigsten Fürsten u. Herrn, Herrn F. W. … abgestattet, Stuttgart o.J. (P);
    K. Pfaff, Württ. Heldenbuch, 1840, S. 29-43;
    E. Schneider, in: Zs. f. Allg. Gesch. … 1, 1884, S. 870-81.

  • Quellen

    Qu.: Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Hausarchiv CLVII Büschel 1-9.

  • Portraits

    Kupf. v. A. M. Wolffgang, 1706, nach Gem. v. P. F. Ruyter, 1693, beigebunden an Christl. Heldenkampf, s. L.

  • Autor/in

    Robert Uhland
  • Empfohlene Zitierweise

    Uhland, Robert, "Ferdinand Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 95 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135963877.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ferdinand Wilhelm, als zweiter Sohn des Herzogs Friedrich von Würtemberg-Neuenstadt hinterlassen, geb. am 12. Sept. 1659, zeigte schon in seiner ersten Jugend großes Talent für die mathematischen Wissenschaften, welche er insbesondere mit Rücksicht auf Kriegskunst verwerthete und hierin außerordentliches leistete. — Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Friedrich August machte er 1675 seinen ersten Feldzug am Rhein. Darauf begab er sich nach Dänemark, für welches er in Schonen im Felde stand. Einige Friedensjahre folgten, welche F. in Wien und am kleinen Hofe seines Vaters zu Neuenstadt verbrachte. Von da an aber wollte er beim Kampfe nirgends mehr fehlen und eilte nun von einem Kriegsschauplatz zum andern, überall als kühner Soldat, als ein in allen Diensten gern gesehener, geschickter und glücklicher Feldherr bekannt. Zunächst ging es wieder nach Dänemark, wo er sich im schwedisch-dänischen Kriege auszeichnete und 1682 Generallieutenant wurde. Jetzt aber rief die Noth Wiens und der Christenheit Oesterreichs die tapfersten Degen zusammen. F. fehlte nicht, eilte zum Heere des Herzogs von Lothringen und kämpfte in der Schlacht bei Wien am 12. Sept. 1683 mit. In Ungarn focht er in den Feldzügen der nächsten Jahre. Vor Neuhäusel erhielt er 1685 einen Schuß in die Stirne. Man verzweifelte anfangs an seiner Rettung, allein schon nach 14 Tagen stand er, obwol mit verbundenem Kopfe, an der Spitze der fränkischen Dragoner, führte sie zum Sturm auf Neuhäusel und kämpfte alle Schlachten mit bis 1687. Nun aber verlangte sein früherer Kriegsherr, der König von Dänemark, seine Dienste. Wilhelm von Oranien hatte 1688 den englischen Thron bestiegen, war aber noch mit der Aufgabe beschäftigt, Irland den Stuarts gegenüber mit Waffengewalt zu erobern. Dänemark hatte ihm dazu 7000 Mann Hülfstruppen versprochen. F. W. erhielt den Oberbefehl und stieß, 1690 in Irland gelandet, zu König Wilhelms Heer, das unter Marlborough, später unter General Ginkell stand. Schon im Juli 1690 in der Schlacht am Boynefluß hatte F. Gelegenheit, sich sammt seinem jüngeren Bruder Karl Rudolf auszuzeichnen und nun sah man die beiden würtembergischen Prinzen mit ihren Dänen überall vornean stehen, da wo es galt, und die Namen der vielen festen Plätze, welche in der Folge eingenommen wurden, sind enge verknüpft mit den Thaten des Bruderpaares. Zunächst fiel Cork, dann Kingsale und Baltimore. Die Wegnahme der ungemein festen Stadt Athlone am Shannon wurde nur durch die Kühnheit Ferdinands und seines Bruders ermöglicht, welche sich durch eine Furt des Shannon von den längsten Grenadieren hinübertragen ließen im Angesicht des ganzen Heeres. Dieses folgte und so gelang eine Umgehung und Athlone mußte sich ergeben. — Die Belagerung von Galloway und Limerick zeugten aufs neue von der Kriegskunst des Herzogs. Ganz Irland war jetzt erobert und alle Stimmen im Heere waren einig darin, daß zum guten Ausgang der Sache Herzog F. am meisten beigetragen habe. König Wilhelm dankte ihm mit den Worten: „Nächst Gott verdanke er die Wiedergewinnung Irlands der Tapferkeit, Klugheit und den treuen Diensten des Herzogs F. W. und dem Heldenmuthe seines Bruders.“ Als F. nach London kam, vergötterte ihn das Volk unter dem tausendstimmigen Ruf: „Es lebe der Herzog von Würtemberg!“ Keine Ruhe aber kannten die beiden Helden. Sie zogen nach den Niederlanden, wo sie 1692 in der Schlacht bei Steenkerken mit heldenhafter Tapferkeit fochten, F. W. an der Spitze seiner Dänen, der schottischen und englischen Garde. In den Jahren 1693 und 94 trieb er die Franzosen bis Arras und Ryssel zurück und brandschatzte die feindlichen Grenzprovinzen, wobei er sich in demselben|Maße edel und uneigennützig zeigte, als er tapfer war. Vor Villeroi's Uebermacht wußte er sich 1695 mit viel Geschick und fast ohne allen Verlust zurückzuziehen. Mit Ehren wurde er überhäuft und zum General der dänischen und holländischen Infanterie ernannt. Eigenthümlicherweise wird Herzog F. W. bei Macaulay VII, 146 „Herzog Karl Friedrich“ genannt. — Der Herzog war nun — eine hohe, stattliche Figur mit durchdringendem Blick — mehr als 20 Jahre lang fast ununterbrochen im Felde gestanden und hatte sich neben seinem Feldherrngeschick ebenso geschätzt gemacht durch seine tiefe Kenntniß der Staatsgeschäfte und seine Erfahrungen in den Wissenschaften. Nach dem Frieden von Ryswik endigte seine kriegerische Laufbahn im Großen. Er führte zwar noch ein Commando über die sächsisch-polnische Armee in der Ukraine, legte es aber nieder, da er von der Regierung im Stich gelassen wurde; auch für seinen alten Herrn, den König von Dänemark, kämpfte er noch 1700 in Holstein. Nun aber begann seine Friedensarbeit, indem er in Dänemark die zweckmäßigsten Pläne ausarbeitete zur Hebung der Landesmacht. In Sluis in den Niederlanden, wo er Gouverneur war und durch seine gerechte und unparteiische Verwaltung die Liebe aller Bürger gewonnen hatte, befiel ihn ein schmerzhaftes Augenübel, das seine Ursache in der bei Neuhäusel empfangenen Stirnwunde hatte; Schlaganfälle und Krämpfe kamen dazu und am 7. Juni 1701 starb der tapfere Feldherr, aufs tiefste von seinen Kampfgenossen in den Niederlanden, in England und Dänemark betrauert.

  • Autor/in

    Pfister.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfister, Albert von, "Ferdinand Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 710-711 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135963877.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA