Lebensdaten
1667 oder 1668 bis 1750
Geburtsort
Eisleben
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Instrumentenbauer ; Komponist ; Musiker ; Tanzlehrer
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 13568529X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hebenstreit, Pantaleon
  • Hebestreitt, Pantaleon

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Zitierweise

Hebenstreit, Pantaleon, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd13568529X.html [19.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V vermutl. Pantaleon ( 1678), Stadtmusiker in Weißenfels.

  • Leben

    H. soll sich als Student in Leipzig, wo er Klavier- und Tanzunterricht erteilte, der drohenden Schuldhaft durch die Flucht auf ein Dorf nahe Merseburg entzogen haben. Dort konstruierte er aus dem volkstümlichen, zur Tanzmusik verwendeten Hackbrett ein mit Metall- und Darmsaiten bezogenes, in Doppelform gestaltetes Instrument, das für den künstlerischen Vortrag geeignet war. Seine Saiten wurden mit zwei Hämmerchen vom Spieler angeschlagen. Nach langer Übung beherrschte H. sein Instrument virtuos und ließ sich auf ihm an zahlreichen Höfen und in Städten hören. Sein erstes Auftreten in Leipzig um 1697 ist durch J. Kuhnau bezeugt. Später spielte er in Berlin, Weißenfels, Dresden und Paris. Hier gab dem Instrument König Ludwig XIV. 1705 bei einem Konzert den Namen „Pantaleon“. 1707 wurde H. Tanzlehrer am Hof zu Eisenach und erhielt zugleich den Auftrag, eine Hofkapelle aufzubauen, die 1709 G. Ph. Telemann als Kapellmeister übernahm. In dieser Zeit komponierte er auch eine Anzahl nicht mehr erhaltener Orchestersuiten im französischen Stil. 1714 wurde er mit einem ungewöhnlich hohen Gehalt als Kammermusiker und Pantaleonist in die Dresdner Hofkapelle aufgenommen. Später, als er wegen zunehmender Augenschwäche sein Instrument nicht mehr spielen konnte, führte er den Titel eines Kurfürstlichen Vize-Kapellmeisters und wurde 1734 zum Hofkapelldirektor der protestantischen Kirchenmusik ernannt. – H.s Entwicklung des Pantaleon deckt sich mit den allgemeinen Bestrebungen um 1700, den Instrumententon biegsamer und beseelter zu gestalten und dynamisch zu modifizieren. Das Aufsehen, das er überall mit seinem Vortrag erregte, ist daher verständlich. Er wurde damit unbeabsichtigt zum Wegbereiter des neuen Hammerklaviers, das allmählich das Cembalo in der Mitte des 18. Jahrhunderts ablöste. Chr. G. Schröter, der Dresdner Konstrukteur eines Hammerflügels (1717), hat H.s Anregungen mit verwertet. Das Pantaleon wurde zwar von Gottfried Silbermann und anderen in zahlreichen Stücken nachgebaut, doch geriet es nach H.s Tod schnell in Vergessenheit.

  • Literatur

    ADB XI;
    M. Fürstenau, Btrr. z. Gesch. d. Kgl. Sächs. musikal. Kapelle, 1849;
    A. Berner, in: MGG VI, Sp. 3-6;
    Riemann.

  • Autor/in

    Lothar Hoffmann-Erbrecht
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann-Erbrecht, Lothar, "Hebenstreit, Pantaleon" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 168-169 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13568529X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hebenstreit: Pantaleon H., besonders bekannt durch das von ihm erfundene Schlaginstrument, „Pantaleon“ genannt, welches er auch selbst spielte, war geboren um 1669 zu Eisleben und zeigte eine besondere Begabung für Tanz und Violinspiel, so daß er bereits Ende des 17. Jahrhunderts als Tanzmeister sich in Leipzig sein Brod erwarb. Um diese Zeit (1697) hatte er bereits durch Verbesserung des Hackebretts, eines primitiven Musikinstruments, das Pantaleon oder Pantalon erfunden, wie er es nach seinem eigenen Vornamen nannte, und erwarb sich durch seine Fertigkeit im Spielen desselben, es wurde|mit Klöppeln (Hämmern) geschlagen, allgemeine Anerkennung. Nach Joh. Georg Keysler's Beschreibung (Reisen durch Deutschland), der es in Wien bei einem Schüler Hebenstreit's gesehen hat, bestand das Instrument aus einem doppelten Resonanzboden und hatte eine Länge von 13 ½ und eine Breite von 3½ „Spanne“. Die Baßseiten waren übersponnene Darmsaiten und der höheren stählernen Saiten waren im Ganzen 185, deren Unterhalt 100 Thlr. (sic!) kostete. Als H. am kurfürstlichen Hofe in Dresden angestellt war, bezog er sogar für Saitenauslagen jährlich 200 Thlr. — ein theures Instrument! — Der Klang des Pantalon war auf den Darmsaiten sehr „pomphaft“, in der Höhe dagegen zarter, doch war das lange Nachklingen der Saiten ein großer Mangel desselben. H. ließ sich die Instrumente bei dem bekannten Instrumentenmacher Gottfried Silbermann anfertigen. Da aber derselbe sie auch auf eigene Rechnung fabrizirte, verklagte H. den letztern und erhielt vom Kurfürsten am 15. Novbr. 1727 ein Privilegium darauf, daß er das alleinige Recht der Anfertigung derselben besitze. H. erhielt im J. 1706 die Kapellmeisterstelle in Eisenach, woselbst er auch Tanzmeister war, und zugleich sich als Violinspieler auszeichnete. Georg Philipp Telemann, der um 1708 daselbst concertirte, berichtet selbst, daß er mit H. Doppelconcerte öffentlich spielte, H. aber einen so starken Ton auf der Violine erzielte, daß er sich durch ganz besondere Uebungen dazu vorbereiten mußte, um nicht von seinem Partner erdrückt zu werden. H. muß sich auch eine zeitlang in Berlin aufgehalten haben, denn Volunner erzählte dem bekannten Kuhnau, der das Pantalon auch mit Vorliebe spielte, daß H. einst ein Vierteljahr lang bei ihm in Berlin gewesen sei und „Tag und Nacht studirt habe“. Am 11. Mai 1714 wurde H. mit einem Jahresgehalte von 1200 Thlrn., eine für damalige Zeit sehr hohe Summe, als „Kammermusikus“ in der kurfürstlichen Kapelle in Dresden angestellt und spielte daselbst im Theater und bei Hofconcerten das Pantalon. Im J. 1733 befiel ihn eine Augenschwache und es trat deswegen sein Schüler, der Hoforganist Richter, an seine Stelle. 1729 hatte H. auch die Direction der protestantischen Hofkirchenmusik und die Oberaufsicht über die Bildung der Kapellknaben übernommen; durch Rescript vom 16. März 1740 ward er geh. Kämmerer und starb am 15. Novbr. 1750, 83 Jahr alt. Das Pantalon überlebte ihn nur wenige Jahrzehnte. Nach dem Hoforganisten Richter trat Christ. Sigm. Binder an dessen Stelle, doch schon 1772 sah Burney die Ueberreste des „famous Pantalon“ in dessen Hause, der darüber klagte, daß der Kurfürst das Instrument nicht beziehen lassen wolle und er selbst dies der großen Kosten halber nicht könne. Der letzte Virtuos auf dem Pantalon war der Kammermusikus Georg Nölli in Mecklenburg-Schwerin, der 1789 starb und noch ein Schüler Hebenstreit's war. H. war auch der Erfinder eines Glockenspiels aus Porzellan, welches er am 20. Septbr. 1737 zum ersten Male vor dem Hofe spielte. Dasselbe ist jetzt noch vorhanden, aber die Mechanik ist unbrauchbar geworden.

    • Literatur

      Fürstenau, Zur Geschichte der Musik und des Theaters in Dresden. Bd. II, S. 90 u. ff.

  • Autor/in

    R. Eitner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eitner, Robert, "Hebenstreit, Pantaleon" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 196-197 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd13568529X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA