Lebensdaten
1702 bis 1757
Geburtsort
Neustadt/Orla
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Mediziner ; Physiologe ; Professor der Medizin in Leipzig ; Naturforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116555424 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hebenstreit, Johann Ernst
  • Hebenstreit, Ernst
  • Hebenstreit, Johann Ernst

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Zitierweise

Hebenstreit, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116555424.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus thür.-sächs. Pfarrerfam.;
    V Joh. David (1656–1730), Mag., Pfarrer in Neunhofen, dann in N., S d. Johannes, Rektor in N., dann Pfarrer in Neunhofen, u. d. Regina Stammler;
    M Esther Susanna, T d. Pfarrers Joh. George Güttner in Lausick b. Leipzig;
    Ov Joh. Paul (1664–1718), Prof. d. Theol. in Jena (s. ADB XI);
    B Joh. Christian (1686–1756), Prof. d. Theol. in L.;
    - 1) Leipzig 1739 Joh. Wilhelma ( 1741), T d. Ulrich Junius (1670–1726), Prof. d. Math. in L. (s. Pogg. I), 2) ebd. 1742 Christiane Eugenie, T d. Dr. iur. Benj. Gottlieb Bosseck (1676-1758), Assessor d. Schöppenstuhls u. Prof. d. Rechte in L., u. d. Sophie Elis. Bohn;
    1 S aus 1), 4 S, 3 T aus 2), u. a. Heinr. Michael (1745–86), Prof. d. Rechtsaltertümer in L., Ernst (1758–1803), Prof. d. Med. in L. (s. BLÄ), Benedikte (1756–1819, 1] Lorenz Holderieder, Kaufmann, Rittergutsbes. in Naumburg, 2] Johann Georg Naubert, Kaufmann in Naumburg u. Leipzig), Romanschriftstellerin (s. ADB 23);
    N Joh. Christian (1720–95), 1749 Prof. d. Botanik in Petersburg, 1761 Arzt in L.;
    E Eugenie ( Herm. Eduard Anton, 1872, Verleger u. Buchhändler in Halle, s. NDB I).

  • Leben

    H. studierte seit 1719 in Jena und Leipzig Naturgeschichte und Medizin, erwarb 1728 in Leipzig den Grad eines Magisters der Philosophie und promovierte 1730 mit der Dissertation „De viribus minerarum et mineralium medicamentosis“ zum doctor medicinae; daneben entwickelte er sich unter dem Einfluß von A. Qu. Rivinus zu einem tüchtigen Botaniker, so daß ihm der Leipziger Handelsherr Bose die wissenschaftliche Leitung seines botanischen Gartens übertrug. Im Auftrag König Augusts II. bereiste H. 1731-33 mit 5 Begleitern (darunter der Botaniker Chr. G. Ludwig) Nordafrika, um Naturalien zu sammeln und lebende Tiere zu erwerben. Anschließend übernahm er 1733 die ordentliche Professur der Physiologie in Leipzig (Nachfolger von M. E. Ettmüller), wurde 1737 ordentlicher Professor der Anatomie und Chirurgie, 1747 der Pathologie und 1748 der Therapie sowie ständiger Dekan.

    H. veröffentlichte Arbeiten über anatomisch-physiologische und praktisch-medizinische Fragen, unter anderem auch über gerichtliche Medizin (Anthropologia forensis, Leipzig 1751). Sein besonderes Interesse galt der antiken Medizin, die von ihm mit dem zeitgenössischen Stand verglichen wurde; ferner schrieb er eine „Erklärung griechischer Wörter von Krankheiten des menschlichen Körpers“ (Leipzig 1751, 21760), verfaßte lateinische Lehrgedichte und betätigte sich erfolgreich als praktischer Arzt. Darüber hinaus suchte H. das Pflanzensystem zu verbessern (Einteilung nach der Frucht) und stellte ein System der Schaltiere und Fische nach den äußeren Organen auf. Von bleibender Bedeutung sind seine Berichte als Leiter der Expedition nach Nordafrika, zu deren Ergebnissen auch eine lateinische Inschriftensammlung gehört.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1731) u. d. Ges. d. Wiss. in Marseille.

  • Werke

    Weitere W u. a. De usu partium, Carmen, Leipzig 1739;
    De methodo plantarum ex fructu optima, ebd. 1740;
    Mus. Richterianum, ebd. 1743;
    Programma historiae naturalis Insectorum institutiones, ebd. 1745;
    Ordo morborum causalis, ebd. 1754-57;
    J. E. H.s vier Berr. v. seiner … Reise, in: J. Bernoulli, Slg. kurzer Reisebeschreibungen, Bd. 9-12, Berlin 1783 (franz. in: Nouvelles ann. des voyages 46, Paris 1830).

  • Literatur

    ADB XI;
    F. Börner, Nachrr. v. d. vornehmsten Lebensumständen u. Schrr. jetzt lebender berühmter Ärzte u. Naturforscher III, Wolfenbüttel 1753, 1. Stück, S. 9-41;
    Elogium Joannis Ernesti Hebenstreitii, in: Nova acta eruditorum, 1759, S. 179-92 (W-Verz.), = Nova Acta Lopoldina II, 1761, Appendix S. 437-52 (W-Verz.);
    K. v. Weber, Eine sächs. Afrikaexpedition, in: Archiv f. Sächs. Gesch. 3, 1865, S. 1-50;
    Nouv. Biogr. 23, Sp. 683-85;
    M. Grosse, Die beiden Afrika-Forscher J. E. H. u. Ch. G. Ludwig, in: Mitt. d. Ver. f. Erdkde. zu Leipzig 1901, 1902, S. 1-87 (bisher ungedr. Reiseberr., L);
    Jöcher-Adelung II;
    Pogg. I;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Georg Uschmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Uschmann, Georg, "Hebenstreit, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 168 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116555424.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hebenstreit: Joh. Ernst H., wurde am 15. Jan. 1703 zu Neustadt a. O. geboren. Von Jugend auf für Naturgeschichte und besonders Botanik begeistert bezog er im J. 1723 die Universität Leipzig um Medicin zu studiren, und zwar als alumnus electoralis. Als solcher schrieb er im März 1726 seine erste Dissertation: „De continuanda Rivinorum industria in eruendo plantarum charactere“, worin er nicht blos eine merkwürdige Beherrschung der einschlägigen Litteratur, sondern auch eine tüchtige Beobachtungsgabe offenbarte. 1728 wurde er Magister und Baccalaureus der Medicin. Darauf hin schrieb er seine Arbeit: „De ordinibus Conchyliorum methodica ratione instituendis“. Er hatte hierzu die reiche Sammlung der Bose'schen Familie benutzen können und widmete zum Dank die Schrift seinem Freunde Caspar Bose. Doctor der Medicin wurde er 1729 nach Vertheidigung seiner Dissertation: „De viribus minerarum et mineralium medicamentosis“. Auf Befehl des Kurfürsten Friedrich August II. unternahm er im J. 1730 eine Reise nach Afrika, von welcher er mit reicher, in die Dresdener Sammlungen vertheilter Ausbeute 1733 zurückkehrte. Schon beim Antritt seiner Reise hatte er den Titel eines wirklichen Professors der Medicin erhalten; nach seiner Rückkehr trat er als Professor ordinarius in die Facultät ein, deren beständiger Decan er im J. 1747 wurde. Seine wissenschaftliche und litterarische Thätigkeit ergab eine Reihe, meist als akademische Gelegenheitsschriften veröffentlichter Publicationen naturwissenschaftlichen, anatomisch-physiologischen und praktisch-medicinischen Inhalts. So schrieb er ein Programm über Insecten, andere über die Art, Sectionen anzustellen, über Venen, über verschiedene Medicamente u. s. f. Nach mehreren Seiten war er auch poetisch thätig. Man rühmte ihn als guten Griechen und als guten lateinischen Dichter. Für letzteres zeugen mehrere Lehrgedichte, in denen er die Physiologie und die Krankheitslehre in lateinische Verse brachte („De usu partium Carmen, seu Physiologia metrica ad modum Titi Lucretii Cari“, 1739, später in gleicher Weise „De morbis Carmem"). Er starb in Leipzig am 5. Decbr. 1757.

    • Literatur

      Adelung; Programme und Dissertationen, von denen viele im Haller abgedruckt sind.

  • Autor/in

    J. Victor Carus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Carus, Victor, "Hebenstreit, Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 196 unter Hebenstreit, Johann Ernst [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116555424.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA