Lebensdaten
1857 bis 1944
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Pharmakologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121296261 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jacobi, C.
  • Jacobi, Carl
  • Jacobi, Karl
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Zitierweise

Jacobj, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd121296261.html [23.05.2017].

CC0

Jacobj, Carl

Pharmakologe, * 12.9.1857 Hamburg, 16.2.1944 Tübingen. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Wilhelm (1818–81), Kaufm. in H., S d. Kaufm. Joh. Carl in H. u. d. Friederika Wilhelmina Sonntag; M Anna (1827–1909), T d. Ernst Heinr. Weber (1795–1878), Prof. d. Physiol. u. Anatomie in Leipzig (s. ADB 41), u. d. Friederike Schmiedt; Groß-Om Wilhelm Weber ( 1891), Physiker, Eduard (1806–71), Prof. d. Anatomie; Om Theodor Weber (1829–1914), Prof. d. Inneren Med. in|Halle, Heinrich Weber (1839–1928), Prof. d. Physik in Braunschweig; - 1889 Helene (1868–1944), T d. Friedrich Distel (1827–1904), Bgm. u. Notar, u. d. Philippine Ludwig; 1 S, 1 T u. a. Walther (1890–1965), Prof. d. Anatomie in T. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1961).

  • Leben

    J. studierte Medizin in Göttingen, Leipzig, Tübingen und Straßburg. 1871 zum Dr. med. promoviert, wurde er Assistent bei Oswald Schmiedeberg in Straßburg, der 1872 das Fach Experimentelle Pharmakologie als selbständige Disziplin der Medizinischen Fakultät begründet hatte. Hier habilitierte er sich 1891. 1897 wurde er zum Vorstand der physiologisch-pharmakologischen Abteilung des Reichsgesundheitsamtes und zum Regierungsrat in Berlin ernannt. Hier richtete er das Laboratorium ein. Im gleichen Jahr wurde er nach Göttingen als Ordinarius und Direktor des neu einzurichtenden Pharmakologischen Instituts berufen. 1907 kam er in gleicher Eigenschaft nach Tübingen, wo er wiederum ein Institut (1908) für das neugeschaffene Fach zu errichten hatte. 1907 wurde er zum Geh. Medizinalrat ernannt und 1927 emeritiert.

    J.s 45 Jahre (1885–1930) überspannendes Werk muß im Zusammenhang mit der fortschreitenden Spezialisierung in dieser geschichtlichen Phase der Medizin gewürdigt werden. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten wurden Ideenreichtum, kühne Deutungen und Hypothesen und ihre ausführliche Erörterung in der medizinischen Literatur nicht weniger geachtet als eine nüchterne, nur auf Tatsachen gegründete knapp formulierte Beweisführung; selbst kritische Experimentalforscher wie J. konnten sich der Tradition nicht völlig entziehen. Seine Arbeiten haben wesentlich dazu beigetragen, die Überlegenheit der experimentellen Pharmakologie gegenüber der herkömmlichen Arzneikunde überzeugend darzutun. Im übrigen gehörte er zu der Generation jener Universitätslehrer, welche von sich noch den Überblick über ihr ganzes Fach und seine naturwissenschaftlichen Grundlagen forderten. („Die Pharmakologie eine biologische Wissenschaft“, Antrittsrede Tübingen 1908). Wie Schmiedeberg zog J. in seiner Forschungsarbeit keine scharfe Grenze zwischen Pharmakologie und Physiologie und behandelte auch physiologische Probleme eigenständig oder als Grundlage für pharmakologische Untersuchungen (Muskelsinn, Kraftsinn, Physiologie des Herzens, mechanische Wirkung des Luftdrucks, Höhenklima, Wärmezentrum, Nierensekretion). Umfangreiche Arbeiten führte er mit chemischen Methoden aus zur Isolierung und pharmakologischen Untersuchung der Wirkstoffe des Mutterkorns, der Herbstzeitlose und des blutgerinnungshemmenden Hirudins aus dem Blutegel. Im Unterschied zu Schmiedeberg, der die Pharmakologie als „Lehre von den im Organismus durch chemische Substanzen hervorgerufenen Veränderungen, unabhängig von unmittelbar praktischem Nutzen“, wenngleich mittelbar als „Wegweiser für die Therapie“ und die Toxikologie auffaßte, waren J.s Arbeiten zwar auch auf naturwissenschaftliche Interessen, aber viel betonter auf ärztliche Zwecke bezogen. In den Vorlesungen erklärte er nicht nur die Mechanismen der Wirkung von Heilmitteln und Giften, sondern gab auch praktische Anweisungen für die Arzneiverordnung und zur Erkennung, Behandlung und Verhütung von Vergiftungen. Eine besondere Neigung hatte J. zur Konstruktion komplizierter Einrichtungen; so arbeitete er z. B. jahrzehntelang an der Entwicklung einer Apparatur zur Durchblutung isolierter Organe. Viel bewundert wurde sein für den Unterricht konstruierter, vielfältig anwendbarer Projektionsapparat (vergrößerte Projektion von Absorptionsspektren und mikroskopischen Präparaten; Vorführung von Versuchen an lebenden Objekten, z. B. an schlagenden Herzen, Muskelfasern oder einzelligen Lebewesen). Apparate und Einrichtungen seines Instituts hat er mehrmals ausführlich beschrieben. Über seine Hauptarbeitsthemen hat er zahlreiche Mitteilungen, meist im „Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie“, veröffentlicht. In Vorträgen suchte er die Bedeutung der Pharmakologie dem Publikum klar zu machen (Erschöpfung und Ermüdung; Alkoholfrage; Okkultismus und Wissenschaft; Die Pharmakologie und Hahnemann).

  • Werke

    Weitere W u. a. Btrr. z. physiolog. u. pharmakolog. Kenntnis d. Darmbewegungen, 1891; Pharmakolog. Einl. f. d. dt. Bäderbuch, 1906.

  • Literatur

    Rhdb. (W); Fischer; Zeittafeln z. Gesch. d. pharmakolog. Institut d. dt. Sprachgebietes, bearb. v. J. Lindner, 1957.

  • Portraits

    Phot. (München, Dt. Mus., P-Slg. d. Bibl.).

  • Autor

    Paul Pulewka
  • Empfohlene Zitierweise

    Pulewka, Paul, "Jacobj, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 239 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd121296261.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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