Lebensdaten
1552 bis 1620
Geburtsort
Zürich
Sterbeort
Herborn (Nassau)
Beruf/Funktion
Drucker
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119796864 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rab, Christoph
  • Corvinus, Christoph
  • Raab, Christoph
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Zitierweise

Corvin, Christoph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119796864.html [21.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Gg. Rab ( 1580) aus Scheibenberg (Sachsen), 1557 bis 1560 Buchdrucker in Pforzheim, kaufte am 9.4.1561 die Weigand Hansche Druckerei in Frankfurt/Main u. schloß mit Han ( 1562) u. seinen Teilhabern einen Gesellschaftsvertrag ab, dem S. Feyerabend 1562 beitrat, bekannt sind sein Druck v. Joh. Fischarts Ausg. des Frankfurter Stadtrechts v. 1578 u. eine Oktavbibel mit 197 Holzschnitten v. Jost Amman (s. NDB I);
    M Margreth ( 1580);
    1) 1580 Anna, Wwe desref. Pfarrers Jakob Hagen in Germersheim, 2) 1589 Ursula, T des Amtmanns Hilgard in Grüningen (Wetterau), 3) 1608 Anna, T des Prof. Jakob Joh. Herrmann in Herborn; 17 Kinder, u. a. Gg. ( 1645), Prof. der Philos. in Herborn, führte die Druckerei des Vaters zusammen mit Joh. Gg. Mudersbach weiter (s. ADB IV).

  • Leben

    C. studierte an der Philosophischen Fakultät 1570 in Heidelberg, 1572 in Wittenberg, 1574 in Wien. Seit 1575 war er im väterlichen Druckerei- und Verlagsbetrieb zu Frankfurt/Main tätig, den er 1580 übernahm. Die wachsende Abneigung des Frankfurter Rats gegen die Ausübung des reformierten Glaubens, zu dem sich C. bekannte, und die scharfe Überwachung des Buchdrucks durch die kaiserliche Bücherkommission in Frankfurt seit 1580 verleideten C. den Aufenthalt hier. Er nahm daher am 15. Juli 1585 die Berufung als akademischer Drucker nach Herborn an. Trotz der Einschränkungen durch seinen Druckervertrag (scharfe Vorzensur aller Druckerzeugnisse durch den Schulrat der Herborner Hochschule beziehungsweise den Grafen), hat C. seinen Betrieb stark erweitert und mit der wachsenden Blüte der Herborner Hochschule Schritt gehalten. Bis 1592 ist daneben noch seine Druckerei und sein Verlag in Frankfurt nachweisbar. 1595 ist er mit seinem Druckereibetrieb der Hochschule vorübergehend nach Siegen gefolgt; 1599 beschäftigte er bereits 10 Gesellen und einen Korrektor.

    Die Gesamtzahl der Drucke aus seiner Presse übersteigt bei weitem 1000, alle in schöner Druckausstattung und fehlerfreiem Satz, aber puritanisch schmucklos. Die Hälfte aller Drucke entstammen der Feder Herborner Professoren, sämtliche dem reformierten Glaubensbereich. Besonders verbreitet waren: seine Lutherbibel seit 1595, das reformierte Gesangbuch (aus der Lobwasserschen Psalmenübersetzung) und der Katechismus, beide fast alljährlich neu aufgelegt.

    Eine gewaltige Leistung war der Druck der Piscatorbibel (Übersetzung und Kommentar von dem Herborner Theologieprofessor Johann Piscator) in drei Ausgaben (1602–1604, 1604-06 und 1617). C. war nicht nur der erste, sondern auch der bedeutendste Drucker der nassauischen Stammlande. Neben seiner Druckerei unterhielt er auch einen umfangreichen Buchhandel, da er vertraglich zur Belieferung der Herborner Professoren und Studenten sowie der gräflichen Bibliothek mit Neuerscheinungen verpflichtet war. C. war wegen seiner Mildtätigkeit hochgeachtet.

  • Literatur

    ADB IV;
    J. Corfius, Eine christl. Lpr. bey Begräbnis … Ch. C. …, Herborn 1620;
    J. Steubing, Gesch. d. Hohen Schule Herborn, 1823;
    A. v. d. Linde, Die Nassauer Drucke d. kgl. Landesbibl. zu Wiesbaden I, II, 1882/87;
    H. Schlosser, Die Bedeutung d. Hohen Schule Herborn f. d. Gesch. d. dt. Geistes, in: Nassau. Ann. 55, 1935, S. 101-12;
    H. Gerber, Ch. C., in Nassau. Lb. III, 1948, S. 117 bis 126;
    Benzing, Buchdrucker (auch f. V Gg.).

  • Autor/in

    Harry Gerber
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerber, Harry, "Corvin, Christoph" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 370 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119796864.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Corvinus: Christoph C. (Raab, Rabe), geb. 1552 zu Zürich, starb 14. Jan. 1620. Am dortigen Gymnasium wissenschaftlich vorgebildet, widmete er sich zunächst auf den Hochschulen zu Heidelberg und Wittenberg dem Studium der classischen Sprachen, sodann dem Buchdruckergeschäfte seines Vaters Georg. Nachdem er sich für dieses durch Reisen, namentlich nach Wien, vorbereitet hatte kehrte er 1574 nach Zürich zurück, zog jedoch bald nachher mit dem Vater, der seinetwegen das Geschäft zu erweitern suchte, nach Frankfurt a/M. Von hier folgte der „feine, gelehrte, gottesfürchtige“ Mann, der „vier Pressen in Bereitschaft“ hatte, im August 1585 einem Rufe des Grafen Johann von Nassau-Katzenelnbogen als akademischer Buchdrucker an die neu errichtete Hochschule zu Herborn, ward als solcher mit seinen Gesellen und Angehörigen unter die Schulverwandten gerechnet, durfte jedoch laut Vertrag vom 15. Juli 1585 nichts drucken ohne Erlaubniß der Schule. Als Gehalt bezog er 50 Radergulden, 10 Gulden Hauszins, 16 Fuder Holz, 2 Fuder Heu und überdies genoß er mit 6 Gesellen auf 10 Jahre bürgerlicher und Schatzungsfreiheit. 1591 kaufte er zu eigener Wohnung den vormals adelichen Burgsitz der Wolfskehle von Vocksberg, jedoch druckte er für die Jahre 1596 und 1597 zu Siegen, wohin auch zeitweise die Hochschule verlegt war, 1598 tragen seine Artikel wieder den Ortsnamen Herborn; hier starb er. Das Geschäft setzten vorerst die Erben fort. — Eine hohe wissenschaftliche Bildung in den classischen und theologischen Wissenschaften, warmer Eifer für das reformirte Bekenntniß und die bedeutenden typographischen Leistungen trugen Corvinus Ruhm bis nach Westfalen, weiter bis in die Schweiz, selbst bis Böhmen, Polen und Ungarn. Mit mehreren Fürstenhäusern (z. B. dem Grafen Arnold von Bentheim-Steinfurt) und mit den größten Gelehrten seiner Zeit stand er in persönlichem oder brieflichem Verkehr. — Aus seiner Officin gingen hervor sämmtliche Werke von Johann Piscator, Schriften von Alsted, Bisterfeld, Martinius, Georg Sohnius, Olevian, Textor,|Vorstius, Zepper. 1632 belief sich allein die Zahl der Verlagsartikel seiner Erben auf 242 größere Werke. Seine, von ihm selbst corrigirten Druckstücke zeichneten sich so sehr durch Sauberkeit, Geschmack und Correctheit aus, daß, wie C. selbst unter den gelehrten Buchdruckern einen ehrenvollen Rang einnimmt, seine Leistungen mit den besten deutschen und niederländischen verglichen zu werden pflegen. Als Titelvignette trugen sie das auf seinen Namen deutende Bild, wie die Raben dem Elias Brod bringen. C. wird von den Zeitgenossen (Rosenbach) als „gelehrter, frommer, humaner, gegen Hausgenossen und Arme stets mildherziger“ Charakter geschildert. Er war drei Mal verheirathet, zuletzt mit der Tochter des Herborner Professors Hermann; von 17 Kindern überlebten ihn nur 4; sein Sohn Georg C. war Professor der Philosophie zu Herborn und starb 1645 auf einer Collectenreise in den Niederlanden, welche er zum Besten der im 30jährigen Kriege heruntergekommenen Hochschule übernommen hatte.

    • Literatur

      Fr. W. Cuno in d. (Detmolder) evang.-reformirten Kirchenzeitung (1874), Jahrg. XXIV, 257—266. J. B. Nordhoff, Denkwürdigkeiten aus dem Münsterischen Humanismus. Mit einer Anlage über das frühere Preß- und Bücherwesen Westfalens 1874, S. 206.

  • Autor/in

    Nordhoff.
  • Empfohlene Zitierweise

    Nordhoff, Josef Bernhard, "Corvin, Christoph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 509-510 unter Corvinus [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119796864.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA