Lebensdaten
1717 oder 1714 bis 1767
Geburtsort
Prag
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119244381 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grund, Norbert Joseph Karl
  • Grund, Norbert
  • Grund, Norbert Joseph Karl
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Zitierweise

Grund, Norbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119244381.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (1687–1751), Maler, vermutl. durch Vermittlung Gf. Kollowrats in d. Werkstatt v. M. W. Halbax u. unter Einwirkung P. Brandls ausgebildet, benutzte als Vorlagen u. a. Kupf. d. röm. Hochbarock, 1735 als Porträtmaler in d. Prag-Kleinseitner Malergilde aufgen. (s. W, L), S d. Häuslers Michael in Priesten b. Karbitz;
    M Ludmilla Spannaberger;
    B Franz Karl (1720–56), Maler in P., Franz ( 1743), Maler in P., Christian (1722–84), Maler u. Musiker in Würzburg, Jan Eustach (* 1726), Musiker (Harfe) in Würzburg u. Gunzenhausen, Anton ( 1806), Kupferstecher;
    Prag 1751 Ludmilla Illinger (Klinger ?);
    7 K;
    N Joh. Jak. Norbert (1755–1814), Miniaturmaler in Ansbach, 1780-94 in Rom, Prof. am Konservatorium in P., 1791 Prof. a. d. Ak. Florenz, Schriftsteller (s. W, L).

  • Leben

    Aus dem Kreis handwerklicher deutscher Maler und Bildhauer, unter denen G. auf der Prager Kleinseite lebte, hebt er sich als einziger heute noch bekannter und geschätzter Künstler hervor; sein Werk wurde in besonderem Maß Ausdruck seiner Zeit. – Als Sohn des Hofmalers des Grafen Norbert Vincenz Kollowrat-Liebsteinsky wurde G. durch diesen seinen Paten und Mäzen gefördert. Er erhielt die Grundausbildung bei seinem Vater (Entlassung aus der Lehre 1737) und empfing weitere Anregungen in Prager Adelsgalerien. Für seine Wanderjahre in Wien und Deutschland spielten vermutlich die Beziehungen der Kollowrat zu den Schönborn in Würzburg, zu den Montfort und Seinsheim eine Rolle. Ein Ausbildungsverhältnis zu bestimmten Künstlern oder eine Lehrzeit an der Akademie in Wien ist für diese Zeit nicht nachweisbar. Sein eigentliches Vorbild, Franz de Paula Ferg, hatte er vermutlich schon in Prag studiert. Dieser stellte für ihn das Bindeglied vom niederländischen Genre (Wouverman, Teniers, Berchem) zu dessen italienisch-französisch bestimmter Variante dar (Watteau, Pater, Fragonard, Robert, Boucher). Neben der Landschafts- und Genremalerei Grafscher Tradition wurde für G. die für die Wiener Schule typische Verbindung zum venezianischen Rokoko verbindlich. Sein Selbstbildnis läßt vermuten, daß er in Wien in Kontakt kam mit Johann Martin Schmidt (aus Krems). Dort nahm er technische und künstlerische Anregungen auf, und es ist naheliegend, zu vermuten, daß er darauf in Bayern und in Würzburg die Malweise Amigonis und Tiepolos studierte. Thematisch bleibt er dem kleinen Genre niederländischer Herkunft verhaftet, wie es sich seit dem 17. Jahrhundert in Frankreich und Italien weiter entwickelt hatte. Um 1750 kehrte er nach Prag zurück und legte nach einer Aufforderung vom Oktober 1751 im Oktober 1752 der Prag-Kleinseitner Malergilde das Probestück vor und wurde aufgenommen. Im April 1753 wurde er Principal (dabei als Landschaftsmaler bezeichnet). Seine Bilder wurden von Händlern weiterverkauft, unter anderem auf der Messe in Leipzig. Durch Stiche seines Freundes Johann Balzer fanden sie weite Verbreitung.

    Die Anregungen zu seinen Kompositionen empfing G. von Anfang an überwiegend aus Kupferstichen, von welchen er ganze Kompositionen, Einzelfiguren und Staffageteile übernahm und vielfältig variierte. Nachweisbar ist die Verwendung von Stichen nach Watteau, Vernet sowie den bei Johann Wagner in Venedig verlegten Serien nach Bildern von Longhi, Flipart, Zais und Zuccarelli. Selbstwiederholungen sind dabei für seine Arbeitsweise typisch und waren in der Zeit durchaus üblich. Bezeichnend für seine Auffassung ist die Mischung von niederländischen, französischen und italienischen Zügen. Im Motivischen niederländisch-realistisch, sind seine Szenen im Gehalt französisch-arkadisch, und die Farbgebung ist italienisch-luminaristisch. Seine undatierten Bilder kann man nach der künstlerischen Entwicklung und den wenigen historischen Anhaltspunkten in eine zeitliche Aufeinanderfolge beziehen: in der 1. Periode herrscht ein deskriptiver Kolorismus, der Raum wird durch Figuren und landschaftliche Versatzstücke gestaltet. In der mittleren Zeit herrscht eine schönfarbige malerische Komposition rein dekorativer Flächenfüllung, und in den 50er Jahren beginnt eine Wandlung, indem sich die erworbene Lockerheit der Malweise verbindet mit einer neuen Sorgfalt und Liebe zum Einzelnen und nun das Erlebnis des breiten landschaftlichen Raumes spürbar wird. Durch seinen frühen Tod erfährt diese Phase keine größere Ausweitung. – Als böhmische Note innerhalb seines Werkes würde man seine heitere Musikalität, den Humor und den Phänotypus seiner Figuren bezeichnen. Mit dem Maß, mit dem gegen Ende seines Schaffens die italienische Note abnimmt, wird ein ausgesprochenes Landschaftsgefühl bemerkbar, wie es im Werk des gleichaltrigen Johann Christian Brand für die weitere Entwicklung in der deutschen Malerei bestimmend wurde. Im Thematischen sind es in dieser Zeit die freudig beschäftigten kleinen Figuren anakreontischer Dichtart (Hagedorn und Geliert gehören der gleichen Generation wie G. an), die seinen Bildinhalt ausmachen. Heiterkeit und Helligkeit spiegeln den Lebensoptimismus der Aufklärung, die Neigung zum Natürlichen und Empfindsamen.

  • Werke

    In öffentl. Bes.: Prag, Národní Gal. (251), Mus. Hlav. Města Prahy u. Národni Mus.;
    Brunn, Landesmus.;
    Berlin, Stiftung Preuß. Kulturbes., Gem. gal.;
    Dresden, Staatl. Kunstslgg.;
    Innsbruck, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum;
    Graz, Mus. Joanneum;
    Wien, Barockmus.;
    Nürnberg, German. Nat. mus.;
    Aachen, Suermont Mus.;
    Bamberg, Residenz;
    Helsinki, Ateneumin Taidekokoelmat;
    Hermannstadt, Gem. gal.;
    Slgg. in d. Tschechoslowakei (Kloster Strahov in Prag, Kloster Hohenfurth, Stift Ossegg, Städt. Slg. Brüx, Schloß Rosenberg/Moldau, Schloß Jetřichowitz, Künstlerhaus Mähr.-Ostrau, Prämonstratenserstift Tepl). - In Privatbes. in Hamburg, Stuttgart, Michelstadt. - Möglicherweise kommen unter d. G. zugeschriebenen Bildern solche s. Brüder vor;
    es ist nicht bekannt, wieweit Franz Karl u. Peter Paul Christian im selben Stil malten. Bei d. Fehlen v. Signaturen ist d. Kupferstichmerk Joh. Balzers (228 Stiche nach G. aus d. J. 1777-89 bekannt, dazu 50 aus d. J. 1775 erwähnt, dgl. 22 aus d. J. 1777–87) d. einzig feste Anhaltspunkt. - Zu V Christian: Urkundl. gesichert 2 Altarbilder, 1730 (Milleschau, Pfarrkirche);
    zugeschrieben 2 Phantasiebildnisse (Schloß Reichenau a. d. Knežna). - Zu N Joh. Jak. Norbert: Über d. Malerei d. Griechen, od. Entstehung, Vollendung u. Verfall d. Malerei, 1810;
    Kaiser Karl III., 1784 (Trauerspiel).

  • Literatur

    ADB X;
    P. Toman, O životě N. G., in: Volné Směry 18, Prag 1912;
    ders., Glosy k životu s dílu N. G., ebd. 19, 1918;
    ders., Nový slovník čs. … umělců, Prag 1936;
    A. Podlaha, in: Památky archeologické 25, I, ebd. 1913, S. 183, 30, 1918, S. 59, 34, 1925, S. 271;
    V. V. Štech, Úvod v katalogu výstavy N. G. ve Feiglově galerii, ebd. 1932;
    A. Matějček, N. G., ebd. 1937 (P);
    J. Nissen, Neuer Btr. z. Forschung um d. böhm. Maler N. G., Diss. Prag 1945 (ungedr., W-Verz. u. Urkk.auszüge);
    V. Novotny, Btr. zu d. Anfängen d. Malerarb. N. G.s, Cestami Uměni, Sbornik praci poctě šedesátých narozenin Antonína Matějčka, ebd. 1949;
    J. Kříž, Diss. u. Cat. raisonnée, ebd. o. J. (n. 1945);
    Wurzbach V (W, L auch f. Fam.);
    Topičův Sbornik literární a umelěcký VIII, Prag 1920/21, S. 328-33;
    ThB (auch f. Fam.).

  • Portraits

    Selbstbildnis (?) (halbfigurig) mit Palette u. Pinsel, vor 1745 (Prag, Národní Gal.);
    Selbstbildnis mit Fam., n. 1751 (ebd., ehem. Slg. Chaura), Abb. b. A. Matějček, s. L.

  • Autor/in

    Johanna Zick-Nissen
  • Empfohlene Zitierweise

    Zick-Nissen, Johanna, "Grund, Norbert" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 220-221 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119244381.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Grund: Norbert G., einer der fruchtbarsten Kleinmaler Böhmens, wurde 1714 zu Prag geboren, wo er auch 1767 starb. Sohn eines Malers, überhaupt einer Künstlerfamilie angehörig, erhielt G. schon von Haus aus mannichfache Anregung zu einer vielseitigen Entwickelung seines Talentes. Bestimmten Zug gewann dieses jedoch erst in Wien, unter Leitung des Genre- und Landschaftsmalers Franz Ferg, dessen Vorliebe für die Niederländer vollständig auf den jungen G. überging, für Wahl und Behandlung seiner Darstellungsgegenstände maßgebend blieb. Nach der Uebersiedelung Ferg's nach London hielt G. eine kurze Umschau in Oberitalien und Deutschland, kehrte dann 1741 auf die Dauer nach Prag zurück und wurde hier bald der beliebteste und beschäftigtste Maler jener Periode. Meist in kleinen Breitbildern zwischen 20 und 40 Cmtrn., malte er mit bewunderungswürdiger Fertigkeit und Eleganz bunt durcheinander: Bataillen und Kinderspielscenen, Seestücke und Bauerkirmsen, vereinsamte Schäferpärchen und Jahrmärkte, dazwischen immer noch recht gelungene Porträts. Zwei der besten von diesen, sein eigenes und das des Landschaftsmalers Mart. v. Molitor, sind in der zur Prager Gallerie der „Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde“ gehörigen „Hoser'schen Sammlung“ zu finden, in welcher zugleich noch durch eine, die Hundertzahl erreichende Reihe von Landschaften und Genrebildchen, ziemlich erschöpfender Ueberblick zu gewinnen ist über die Productionsfülle dieses ganz seltsam aus seiner zeitgenössischen Umgebung vortretenden Künstlers. Leicht tockirt, meist auf einen — neuester Zeit wieder in die Mode gekommenen — silbergrauen Hintergrund versetzt, heben sich die fein colorirten, putzigen Figürchen oder Scenerien lebensfrisch ab, bis etwa auf die ins Mitinteresse gezogenen Thiere, die, wie durchweg bemerkbar wird, dem Pinselcommando einigermaßen widerstrebten. Bestimmte Angaben über die Gesammtzahl seiner Werke sind zwar nicht vorhanden, wol aber bleibt schon deshalb auf eine ungewöhnlich hohe Ziffer zu schließen, weil in den vielen Privatsammlungen Prag's, sowie in den Schlössern der böhmischen Cavaliere kein anderer Meister gleich vielzählig vertreten erscheint, wie eben G. Seine Popularität bestätigt in anderer Richtung noch, daß einer der bedeutendsten Kupferstecher jener Zeit, Johann Balzer, fast ausschließlich nur mit dem Nachstechen der Bilder von G. beschäftigt wurde. Dlabacz wußte blos 50 solcher Stiche anzuführen; wie ich mich indeß beim Durchsuchen der Kupferstichsammlung Burde's, des früheren Custos der Prager Gallerie überzeugen konnte, war die Zahl selbst mit 80 noch nicht abgeschlossen.

  • Autor/in

    Rudolf , Müller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Rudolf, "Grund, Norbert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 34-35 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119244381.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA