Lebensdaten
1824 bis 1910
Geburtsort
Altona bei Hamburg
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
Dirigent ; Komponist ; Leiter der Leipziger Gewandhauskonzerte
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119388472 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Carsten, Heinrich
  • Reinecke, Carl
  • Carsten, Heinrich
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Zitierweise

Reinecke, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119388472.html [16.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf Rein(e)cke (1795–1883), Musiktheoretiker, gründete 1825 d. „Ältere Altonaer Liedertafel“, 1827 d. „Ver. f. gemischten Chorgesang“, Leiter d. „Apollo-Ver.“, seit 1844 Seminarmusiklehrer in Segeberg (s. Biogr. Lex. Schleswig-Holstein II, 1971), S e. Schuhmachers in H.;
    M Johanna Henriette Dorothea Wetegrove ( 1828);
    Stief-M (seit 1836) Johanna Elisabeth Henriette Hubp;
    1) 1852 Betty ( 1860), aus Bad Segeberg, T d. N. N. Hansen, dän. Kammerrat, Verw. d. Amtes Traventhal, u. d. Friederike v. Dorrien (1800–73), 2) Leipzig 1861 Charlotte Scharnke (1831–68), 3) Leipzig 1872 Margarethe Schifflin (1849–1920), aus Krefeld;
    1 S, 2 T aus 1), 2 S, 2 T aus 2), u. a. Franz (1868–1949, s. L), 2 T aus 3).

  • Leben

    R. wuchs in relativ ärmlichen Verhältnissen auf. Aufgrund seiner schwachen Konstitution besuchte R. keine öffentliche Schule, sondern wurde von seinem strengen Vater in allen Fächern, auch musikalisch unterrichtet. Er erlernte das Klavierspiel sowie verschiedene andere Instrumente und begann früh mit eigenen Kompositionsversuchen. Seit dem elften Lebensjahr erteilte er im Hamburger Raum Musikunterricht und trug damit zum Unterhalt der Familie bei. Als Mitglied verschiedener Chor- und Orchestervereinigungen konnte er auch eigene Stücke zur Aufführung bringen. Als erstes von 288 Werken mit Opuszahl erschien 1838 ein Heft Klavierstücke im Druck. Fünf Jahre später reiste R. erstmals nach Leipzig, wo er u. a. Schumann, Mendelssohn und Niels Wilhelm Gade begegnete, die sich trotz kritischer Einwände insgesamt günstig über seine Musik äußerten. Seit 1845 unternahm er mehrere Reisen durch Europa. In Kopenhagen fungierte er 1847/48 als Hofpianist des dän. Königs. 1851 verpflichtete ihn Ferdinand Hiller als Lehrer ans Kölner Konservatorium für Musik, wo R. drei Jahre wirkte. Nach weiteren Musikdirektorstationen in Barmen und Breslau trat er 1860 die Nachfolge von Julius Rietz (1812–77) als Gewandhauskapellmeister an. Zudem wirkte er als Kompositionslehrer am Leipziger Konservatorium (1885 Prof., 1897 Direktor). Nach 35 Jahren an der Spitze des Gewandhausorchesters wurde R. 1895 in den Ruhestand versetzt. Erst 1902 trat er von den verbliebenen Ämtern zurück, komponierte und konzertierte jedoch bis kurz vor seinem Tod. Zu seinen wichtigsten Schülern zählen Edvard Grieg, Hugo Riemann, Christian Sinding und Felix Weingartner.

    Während seiner Leipziger Jahre gehörte R. zu den einflußreichsten Persönlichkeiten des dt. Musiklebens, was sich besonders an seiner Repertoirepflege ablesen läßt. Neben den von ihm am meisten verehrten Komponisten Mozart und Beethoven sowie seinen direkten Vorbildern Mendelssohn und Schumann stand die Neubewertung der Musik vor 1750; hier brachte er regelmäßig Werke Rameaus, Bachs, Händels, selbst Palestrinas zur Aufführung. Dagegen beurteilte er die musikalischen Entwicklungen nach 1850 mit Skepsis und stand der Wagner-Liszt-Partei mit großer Reserve gegenüber, wiewohl er auch deren Partituren gelegentlich in seinen Abonnementskonzerten aufführte. Die Bedeutung Brahms' schätzte er nicht so hoch ein wie viele seiner Zeitgenossen, führte seine jeweils neuesten Werke jedoch als Novitäten in Leipzig ein. Als Pianist für das Repertoire zwischen Bach und Schumann wurde R. der unmanierierten Eleganz seines Spiels wegen selbst von seinen Gegnern geschätzt, während sein objektivierendes Dirigat viele Kritiker fand. Mit Ausnahme der bedeutendsten romantischen Flötensonate (Undine, op. 167) sind die ambitionierteren Partituren R.s bereits seit etwa 1890 aus dem Blickfeld geraten. Unter den Opern ragt „König Manfred“ als exzellenter romantischer Brückenschlag zwischen Schumann und Wagner hervor. Zu den besonders überzeugenden Partituren R.s zählen ferner das 1. Klavierkonzert op. 72, die 1. Symphonie op. 79, das Cellokonzert op. 82 und das Klavierquintett op. 83. Seinen Spätstil kennzeichnen eine stufenreichere Harmonik und eine erweiterte Farbpalette; entsprechend werden nach einer Zeit des Vergessens gegenwärtig v. a. die späten Kammermusikpartituren für gemischte Besetzung neu gewürdigt. – Dr. phil. h. c. (Leipzig 1884); hzgl. sächs. Medaille f. Kunst u. Wiss.

  • Werke

    u. a. Kl. Fantasiestücke f. d. Pianoforte op. 17, 1848;
    Klavierballade op. 20, 1850;
    Eine Novelle in Liedern f. Tenorstimme u. Pianoforte op. 81, 1864;
    Schauspielmusik zu „Wilhelm Tell“ op. 102, 1870;
    Violinsonate op. 116, 1872;
    Klavierkonzert Nr. 2 op. 120, 1872;
    Symphonie Nr. 2 „Hakon Jarl“ op. 134, 1874;
    „Dornröschen“ f. Soli, Chor u. Orch. op. 139, 1875;
    Klavierkonzert Nr. 3 op. 144, 1877;
    Harfenkonzert op. 182, 1884;
    Ouvertüre „Zenobia“ op. 193, 1887;
    „Von der Wiege bis zum Grabe“ f. Pianoforte op. 202, 1888;
    Klavierballade Nr. 2 op. 215, 1892;
    Streichtrio op. 249, 1898;
    Flötenkonzert op. 283, 1908;
    Schrr.:
    Was sollen wir spielen?, 1886;
    Rathschläge u. Winke f. Clavierschüler, 1890;
    Zur Wiederbelebung d. Mozartschen Clavier-Konzerte, 1891;
    Die Beethovenschen Clavier-Sonaten, Briefe an e. Freundin, 1895;
    Und manche liebe Schatten steigen auf, Gedenkbll. an berühmte Musiker, 1900;
    Aus d. Reich d. Töne, 1907.

  • Literatur

    M. Charles, Zeitgenöss. Tondichter, 1888;
    Franz Reinecke, Verz. d. Compositionen v. C. R., 1889;
    W. J. v. Wasielewski, C. R., 1892 (P);
    E. Segnitz, C. R., 1900;
    N. Topusov, C. R., Btrr. z. seinem Leben u. seinem Symphonik, 1943;
    G. Puchelt, Verlorene Klänge, Studien z. dt. Klaviermusik 1830-1880, 1969;
    J. Forner, Die Gewandhaus-Konzerte zu Leipzig 1781-1981, 1981;
    M. Wiegandt, Vergessene Symphonik?, Studien zu Joachim Raff, C. R. u. z. Problem d. Epigonalität i. d. Musik, 1997;
    S. Bromen, Studien zu d. Klaviertranskriptionen Schumannscher Lieder v. Franz Liszt, Clara Schumann u. C. R., 1997;
    K. Seidel, C. R. u. d. Leipziger Gewandhaus, 1998 (P);
    R. Sietz, in: K. G. Fellerer (Hg.), Rhein. Musiker III, 1965;
    Biogr. Lex. Schleswig-Holstein II, 1971, S. 202-06 (P);
    Riemann mit Erg.bd.;
    MGG (P);
    New Grove (P);
    New Grove2(P).

  • Autor/in

    Matthias Wiegandt
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiegandt, Matthias, "Reinecke, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 347-348 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119388472.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA