Lebensdaten
1843 bis 1935
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Chemiker ; Großindustrieller
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 133726622 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gans, Leo Ludwig
  • Gans, Leo
  • Gans, Leo Ludwig
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Zitierweise

Gans, Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133726622.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ludw. Aaron (1794–1871), Bürger u. Handelsmann in F., Teilhaber d. Fa. L. Cassella (Farbwarengroßhandlung), S d. Kaufm. Aaron Phil, in Celle (S d. Isaak Jac. Salomon, s. Gen. 1) u. d. Fanny Hanau aus F.;
    M Rosette (1805–68), T d. Bürgers u. Handelsmanns Mayer Salomon Goldschmidt (1775–1854) in F. (aus alter Fam. d. Judengasse) u. d. Helene Cassel (Schw d. Großhändlers Leopold Cassella, 1847, s. NDB III);
    Ov Salomon Phil. (1788–1843), Nat.ökonom u. jur. Schriftsteller (s. Jewish Enc.), Eduard (s. 1);
    B Frdr. v. G. (preuß. Adel 1912, 1833-1920), preuß. WGR, kaufm. Leiter d. Fa. L. Cassella, Sammler v. Antiken (1912 dem Berliner Antiquarium übergeben);
    Schw Henriette ( Max Heidelbach, Kaufm. in New York u. London), Pauline (⚭ Bernh. Weinberg, 1815–77, Teilhaber v. L. Cassella);
    1876 Luise (1854–1927), T d. Carl Sander;
    2 S, 1 T;
    N Paul v. G. (1866-1915), Privatgel., Industrieller, Ludw. v. G. (1869-1946), Großindustrieller, ungar. Konsul in F., Arthur v. Weinberg (1860–1943), Chemiker, Geschäftsführer v. L. Cassella (s. Wenzel; Pogg. VI), Carl v. Weinberg (1861–1943), Teilhaber v. L. Cassella (s. Wenzel);
    E Editha ( 1] Max Gf. v. Courten, 1892–1939, Bildhauer, 2] Albert Scanzoni v. Lichtenfels, 1960, Schriftsteller u. Maler);
    Groß-N Sir Max Bonn (* 1877), Bankier in London.

  • Leben

    Schon als Schüler trieb G. chemische Studien im Laboratorium eines Frankfurter Privatgelehrten. 1860 bezog er das Polytechnikum in Karlsruhe zum Studium der Chemie, ging 1862 nach Heidelberg zu Emil Erlenmeyer, wurde dessen Assistent und promovierte dort 1863 zum Dr. phil. 1864 kam er als Assistent zu H. Kolbe nach Marburg. Da G. jedoch von vornherein das Ziel verfolgte, technische Chemie zu treiben, praktizierte er 1865 in einer chemisch-pharmazeutischen Fabrik in Wyl/Kanton Sankt Gallen und dann in der bekannten Pariser „Manufactur de Javel“. Dort trat er mit A. W. Hofmann in Verbindung und arbeitete seitdem auf dessen Spuren. Dazu gründete er 1868 in der Vaterstadt ein eigenes chemisch-technisches Laboratorium. Aus diesen Anfängen, die er selbst bescheiden als „Fabrikchen“ bezeichnete, ging durch Verbindung mit der vom Vater übernommenen Farbwarengroßhandlung 1870 die Teerfarbenfabrik Leopold Cassella & Co. hervor, in der er zusammen mit seinem Bruder Friedrich als kaufmännischem Leiter tätig war. G. fand, daß die γ-Säure zur Herstellung einer ganzen Reihe prächtiger Azofarbstoffe führt, und er brachte damit dem in Fechenheim bei Frankfurt erbauten Werk große Erfolge. Von vornherein arbeitete er auch auf dem Gebiet der Naphthalin-Farbstoffe. G. gehört zu den Wegbereitern der Farbenchemie und ihrer industriellen Auswertung. In seinem Neffen A. von Weinberg, dem er frühzeitig freie Hand ließ, fand er einen adäquaten Mitarbeiter und Nachfolger als Betriebsleiter. Er selbst widmete sich in späteren Jahren dem Ausbau des Unternehmens und den damit verbundenen Aufgaben sozialer Art. Unter seiner maßgeblichen Mitwirkung kam 1904 die Interessengemeinschaft zwischen Cassella und den Hoechster Farbwerken zustande, die dann auf weitere Großunternehmen der deutschen chemischen Industrie ausgedehnt wurde. Als daraus schließlich 1925 die IG Farbenindustrie AG hervorging, wurde G. als Senior Mitglied ihres Aufsichtsrates. Lange Jahre hat G. als Vorsitzender des Physikalischen Vereins in Frankfurt am Main die naturwissenschaftliche Forschung nachdrücklich gefördert. Die Hochschulpläne von Adickes unterstützte er mit erheblichen Mitteln. Als Vorsitzender des Frankfurter Vereins für Luftfahrt war G. 1909 am Zustandekommen der epochemachenden ILA, der ersten Internationalen Luftfahrt-Ausstellung, in Frankfurt am Main entscheidend beteiligt und war deren Präsident. Der bis zu seinem Tode rüstige Greis mußte 1933 auf alle seine Ehrenämter verzichten.|

  • Auszeichnungen

    Ehrensenator, Dr. med. h. c., Dr. rer. nat. h. c. (Frankfurt), GKR, Ehrenbürger v. Frankfurt 1928 (als erster gebürtiger Frankfurter).

  • Literatur

    M. Freund, A. Häusser u. P. Bode, in: Jb. d. Physikal. Ver. Frankfurt a. M.,1912–13, S. 33-41 (P);
    Chemiker-Ztg. 52, 1928, S. 609;
    Die Chem. Industrie, 1933, S. 538;
    W. Emrich, Bildnisse Frankfurter Demokraten, 1956 (P);
    F. Lerner, in: Adreßbuch d. Stadt Frankfurt a. M., 1960, S. 29 f.;
    Rhdb.

  • Portraits

    in: C. Ungewitter, Ausgew. Kap. a. d. chem.-industriellen Wirtsch.pol. 1877-1927, 1927, S. 160.

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Gans, Leo" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 64 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133726622.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA