Lebensdaten
1615 bis 1682
Sterbeort
Neuenstadt (Württemberg)
Beruf/Funktion
Herzog von Württemberg-Neuenstadt
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118018116 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Friedrich von Württemberg-Neuenstadt
  • Friedrich
  • Friedrich von Württemberg-Neuenstadt
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Zitierweise

Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118018116.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Joh. Frdr. v. W. (1582–1628);
    M Barb. Sofie (1584–1636), T d. Kf. Joachim Frdr. v. Brandenburg ( 1608);
    B Hzg. Eberh. III. v. W. ( 1674, s. NDB IV);
    7.6.1653 Klara Auguste (1632–1700), T d. Hzg. Aug. v. Braunschw.-Lüneburg ( 1666, s. NDB I);
    8 S (5 früh †), 4 T, u. a. Ferd. Wilh. ( 1701, s. NDB V), Karl Rud. ( 1742, s. ADB XV).

  • Leben

    Seine Ausbildung erhielt F. auf Kavaliersreisen nach Frankreich und nach Genf (1630/31). Nach einer weiteren Reise nach Frankreich, Italien und England (1634–36) begab er sich an den ihm verwandten dänischen Hof, da nach der Schlacht bei Nördlingen kaiserliche Truppen das Herzogtum Württemberg besetzt hatten und sein Bruder Eberhard III. geflohen war. 1637 versuchte er bei Kaiser Ferdinand III. in Wien vergeblich, das Herzogtum für seinen Bruder zurückzugewinnen. Das Angebot, das Herzogtum durch Übertritt zum katholischen Glauben selbst zu erhalten, lehnte er ab. Dennoch wurden ihm in Wien einige württembergische Ämter als Unterhalt zugesprochen; aber als er 1638 nach Württemberg zurückkehrte, verwehrten ihm die Kaiserlichen diese Einkünfte und den Aufenthalt im Stuttgarter Schloß, so daß er in der Reichsstadt Eßlingen Wohnung nehmen mußte. Aus Verärgerung über diese schlechte Behandlung verließ er das Land noch im gleichen Jahr und nahm Kriegsdienst bei Herzog Bernhard von Weimar. Nach dessen Tod war er in französischen und hessischen Diensten und zeichnete sich als Feldherr, zuletzt 1646-48 als Generalmajor unter Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel, aus. Seine bedeutendsten Siege gegen die Kaiserlichen errang er auf der Kempener Heide am 17.1.1642 und bei Grevenbroich am 14.6.1648. Nach dem Friedensschluß kehrte er nach Württemberg zurück und erhielt von seinem Bruder 1649 als Unterhalt die Ämter Neuenstadt, Möckmühl und einen Teil von Weinsberg. In Neuenstadt residierend, wurde er zum Begründer der Neuenstadter Linie der württembergischen Herzogsfamilie. Die Bescheidenheit seiner Hofhaltung war nicht nur finanziell, sondern auch in seiner strengen Lebensauffassung begründet. Geistig sehr aufgeschlossen, legte er nach dem Vorbild seines Schwiegervaters eine bedeutende wissenschaftliche Bibliothek mit 25 000 Bänden und eine umfangreiche Münzensammlung an. In der Landespolitik war er als Mahner zur Aufstellung eines starken, für die Abwehr von Einfällen und Durchmärschen geeigneten Heeres bekannt. 1677 bemühte er sich um die Vormundschaft für seinen Großneffen Eberhard Ludwig von Württemberg. Der Kaiser entschied sich jedoch für Herzog Friedrich Karl von Württemberg. Im Reichskrieg gegen Ludwig XIV. wurde er 1672 zum Reichsfeldzeugmeister und General der Infanterie ernannt, nahm aber an Operationen nicht mehr teil.

  • Literatur

    ADB VIII;
    J. W. Diettrich, Christl. Klag- u. Trost-Predigt… üb. d. Ableiben… dess… F., Herzogen z. W. …, Augsburg 1683;
    J. U. Pregizer, Panegyricus… Friderici, Tübingen 1683;
    Ch. F. Sattler, Gesch. d. Hzgt. Würtenberg unter d. Regierung d. Herzogen, 7.-9., 11. T., Tübingen 1774–80, passim;
    K. Pfaff, Württ. Heldenbuch, 1840, S. 18-23;
    Beschreibung d. Oberamts Neckarsulm, 1881, S. 560;
    E. Schneider, Württ. Gesch., 1896, S. 254-75;
    W. Fleischhauer, Die hochfürstl. Residenz zu Neuenstadt a. d. Linde, in: Schwäb. Heimat 3, 1952, S. 123-28;
    ders., Barock im Hzgt. Württemberg, 1958, S. 125 f.

  • Quellen

    Qu.: Selbstbiogr. in d. Landesbibl. Stuttgart, Cod.hist. Q 91.

  • Portraits

    Ölgem. (Neuenstein, Hohenlohe-Mus.);
    Stich v. Ph. Kilian, 1683 (Stuttgart, Landesbibl.).

  • Autor/in

    Eberhard Gönner
  • Empfohlene Zitierweise

    Gönner, Eberhard, "Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 594 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118018116.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Friedrich, Herzog von Würtemberg-Neuenstadt, geboren am 19. December 1615, gestorben am 24. März 1682, war der dritte Sohn des Herzogs Johann Friedrich von Würtemberg, der von 1608—28 regiert hat. Er empfing eine sorgfältige Erziehung und wurde im J. 1630 mit seinen Brüdern Eberhard und Ulrich zu weiterer Ausbildung auf Reisen geschickt. Als die Prinzen nach Lyon kamen, herrschte hier gerade eine pestartige Epidemie, von welcher ihr Hofmeister Raspin sofort ergriffen wurde. Eberhard und Ulrich flohen eilends nach Genf, während F. bei dem Erkrankten bis zu dessen Tod verweilte, dafür aber eine Zeit lang an derselben Krankheit schwer zu leiden hatte. Nach seiner Genesung ging auch er nach Genf und blieb dort drei Vierteljahre, mit „standesgemäßen Exercitien“ beschäftigt. Von 1631—34 blieb er in Würtemberg, trat jedoch noch im Frühling des letztgenannten Jahres eine längere Reise durch Frankreich, Italien und England an, bis ihm endlich gemeldet wurde, daß in Folge der Schlacht bei Nördlingen sein Bruder Eberhard III. aus Würtemberg geflohen und das ganze Herzogthum von den Truppen Kaiser Ferdinands II. besetzt und entsetzlich verheert worden war. Auf diese Trauerkunde hin beschloß er, den ihm verwandten dänischen Hof aufzusuchen, wo er auch von König Christian IV. sehr gütig aufgenommen, eine Zeit lang unterhalten und schließlich mit Empfehlungsschreiben an Kaiser Ferdinand versehen wurde. 1637 reiste er nach Wien und suchte dort die Rückgabe Würtembergs an seinen Bruder Eberhard zu erwirken. Der Kaiser lehnte diese Zumuthung ab, bot dafür aber dem Prinzen selber das ganze Herzogthum an, wenn er seinerseits zum katholischen Glauben übertreten wolle. F. widerstand dieser Verlockung in würdiger Haltung und erreichte nun wenigstens, daß ihm die Einkünfte einiger würtembergischer Aemter zu seinem Unterhalte angewiesen wurden. Nachdem er darauf in das Herzogthum zurückgekehrt war, erhielt er jedoch nichts von dem Versprochenen, und als sein Bruder 1638 endlich wieder zur Regierung gelangte, das ausgesogene Land aber die fürstliche Familie kaum zu ernähren vermochte, verließ er abermals die Heimath, um nunmehr bei den Feinden des Hauses Oesterreich in Kriegsdienst zu treten. Zunächst hat er sich da dem Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar angeschlossen. Nach dessen Tod hat er, wie die ganze weimarische Armee, französischen Sold genommen und von 1646—48 dem Landgrafen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel als Generalmajor gedient. Im Kriege war er in seinem rechten Element, da er Umsicht und Ausdauer mit stürmischer Tapferkeit verband. Schon Herzog Bernhard zeichnete ihn aus und die Franzofen übergaben ihm zwei Regimenter, mit deren einem er in dem Treffen auf der Kempener Haide am 17. Januar 1642 drei Regimenter des kaiserlichen Generals Lamboy zersprengte, bei 1000 Gefangene machte und viele Fahnen erbeutete. Seine bedeutendste Waffenthat aber glückte ihm am 14. Juni 1648 bei Grevenbroich, wo er den Sieg, den derselbe General Lamboy über die hessischen Truppen schon beinahe vollständig errungen hatte, durch festen Widerstand und kühnen Angriff in eine Niederlage verkehrte. — Nach Abschluß des westfälischen Friedens kehrte er nach Würtemberg zurück und einigte sich mit seinem Bruder, Herzog Eberhard III., im J. 1649 dahin, daß er als Grundlage für ein standesgemäßes Leben die würtembergischen Aemter|Neuenstadt und Möckmühl nebst einem Theil von Weinsberg erhalten solle. Hier hat er dann als ein gerechter, gütiger und sparsamer Herr gewaltet, so daß er das Wohl seiner Unterthanen mannichfach förderte und einen Theil seiner Einkünfte, sobald nur dieselben in der nächstfolgenden Friedenszeit reichlicher zu fließen anfingen, zu edleren Luxusausgaben übrig behielt. Er hat in seiner Residenz zu Neuenstadt allmählich eine Bibliothek von mehr als 20000 Nummern gesammelt, dazu ein Münzcabinet von einigen 1000 Stücken und eine werthvolle Rüst- und Kunstkammer. Der König von Dänemark ehrte ihn noch im J. 1666 durch Ertheilung des Elephantenordens und für den Krieg des deutschen Reiches gegen Ludwig XIV. wurde er 1674 zum Generalfeldzeugmeister und General der Infanterie ernannt, ohne jedoch in dieser Stellung noch wirklich am Kampfe Theil zu nehmen. — Im J. 1653 hatte sich F. mit Klara Augusta, der Tochter des Herzogs August von Braunschweig, vermählt. Mit derselben erzeugte er zwölf Kinder, von denen aber nur drei Söhne — Friedrich August, Ferdinand Wilhelm und Karl Rudolf — den Vater überlebten. F. bemühte sich mit großer Sorgfalt um die Erziehung dieser Prinzen; vor allem aber vererbte er ihnen seinen regen Geist und seine militärische Befähigung, so daß sich dieselben, und besonders die beiden Jüngeren, in den Kriegen der nächstfolgenden Jahrzehente gegen Türken und Franzosen vielfach auszuzeichnen und endlich hohen Feldherrnruhm zu erringen vermochten. Nach längerem Kränkeln starb F. am 24. März 1682. Seine Leiche wurde in der Stadtkirche zu Neuenstadt beigesetzt.

    • Literatur

      Christliche Klag- und Trostpredigt auf Herzog Friedrichs Tod, gedruckt zu Augsburg 1683. Sattler, Gesch. des Herzogthums Würtemberg, XI. S. 2 ff. Pfaff, Würt. Heldenbuch, S. 18 ff.

  • Autor/in

    Kugler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kugler, "Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 48-49 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118018116.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA